# taz.de -- Problemfall Fischerei: Nur Bruchteil der Meere ist effektiv geschützt
> Schutzgebiete sollen die Artenvielfalt der Ozeane erhalten. Doch nicht
> immer helfen sie der Tierwelt und den Ökosystemen, sagt eine neue Studie.
(IMG) Bild: Je besser der Schutz desto größer ist die Artenvielfalt
Rund 28 Millionen Quadratkilometer des Meeres sind laut dem „Protected
Planet Report“ der UN weltweit offiziell geschützt – eine Fläche, die etwa
dreimal so groß ist wie Europa. Hier sollten sich die Populationen von
Fischen, Korallen, Weichtieren und anderen Meeresbewohnern erholen können.
Besonders in und an Riffen ist die biologische Vielfalt besonders hoch –
und gleichzeitig durch den Klimawandel besonders bedroht. Doch die
Schutzgebiete sind nicht immer effektiv für den Schutz der bunten Tierwelt
und dem Ökosystem dahinter.
Das ergibt eine Studie der Universität Tasmanien, die am Montagabend
veröffentlicht wird. Sie hat die Anzahl und Größe von Fischen in etwa 500
Meeresschutzgebieten in flachen Riffen untersucht und gibt sie in einem
Wert als „Biomasse“ an. Ein wirksamer Schutz sei erreicht, wenn diese
Biomasse mindestens doppelt so hoch ist wie in einem Szenario, in dem das
Gebiet nicht geschützt wäre.
Das Ergebnis des Vergleichs: Höchstens 23 Prozent der aktuellen
Schutzgebiete in flachen Riffen schützen effektiv. Besonders Fischerei
mindere dort die Biomasse. Nicht nur Riffe sind betroffen. Hochgerechnet
auf alle Ökosysteme des Meeres sind laut der Studie der Universität
Tasmanien nur 2 Prozent der weltweiten Ozeane wirksam geschützt.
In Meeresschutzgebieten sind menschliche Aktivitäten eingeschränkt, um die
Natur und Ökosysteme zu schützen. Meere gelten als schützenswert, weil sie
Wärme und Kohlenstoff speichern und eine riesige Artenvielfalt beheimaten.
Zudem sind viele Meeresräume wichtig für Tourismus und Fischerei. Welche
konkreten Maßnahmen in Schutzgebieten umgesetzt werden, ist jedoch
unterschiedlich – Fischerei ist nicht immer verboten. Laut [1][Marine
Protection Atlas] sind nur 1,7 Prozent der Meeresfläche umfassend geschützt
– etwa ein Fünftel der als geschützt deklarierten Gebiete.
## Es kommt auf die Qualität der Schutzgebiete an
„Vor dem Hintergrund aktuell auf EU- und nationaler Ebene laufender,
politischer Prozesse zur Umsetzung der EU-Biodiversitätsstrategie und der
Wiederherstellungsverordnung adressiert die Studie mit der Effektivität
bestehender Schutzgebiete ein extrem relevantes Thema“, sagt Gerd Kraus,
Direktor des Thünen-Instituts für Seefischerei in Bremerhaven. „Am Beispiel
des globalen Netzwerks von Schutzgebieten für Riffe in flachen
Meeresgebieten wird herausgearbeitet, dass allein die Betrachtung der
geschützten Fläche und der formal ergriffenen Schutzmaßnahmen nicht
geeignet ist, um deren Erfolg zu beschreiben“, so Kraus.
Der Erfolg des Schutzes bemesse sich an der Qualität des Meeresschutzes,
sagt auch Christian Wild, Meeresbiologe an der Universität Bremen, dem
Science Media Center. „Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen andere
Studien, die zeigen, dass wirksamer Meeresschutz vor allem durch die
Kontrolle und Einhaltung des Schutzes unter starker Einbindung der Nutzer
erreicht werden kann.“
[2][Die Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention hatten sich 2022
darauf geeinigt, 30 Prozent der Meeresflächen bis 2030 unter Schutz zu
stellen.] Auf der kommenden Biodiversitätskonferenz Ende Oktober werden die
Vertragsstaaten die Umsetzung des Ziels besprechen.
Laut Wild muss über die reine Ausweisung von mehr Meeresfläche hinaus
geblickt werden: „Unsere Hauptaufgabe ist es, den Schutz der Meere so zu
konzeptionieren, dass die Kontrolle und Einhaltung des Schutzes
hochprioritär verbessert werden“, so der Meeresbiologe.
7 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://mpatlas.org/
(DIR) [2] /Signale-vom-Weltnaturgipfel/!6069951
## AUTOREN
(DIR) Pauline Ruprecht
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