# taz.de -- Nach Drohnenangriff in Leipzig: Grünen-Politikerin fordert Prüfung von Atomprojekt mit Russland
> Im emsländischen Lingen kooperiert eine Brennelementefabrik mit einem
> russischen Staatskonzern. Die Grünen sehen große Risiken.
(IMG) Bild: Atomprojekte mit Russland prüfen, fordert die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Julia Verlinden
epd | Die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen-Bundestagsfraktion,
Julia Verlinden, hat die Bundesregierung aufgefordert, die Kooperation
zwischen einem russischen Staatskonzern und der Brennelemente-Fabrik ANF
zur Produktion von Kernbrennstoffen im emsländischen Lingen zu prüfen. Die
Bundesregierung müsse die Sicherheit der Fabrik neu bewerten, sagte
Verlinden der Neuen Osnabrücker Zeitung (Sonnabend).
Nachdem die Bundesregierung [1][Russland für den Sprengstoffanschlag auf
den Leipziger Flughafen verantwortlich gemacht] habe, müssten die Risiken
der Beteiligung eines russischen Konzerns an der Herstellung von
Kernbrennstoffen auf deutschem Boden dringend neu eingeschätzt werden,
sagte Verlinden. Es könne nicht sein, dass Mitarbeiter eines Staates, der
Deutschland längst nicht mehr nur hybrid bedrohe, mit einer
niedersächsischen Atomfabrik zusammenarbeiteten.
## Eine Frage der Glaubwürdigkeit
Durch eine [2][bundespolitische Neubewertung von Sicherheitsfragen] könne
die Genehmigung der Atomanlage in Lingen geändert und der Einfluss
Russlands unterbunden werden, sagte die Fraktionsvize. „Nicht zuletzt sind
strengere Sicherheitsvorkehrungen in Lingen auch eine Frage der
Glaubwürdigkeit gegenüber unseren europäischen Partnern zum Beispiel in
Nordeuropa und im Baltikum.“
Das niedersächsische Umweltministerium hatte die Zusammenarbeit der Firma
Advanced Nuclear Fuels (ANF), einer Tochter des französischen Konzerns
Framatome, [3][mit dem russischen Atomkonzern TVEL/Rosatom] trotz massiver
Proteste von Atomkraftgegnern und erheblichen Bedenken in seinem
Ministerium [4][im Juli im Auftrag des Bundes unter Auflagen genehmigt].
Umweltminister Christian Meyer (Grüne) verwies dabei auf Weisungen des
Bundes, nach denen eine Genehmigung nicht verweigert werden könne.
## Produktion für Kraftwerke in Osteuropa
Somit dürfen in Lingen künftig in einem Joint Venture mit russischen
Lizenzen und russischer Technik sechseckige Druckwasser-Brennelemente für
den osteuropäischen Markt produziert werden. In [5][Osteuropa stehen noch
Atomkraftwerke aus der Zeit der Sowjetunion], die nur mit Brennelementen
russischer Bauart funktionieren. Vorausgegangen war eine
sicherheitspolitische Bewertung des Bundes.
Der Nuklearsektor Russlands ist auf EU-Ebene trotz des russischen
Angriffskrieges gegen die Ukraine [6][bislang nicht von Sanktionen
betroffen]. Die Lingener Brennelemente-Fabrik ist vom deutschen
Atomausstieg ausgenommen und verfügt über eine unbefristete
Betriebsgenehmigung. (epd)
6 Sep 2026
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