# taz.de -- Krieg im Südlibanon: Israels nächste „gelbe Linie“
> Das israelische Militär meldet die Einnahme einer strategisch wichtigen
> Hügelkette im Südlibanon. Und will sich nun auf eine neue
> Sicherheitslinie zurückziehen.
(IMG) Bild: Eine Frau blickt am 31. Juli 2026 von einem Balkon in Maifadoun im Südlibanon in Richtung des Ali-al-Taher-Hügels
Die Ali-Taher-Hügelkette im Süden Libanons gilt als einer der begehrtesten
und zugleich umkämpftesten strategischen Punkte im Konflikt zwischen Israel
und der von Iran unterstützten Hisbollah-Miliz. Von seinen Anhöhen
überblickt man den Südosten des Landes. Und unter seiner Erde hatte die
Hisbollah ein [1][Netzwerk aus Tunneln] und Kommandozentralen aufgebaut.
Jetzt hat die israelische Armee eigenen Angaben zufolge den Hügel erobert,
die libanesischen Kämpfer seien tot oder aus den unterirdischen Anlagen
geflohen. Und das Militär will nun seine „Verteidigungshaltung anpassen“.
Laut einem Bericht des israelischen Senders Kan will das Militär nach der
Zerstörung der Tunnels seine Streitkräfte in dem Gebiet teilweise abziehen.
Gleichzeitig bereite sich die Armee vor, eine neue „Sicherheitslinie“ im
Libanon aufzuziehen, mit Militärposten etwa zwei bis vier Kilometer tief im
libanesischen Staatsgebiet. Parallel dazu sollen sich die israelischen
Soldat:innen langfristig aus dem restlichen Libanon zurückziehen.
Das israelische Militär ließ eine entsprechende Anfrage der taz dazu
unbeantwortet. Und israelische Politiker halten sich bislang eher bedeckt.
[2][Gerade besetzt Israel eine Pufferzone im Südlibanon entlang der
Grenze.] Sie ist etwa zehn Kilometer breit und umfasst circa 600
Quadratkilometer.
[3][Laut dem trilateralen Abkommen, das Israel und der Libanon im Juni in
den USA unterzeichneten], sollen sich die israelischen Streitkräfte
zunächst aus mehreren „Pilotzonen“ zurückziehen. Die Kontrolle über diese
Gebiete soll dann das libanesische Militär übernehmen. Sobald die
libanesischen Staatskräfte die Kontrolle über den ganzen Südlibanon
wiedererlangt haben, soll Israel das Land komplett verlassen.
Doch die weiteren Verhandlungen stocken. Geplante Gesprächsrunden Anfang
September wurden auf ein unbestimmtes Datum verschoben, immer wieder wird
die Waffenruhe von beiden Seiten gebrochen. Israel fordert von der
libanesischen Armee ein härteres Durchgreifen gegen die Hisbollah. Die
weigert sich wiederum, das Abkommen anzuerkennen. [4][Und der libanesische
Staat zögert, gegen die mächtige, als „Staat im Staat“ agierende Hisbollah
entschlossen vorzugehen.]
## Brächte ein Abzug Netanjahu in Bedrängnis?
Sollten auf die israelischen Medienberichte eines Rückzugs auch
entsprechende Taten folgen, wäre das ein erheblicher Schritt in Richtung
der Forderungen des Abkommens. Allerdings zielt Beirut langfristig darauf,
dass Israels Truppen sich vollständig aus dem Libanon zurückziehen. Und es
ist unklar, wie lange Israel beabsichtigt, in der neuen, verkleinerten
Pufferzone zu bleiben. Das könnte eine endgültige Einigung erschweren.
Gleichzeitig könnte die rechtskonservative, religiös-nationalistische
Koalition von [5][Premier Benjamin Netanjahu] wegen des teilweisen Abzugs
in Bedrängnis kommen. Denn von radikaleren rechten Gruppen und Politikern
kommt die Forderung, den Südlibanon dauerhaft zu besetzen. Der
rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich ging so weit, dass er vor
einigen Monaten öffentlich eine Annexion des Südlibanon forderte.
Israelische Politiker:innen befinden sich gerade mitten im Wahlkampf;
am 27. Oktober treten die Staatsbürger:innen an die Urnen. Es ist daher
unwahrscheinlich, dass die regierenden Parteien unpopuläre Maßnahmen
befürworten. Und eine Umfrage des Israel Democracy Institute aus dem
Frühjahr zeigte: [6][Vier von fünf befragten jüdischen Israelis
befürworten, den Kampf gegen die Hisbollah weiterzuführen.] Unter den
befragten arabischen Israelis spricht sich ein Drittel dafür aus.
## In einer Umfrage ziehen Regierung und Opposition gleich
Derzeit stehen sich die aktuelle Regierungskoalition und die
Oppositionsparteien in Umfragen zur Wahl auf Augenhöhe gegenüber. Anfang
September hat der Sender Kanal 13 die jüngsten Daten dazu veröffentlicht,
demnach würden der Netanjahu-Block und [7][der von Gadi Eisenkot und seiner
Yashar-Partei angeführte Oppositionsblock] jeweils 53 Sitze erhalten.
Gleichzeitig steht die aktuelle israelische Regierung unter erheblichem
Druck durch die USA, den vom US-Präsidenten Donald Trump initiierten Plan
und das trilaterale Rahmenabkommen zu ermöglichen. Und das würde am Ende
bedeuten, Truppen aus dem Libanon langsam abzuziehen. Dass
Politiker:innen sich erst mal bedeckt halten, erscheint in dieser
Zwickmühle logisch.
6 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Serena Bilanceri
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