# taz.de -- Linkspartei in Sachsen-Anhalt: Mit einem „Zukunftsfonds“ gegen die AfD
       
       > Zwei Wochen vor der Landtagswahl stellt die Linke einen Neun-Punkte-Plan
       > für Sachsen-Anhalt vor. Damit unterstreicht sie ihren
       > Gestaltungsanspruch.
       
 (IMG) Bild: Kam zur Programmvorstellung extra nach Berlin: Eva von Angern, Linken-Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt
       
       Zwei Wochen vor der Landtagswahl hat die Linke eine Art alternatives
       Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt vorgelegt. Unter dem Titel
       „Auftaktprogramm für ein zukunftsfestes Sachsen-Anhalt“ nennt die Partei
       neun Eckpunkte für eine andere Politik in dem Bundesland, [1][in dem am 6.
       September gewählt wird und die AfD in Umfragen weit vorn liegt]. Das zeugt
       von einem Selbsbewusstsein, das seine Gründe hat.
       
       Die Linke hält sich in Sachsen-Anhalt stabil bei rund 13 Prozent. Sie liegt
       damit nicht nur vor SPD und Grünen, die beide um den Wiedereinzug ins
       Magdeburger Landesparlament bangen, sondern übertrifft beide zusammen: Die
       SPD kommt in den letzten Umfragen auf 5 bis 7 Prozent, [2][die Grünen
       schrammen bedrohlich an der Fünfprozenthürde entlang]. Das Bündnis Sahra
       Wagenknecht (BSW), das im vergangenen Jahr noch zweistellig lag, ist nach
       internen Querelen abgestürzt und bleibt klar unter 5 Prozent.
       
       Im ihrem Neun-Punkte-Programm fordert die Linke an erster Stelle einen
       landeseigenen „Zukunftsfonds“ für Wirtschaft und Infrastruktur. Damit will
       sie Kredite für investitionsbereite Unternehmen absichern und
       Schlüsselinfrastruktur wie Wasserstoff-, Energie- und Wärmenetze entwickeln
       und mitfinanzieren. Die vorhandenen Landesgesellschaften sollen zu einer
       Einheit für Projektentwicklung gebündelt werden.
       
       ## Das Thema Mieten spielt keine Rolle
       
       Zweitens strebt die Linke eine Bundesratsinitiative für die
       Wiedereinführung der Vermögensteuer an, drittens mehr staatliches
       Engagement in der Kinderbetreuung. Nach ihrem Willen soll es für alle
       Kinder ein kostenloses Mittagessen und „Trinkbrunnen“ in Kitas und
       Tagespflege geben. Dafür müsste das bestehende „Gesetz zur Förderung und
       Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen und in der Tagespflege des
       Landes Sachsen-Anhalt“ (KiFög) geändert werden. Auch in Schulsozialarbeit
       und medizinische Versorgung will die Linke mehr investieren – mit einem
       „Landesprogramm Schulsozialarbeit“ und „Medizinischen Versorgungszentren“
       (MVZ) für den ländlichen Raum.
       
       Anders als in der Hauptstadt Berlin, wo Ende September gewählt wird, bildet
       [3][das Thema Mieten] in Sachsen-Anhalt kein Schwerpunktthema. Stattdessen
       fordert die Linke ein landesweites, vergünstigtes Sozialticket, damit auch
       Menschen mit wenig Einkommen Bus und Bahn nutzen können. Außerdem will sie
       den Brand- und Katastrophenschutz modernisieren, ein Programm zur
       Armutsbekämpfung auflegen und einen „Landesfonds gegen Energiesperren“
       schaffen, damit Haushalten in Zahlungsrückstand nicht Strom oder Gas
       abgestellt wird. „Niemand soll in Sachsen-Anhalt im Winter frieren, weil
       das Geld für die Energierechnung fehlt“, heißt es.
       
       Mit ihrem wirtschafts- und sozialpolitischen Vorstoß will die Linke der AfD
       das Wasser abgraben und eine absolute Mehrheit der Rechtsextremen
       verhindern. Weil dieses Ziel überregionale Bedeutung hat, stellte [4][Eva
       von Angern, die Spitzenkandidatin der Linken], ihr Neun-Punkte-Programm in
       Berlin vor, nicht in Magdeburg. Ihre Partei werde nicht zulassen, dass
       Sachsen-Anhalt „ein Experimentierfeld für eine rechtsextreme Partei“ werde,
       versprach sie am Montag vor Journalisten in Berlin.
       
       Man werde alles tun, um die AfD von den Schalthebeln der Macht abzuhalten.
       „Aber wir sind nicht die fünfte Kolonne der CDU“, fügte sie hinzu, ihre
       Partei gebe es „nicht zum Nulltarif“. CDU-Ministerpräsident „Sven Schulze
       soll nicht erwarten, dass wir hier wie die Lämmchen über die Klippe
       springen“. Man stehe für eine andere Politik, das soll das
       Neun-Punkte-Programm deutlich machen.
       
       So unterstreicht die Linke ihren Anspruch, im Land eine gestaltende Rolle
       zu übernehmen. Sie gibt sich dabei konstruktiv und pragmatisch. Ihr Papier
       kann als Grundlage für künftige Verhandlungen mit der CDU dienen. Denn wenn
       es nach der Wahl nur noch für [5][eine Minderheitsregierung reicht und die
       AfD außen vor bleiben soll], muss CDU-Ministerpräsident Sven Schulze auf
       die Linke zugehen. Sie hat nun ihren Preis genannt.
       
       24 Aug 2026
       
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 (DIR) Daniel Bax
       
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