# taz.de -- Fisch essen in Hamburg: Zwischen Schlager und Scholle
> Wenn sich nichts verändert hat, kann man schon mal nostalgisch werden.
> Vielleicht liegt’s aber auch an Andrea Berg.
(IMG) Bild: Wahnsinn. ANDREA BERG!
Fisch. Als Hanseatin mit Angelschein lege ich ihn euch ans Herz. Einmal pro
Woche muss er auf den Tisch, allerdings nicht zwingend auf den eigenen. In
meiner Kindheit, nach dem Einkaufen in der Innenstadt mit meiner Großmutter
(als Altonaerin sagte sie „wir fahren in die Stadt“, womit sie Hamburg
meinte, weil Altona ja bis 1937 gar nicht zu Hamburg gehörte), gingen wir
früher entweder ins Alsterhaus, um Königinpasteten zu essen, oder zu Daniel
Wischer, wo es Fischfrikadellen oder Matjes oder Scholle gab. Und
Fassbrause.
Ich fand die Meereskost dort eher öde, daher führte ich diese Tradition in
späteren Jahren nicht fort, aber Tex Rubinowitz isst, wenn in Hamburg, ja
stets bei Wischer, findet das Lokal toll und versucht, uns immer wieder zu
überreden, dort gemeinsam einzukehren.
Um es kurz zu machen: Ich kam heute dran vorbei, hatte Hunger und war
neugierig, ob sich da inzwischen was verändert hat. Hat es nicht. Aber
nennt mich nostalgisch – mir wurde warm ums Herz. Im gediegenen Ambiente
genoss ich solide norddeutsche Küche, die ruppig serviert wurde (zwei
Fischfrikadellen, drei Salatblätter, Kartoffelpürree auf einem separaten
Teller, Mayonnaise muss man extra ordern: 90 Cent).
Mein Blick wanderte während des Essens immer wieder über die Fotogalerie an
der Wand mit historischer Werbung und Bildern von Prominenten, die vor
Konzerten oder Talk-Show-Auftritten bei Wischer eingekehrt waren, um sich
eine Grundlage zu legen.
Wahnsinn. ANDREA BERG! Die dunkle Königin des Trennungs- und
Fremdgehschlagers ist auch mal zu Gast gewesen. Ich verstehe nicht, warum
sie nicht gleich für eine Werbekampagne des Traditionsbetriebs eingespannt
wurde. Bodenständig und pumperlgsund, wie sie wirkt. Ich kann mir ihr Foto
gut großflächig plakatiert vorstellen. Vielleicht im Anglerdress? Mit einem
stattlichen Barsch auf dem Arm? Slogan natürlich: „Die Geflügel haben
Schweigepflicht!“ Logisch.
13 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Rebecca Spilker
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