# taz.de -- Brazilian Waxing: Landing Strip
> Auf einer Liege, nackt, unter kaltem Neonlicht und Schmerzen
> antizipierend, kann einem schon mal ein bisschen schwitzig werden.
Mein Unterkörper ist frei, ich liege auf einer Liege. Mein Oberkörper ist
bekleidet. Über mir steht eine Frau, älter als ich, und redet beruhigend
auf mich ein. Sie sagt, ich soll mein Bauchfett nach oben ziehen und ganz
langsam ein- und ausatmen. „Landing Strip?“, versichert sie sich. Vor Panik
leicht keuchend stimme ich zu.
Mein Unterkörper ist so feucht von meinem Angstschweiß, dass sie eine ganze
Weile lang daran herumtupft, bis er trocken genug ist, um der heißen,
klebrigen Masse auf mir Halt zu geben. Sie tupft und tupft, manchmal
schüttelt sie, leicht genervt, den Kopf. Dann verteilt sie heißes Wachs auf
meinem Unterkörper. Sie drückt es fest und wartet einen Moment, bis es fest
geworden ist. Dann bedeutet sie mir, einzuatmen und dabei meinen Bauch nach
oben zu ziehen. Ich folge ihren Anweisungen. Mein Herz rast und ich sehe
leicht verschwommen, panische Sternchen kreisen über mir. Ohne mich
vorzuwarnen, zieht sie.
Der Schmerz ist stark, aber kurz. Nichts gegen die Angst vor dem Schmerz.
Nichts gegen die Angst davor, dass sie mir, aus Versehen, die Schamlippen
mit den an ihnen hängenden Härchen zusammen abzieht. Je sensibler die
Körperteile werden, die sie bearbeitet, je dünner die Haut, je verborgener,
je heimlicher – und für nur wenige außer sie zugänglich –, desto panischer
werde ich.
Über mir kreisen Sterne, meine verschwitzten Hände krallen sich in das
riesige Papiertuch, wie ein Küchentuch für den Körper, auf dem ich liege.
Sie Frau bedeutet mir souverän, meine Knie hochzuziehen und mit den Händen
festzuhalten. Ich liege jetzt vor ihr wie ein Kind auf dem Wickeltisch vor
seinen Eltern. Der letzte Teil ist der, der mir am wenigsten Angst macht.
Vielleicht ist es die infantile Position, die mir Vertrauen schenkt. Als
sie fertig ist, verteilt sie sehr viel weißes Puder auf mir und verlässt
den Raum. Ich setze mich auf und ziehe mich langsam wieder an. Zuerst meine
Unterhose. Dann schiebe ich meinen Rock nach unten. Ich bin sehr erschöpft
und sehr erleichtert. Auf meinem Schambereich eine nackte, rot gefleckte
Gänsehaut, auf ihr sehr viel weißes Babypuder. Ich hole Bargeld am
Automaten vor der Tür, schäme mich ein bisschen vor den Leuten, die sehen,
dass ich aus dem Laden komme. Ich gebe verhältnismäßig viel Trinkgeld.
Diese höfliche, routinierte Frau hat viel gesehen, denke ich.
10 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Olga Hohmann
## TAGS
(DIR) Kolumne Szene
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