# taz.de -- Return Hubs in der EU: Dänemark will in „Partnerländer“ abschieben
> Die Härte der EU-Asylpolitik nimmt Formen an. Dänemark will schon 2027
> abgelehnte Asylbewerber:innen in Abschiebezentren außerhalb der EU
> bringen.
(IMG) Bild: „Seit Monaten arbeiten Innenminister Alexander Dobrindt und seine vier Amtskollegen intensiv daran, Return Hubs in Nicht-EU-Ländern zu etablieren“
Dänemark ist bereit: 2027 will das Land abgelehnte Asylbewerber:innen
in Abschiebezentren außerhalb Europas bringen. Man gehe davon aus, „dass
wir ab Ende nächsten Jahres die ersten Ausländer in ein Partnerland
schicken“, sagte der dänische Migrationsminister Morten Bødskov am Freitag.
Zusammen mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Kollegen aus
Österreich, den Niederlanden und Griechenland beriet er über die
Einrichtung der „Return Hubs“ genannten Abschiebezentren außerhalb der EU.
Diese seien ein „wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem [1][effizienteren
Asyl- und Migrationssystem“], sagte Bødskov. „Wir akzeptieren nicht, dass
sich Ausländer, die sich illegal in Dänemark aufhalten, unsere
Schwierigkeiten bei ihrer Rückführung zunutze machen.“
Seit 2024 verfolgt die EU den Plan, Ausreisepflichtige, die sie nicht in
ihr Herkunftsland abschieben kann, für unbestimmte Dauer in voraussichtlich
geschlossenen Lagern in Drittstaaten zu internieren. Beim
Innenministertreffen im Januar auf Zypern hatte der EU-Rat eine
[2][Arbeitsgruppe von fünf Staaten eingesetzt], die das Projekt
vorantreiben soll.
Die Verhandlungen wurden weitgehend geheim gehalten. Zwischendurch sickerte
aber eine Liste potenzieller Partnerländer durch. Darauf standen unter
anderem Ägypten, Armenien, Äthiopien, Ghana, Libyen, Mauretanien,
Montenegro, Senegal, Tunesien, Uganda und Ruanda. In der vergangenen Woche
hatten Vertreter Deutschlands und der anderen an dem Treffen in Kopenhagen
beteiligten Staaten in Ruanda Gespräche über die Einrichtung von
Abschiebezentren geführt.
## EU-Staaten haben weitgehend freie Hand
Großbritannien hatte 2022 unter der damaligen konservativen Regierung mit
Ruanda ein Abkommen darüber geschlossen, Migrant:innen ohne Papiere
aufzunehmen, die über den Ärmelkanal nach Großbritannien gekommen waren.
Die inzwischen regierende Labour-Partei kippte 2024 das Projekt, das vom
britischen Obersten Gerichtshof als „illegal“ eingestuft worden war.
Mit den Stimmen der Rechtsextremen hatte die konservative EVP-Fraktion im
März [3][eine Rechtsgrundlage für die Return Hubs] geschaffen, die über die
ursprünglichen Pläne der EU-Kommission hinausgeht. Nun haben die
EU-Mitgliedsstaaten weitgehend freie Hand, nach eigenem Ermessen „Return
Hubs“ in Drittstaaten zu betreiben. Es ist bisher weder geklärt, wie lange
noch unter welchen Bedingungen die Menschen dort festgehalten werden
sollen. [4][Ebenso ist ungeklärt], welche Verantwortung die EU dort noch
für sie übernimmt.
„Seit Monaten arbeiten Innenminister Alexander Dobrindt und seine vier
Amtskollegen intensiv daran, Return Hubs in Nicht-EU-Ländern zu
etablieren“, sagt Andreas Grünewald, Referent für Migration bei Brot für
die Welt. Das Projekt sei „menschenrechtlich hochproblematisch“. Ruanda und
Uganda wiesen eine verheerende Menschenrechtsbilanz auf und dulden keine
kritischen zivilgesellschaftlichen Stimmen im Inland, so Grünewald. „Wie
sollen unter diesen Voraussetzungen in den geplanten Abschiebezentren die
Rechte von Abgeschobenen durchgesetzt werden?“
Die EU-Rückführungsverordnung, auf deren Grundlage die Return Hubs
entstehen sollen, nimmt nur unbegleitete Minderjährige von der Überstellung
in solche Zentren aus – und erlaubt somit, dass andere Kinder und ihre
Familien dort eingesperrt werden, sagt Florian Westphal, der
Geschäftsführer von Save the Children Deutschland. Wie menschenunwürdig die
Bedingungen in haftähnlichen Sammelunterkünften seien, in denen Geflüchtete
teils monate- oder jahrelang ausharren müssen, sei bereits in Albanien und
Griechenland zu sehen, so Westphal. „In Rückführungszentren außerhalb der
EU, noch dazu in Ländern, die selbst keine ausreichende Grundversorgung
haben, drohen mindestens genauso schlimme Zustände.“
4 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Christian Jakob
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