# taz.de -- Attributionsstudie: Rekordwärme in Europas Meeren geht auf Klimawandel zurück
> Fast überall an Europas Küsten ist das Meerwasser extrem warm. Ohne den
> Klimawandel wären solche Temperaturen praktisch unmöglich, betonen
> Forscher.
(IMG) Bild: Hitzewelle im Mittelmeer im Juli
dpa | Nicht nur die Lufttemperaturen haben in diesem Sommer [1][in vielen
Ländern Europas Rekordwerte erreicht] – auch die Meere um den Kontinent
sind vielerorts besonders warm. Diese Wärme – mancherorts mehr als sechs
Grad über den üblichen Temperaturen – geht zu einem großen Teil auf den
Klimawandel zurück, schreibt ein internationales Forschungsteam der
Organisation World Weather Attribution (WWA) in einem Bericht.
Demnach liegen die Temperaturen an fast allen europäischen Küsten teils
deutlich über dem Durchschnitt des Zeitraums von 1990 bis 2020. Besonders
stark betroffen sind das westliche Mittelmeer sowie am Atlantik der Golf
von Biscaya und die Iberische Halbinsel.
Um den Einfluss der Erderwärmung zu ermitteln, verglich das Forschungsteam
die Entwicklung der Juli-Temperaturen an der Meeresoberfläche mit
Klimamodellen. Der Klimawandel habe – hauptsächlich durch die Verbrennung
fossiler Energieträger wie Öl, Gas und Kohle – im Mittelmeer eine Erwärmung
um etwa 2 Grad verursacht, in der Region um den Golf von Biscaya und die
westliche Küste der Iberischen Halbinsel um 1,4 Grad und im Gebiet um
Irland und an der britischen Westküste um etwa 1,3 Grad.
## Oktopus-Blüte vor englischer Küste
Im laufenden Jahr hätten 90 Prozent der Küsten am Golf von Biscaya und der
Iberischen Halbinsel Hitzewellen erlebt, im westlichen Mittelmeer seien es
80 Prozent gewesen. Ohne die menschengemachte Erderwärmung, die derzeit
etwa 1,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt, wären es den
Berechnungen zufolge jeweils etwa 40 Prozent gewesen. Auch im östlichen
Mittelmeer und in den Küstenregionen um Irland wären deutlich weniger
Gebiete von Hitze betroffen gewesen.
Die Wärme der Ozeane könnte die Ökosysteme und Nahrungsketten im Meer
schädigen und mitunter auch die Bestände etwa von Meeressäugern und
Seevögeln dezimieren. So berichten Fischer im Südwesten von England seit
2025 von einem deutlichen Anstieg des Vorkommens von Gemeinen Kraken
(Octopus vulgaris), die eigentlich in den wärmeren Gewässern vor Nordafrika
heimisch sind.
## „Folgen für das Leben im Meer unter der Oberfläche sind ernster“
Zudem könnten die hohen Wassertemperaturen die [2][Entstehung schwerer
Stürme begünstigen], heißt es weiter. Als Beispiel dafür nennt das Team die
schweren Überschwemmungen in der spanischen Region Valencia im Herbst 2024.
„Wärmeres Wasser zum Schwimmen mag für Strandbesucher in kühleren Ländern
wie meinem eigenen verlockend klingen“, sagt Co-Autorin Claire Bergin von
der irischen Maynooth University. „Aber die Folgen für das Leben im Meer
unter der Oberfläche sind ernster.“
## Meerestemperaturen auch weltweit auf Rekordniveau
„Mit jeder zusätzlichen Tonne Kohlenstoff, die wir ausstoßen, drängen wir
die Temperaturen und Ökosysteme der europäischen Küsten auf unbekanntes
Terrain“, sagt Co-Autor Thomas Frölicher von der Universität Bern. Die
Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College London ergänzt, man
könne sich nicht durch Anpassung herauswinden. „Ökosysteme sind um ihrer
selbst willen wertvoll, aber auch viele Menschen und Wirtschaftszweige
hängen davon ab, dass sich das Meer nicht so schnell erwärmt, wie es
derzeit der Fall ist.“
Auch weltweit liegen die Meerestemperaturen derzeit auf Rekordniveau. Laut
vorläufigen Daten der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA lag die
durchschnittliche globale Meerestemperatur am vorigen Sonntag bei 21,16
Grad. Der Wert liegt – bezogen auf dieses Datum – 0,75 Grad über dem Mittel
der Jahre 1991 bis 2020 und 0,92 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1982
bis 2010. Der Wert bezieht sich auf die Temperatur zwischen den beiden 60.
Breitengraden – lässt also die Polargebiete außen vor.
19 Aug 2026
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