# taz.de -- Krise der Wagenknecht-Partei: BSW-Fraktion in Thüringen bricht auseinander
> Vier BSW-Abgeordnete treten aus der Partei aus, weil ihre Bundesspitze
> „immer verrückter“ agiere. Für Thüringens CDU-Ministerpräsident Voigt
> wird es noch enger.
(IMG) Bild: Sie wollen keine Wagenknechte mehr sein: Stefan Wogawa, Dirk Hoffmeister und Roberto Kobelt (v. l.) haben Partei und Fraktion verlassen
Der Konflikt zwischen der Bundesspitze des Bündnisses Sahra Wagenknecht und
dem Thüringer Landesverband schwelt seit Langem. Nun geht es Knall auf
Fall. Am Mittwoch erklärten drei der vormals 15 BSW-Abgeordneten im
Thüringer Landtag ihren Austritt aus der Partei und der Fraktion. Ihren
Schritt begründeten die Abtrünnigen Stefan Wogawa, Dirk Hoffmeister und
Roberto Kobelt damit, dass sie sich in ihrer parlamentarischen Arbeit nicht
länger abhängig machen wollen von einem „immer verrückter agierenden
Bundesvorstand“.
Die Lage in Erfurt spitzt sich damit weiter zu. Schon am Montag ist mit
Matthias Herzog ein weiterer BSW-Abgeordneter aus der Partei ausgetreten,
allerdings ohne die Fraktion zu verlassen. Auch Herzog nannte vor allem die
innerparteiliche Unkultur als Grund.
„Ich hätte es mir anders gewünscht, aber ich habe zur Kenntnis genommen,
dass für die Ausgetretenen das Maß voll war“, sagt Thüringens
BSW-Infrastrukturminister Steffen Schütz zur taz. „Sie gehen nicht, weil
sie die Koalition nicht mehr mittragen, sondern weil sie die Gängelei,
ständigen Bevormundungen und die unsäglichen Wahlkampfmanöver der
Bundesspitze vor dem Hintergrund der Wahlen in Sachsen-Anhalt nicht mehr
ertragen.“
Mit Blick auf Thüringen, so Schütz weiter, führten die Bundesvorsitzenden
Amira Mohamed Ali und Fabio De Masi seit Monaten „ein Schmierentheater auf,
das mit dem, wofür die Menschen uns gewählt haben, nichts zu tun hat“.
Tatsächlich hatten Mohamed Ali und De Masi wie auch Parteigründerin Sahra
Wagenknecht in den vergangenen Wochen ein [1][regelrechtes Kesseltreiben
gegen die Thüringer:innen] veranstaltet. Die Order aus Berlin lautete:
Das Landes-BSW habe die Koalition mit CDU und SPD umgehend zu verlassen und
ihr Heil in der Opposition zu suchen, alles andere sei parteischädigend und
gefährde insbesondere den Einzug der Wagenknecht-Partei in den Landtag von
Sachsen-Anhalt.
## Sonderparteitag am Sonntag
Dabei war von Anfang an klar, dass die [2][Pragmatiker:innen um
Steffen Schütz und die thüringische Landesvorsitzende und Finanzministerin
Katja Wolf] überhaupt nicht daran denken hinzuwerfen. Im Gegenteil, Wolf
und Schütz verteidigen weiter ihren „Thüringer Weg“. An diesem Sonntag
trifft sich das Landes-BSW zu einem Sonderparteitag, um über die Giftpfeile
aus Berlin zu diskutieren.
Die drei am Mittwoch ausgetretenen Abgeordneten kündigten unterdessen die
Gründung einer eigenen Partei und parlamentarischen Gruppe an. Der etwas
eigenwillige Name: „Deine Stimme zählt“. Dem Vernehmen nach wollen sie die
sogenannte Brombeerkoalition aus CDU, BSW und SPD weiter stützen.
Trotzdem wird durch die Implosion der BSW-Fraktion die Luft für Thüringens
CDU-Ministerpräsident Mario Voigt immer dünner. Die Regierungsfraktionen
verfügten schon bislang über keine eigene Mehrheit. Es bestand ein Patt zu
den Stimmen der Opposition, die aus AfD und Linkspartei besteht. Mehrheiten
mussten in der Regel mithilfe der Linken organisiert werden. Nun gesellt
sich „Deine Stimme zählt“ hinzu.
Nicht zuletzt auf die Linke dürfte es künftig umso mehr ankommen. Zumal
Mitte August zwei andere, in dem Fall Wagenknecht-treue BSW-Abgeordnete
[3][der Brombeerkoalition die Gefolgschaft aufgekündigt] hatten. Obwohl
weiter Teil der BSW-Fraktion, begreifen sich beide als
Statthalter:innen der Berliner Linie und also als
Oppositionsarbeiter:innen. Komplizierter geht es kaum.
## BSW-Generalsekretär: „Gezielte Kompromittierung“
In der BSW-Bundesspitze gibt man sich von den Vorgängen in Thüringen nach
außen wenig beeindruckt. „Für uns kommt das nicht unerwartet“, sagt
Generalsekretär Oliver Ruhnert zur taz. „Wir haben schon seit Längerem
gehört, dass es Kräfte in der Thüringer Fraktion gibt, die uns mit
Austritten gezielt vor der Sachsen-Anhalt-Wahl kompromittieren wollen.“
An diesem Sonntag – zeitgleich zum Sonderparteitag in Thüringen – wird in
dem benachbarten Bundesland ein neues Parlament gewählt. Ob es das BSW dort
über die 5-Prozent-Hürde schafft, ist unsicher. Umso wilder agieren
Wagenknecht und ihre Garde – inklusive offensiven Blinkens nach rechts.
Im Zweifel, das hat Wagenknecht deutlich gemacht, [4][würde man
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Magdeburger Landtag per Enthaltung
auch ins Ministerpräsidentenamt verhelfen]. Für die Thüringer:innen um
Katja Wolf und Steffen Schütz ein No-Go. Auch deshalb gelten sie als
Reizfiguren der Dogmatiker:innen.
Zuletzt forderte die BSW-Landesspitze von Sachsen-Anhalt offen den
Rücktritt von Wolf. Ihr Vertrauter Schütz ist fassungslos: „Die können und
wollen einfach nur zerstören.“ Wagenknecht und Co sind damit ausdrücklich
mitgemeint. Er selbst will dennoch in der Partei bleiben.
2 Sep 2026
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