# taz.de -- Dank der Ernte: Zentnerweise Äpfel und die Sache mit dem Schlüssel
       
       > Eine reiche Apfelernte stellt einen auch vor zahlreiche logistische
       > Schwierigkeiten. Oma und Opa aber manövrieren erfolgreich um die
       > Hindernisse.
       
       Diese Geschichte beginnt damit, dass Oma nicht mit dem großen Auto
       rückwärts fahren will. Das ist ziemlich verständlich, denn die Mühle ist
       riesig und alt. Ein Blick durch den Rückspiegel offenbart eine Heckklappe,
       die aussieht, als ende sie erst kurz vor den Alpen. Also wirklich weit,
       weit weg.
       
       Wir sind hier aber doch in der Nähe des Pastor-Niemöller-Platzes in Pankow,
       wo es, wie überall in diesem Jahr, auch eine gewaltige Apfelernte gibt. Oma
       und Opa fragen sich: Was tun mit Hunderten Kilo Obst? So viel Apfelmus kann
       niemand einkochen, geschweige denn essen, man käme ja vom Klo nicht mehr
       runter.
       
       Die nächstliegende Idee lautet daher: Saft. Und so wandern die rot-grünen,
       schweren Apfelkilos in die Kofferräume von zwei Autos. Und Oma müsste
       rückwärts fahren, aber das will sie nicht. Partout. Also manövriert Opa den
       Wagen vom Hof, Oma übernimmt und beide kolonieren einige Kilometer zu einem
       Parkplatz, auf dem ein fahrender Entsafter seine Dienste anbietet.
       
       Dessen Maschine rüttelt und quetscht, sodass am Ende Dutzende Tetrapacks
       mit süßem Apfelmost wieder in den Kofferräumen stehen. Ist denn nun alles
       gut? Fast. Denn Oma müsste auch hier rückwärts fahren, was nicht geht, wie
       wir wissen.
       
       Also manövriert Opa erneut, steigt dann aus, Oma steigt ein, sie fährt
       schon los und Opa bezahlt den Saftmann, um anschließend ins zweite Auto zu
       steigen und zu bemerken: Der Schlüssel ist bei Oma, also inzwischen wieder
       zu Hause, wo Oma vorwärts auf den Hof gefahren ist. Man telefoniert, denn
       Opa will seinen Schlüssel, aber Oma nicht rückwärts vom Hof.
       
       Also trabt Opa los, bis er am Ossietzkyplatz (der heute nicht mehr so
       heißt, wie Opa betont) schließlich auf Oma auf einem Fahrrad trifft. Der
       Schlüssel wandert zu Opa und der hat an diesem Tag sehr viel Bewegung
       gehabt. Der Saft jedenfalls ist golden und sehr lecker.
       
       9 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus Esterluss
       
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