# taz.de -- EU-Rechnungsprüfer warnen: Trotz hoher Verteidigungsausgaben schlecht gerüstet
> Der Europäische Rechnungshof kritisiert die Ausgabenpolitik bei der
> Rüstung. Es geht um Schulden – und Druck auf das EU-Budget.
(IMG) Bild: Milliarden ausgegeben und trotzdem nicht genug für anständige Ausrüstung
Die massive Erhöhung der [1][Rüstungsausgaben in der EU] reicht
voraussichtlich nicht aus, um Europa wie geplant bis 2030
verteidigungsbereit zu machen. Gleichzeitig gefährdet die Aufrüstung die
öffentlichen Finanzen, da sie vor allem über neue Schulden finanziert wird.
Zu diesem Ergebnis kommt der Europäische Rechnungshof in Luxemburg in einem
neuen Prüfbericht.
„Die Verteidigungsbereitschaft bis 2030 zu erreichen, bleibt eine echte
Herausforderung“, sagte Berichterstatter Marek Opioła. Die EU habe zwar
mehrere Initiativen ergriffen, um die Rüstungsausgaben zu erhöhen und die
Koordinierung zwischen den EU-Staaten zu verbessern. Dennoch seien die
Rüstungsmärkte immer noch zu zersplittert, die Abhängigkeit von den USA
bleibe hoch.
Damit widerspricht der Rechnungshof den Annahmen der EU-Kommission. Die
Brüsseler Behörde hat Aufrüstung zur Priorität erklärt und das 150
Milliarden Euro schwere Rüstungsprogramm Safe lanciert. Zuletzt räumte sie
der Ukraine einen Hilfskredit von 90 Milliarden Euro ein. Ein Großteil der
Gelder soll über Waffenbestellungen zurück in die EU-Industrie fließen.
Allerdings fehle es an einem gemeinsamen, übergreifenden Ansatz, kritisiert
der Rechnungshof. Das führe nicht nur zu „fragmentierten Investitionen“ auf
den nationalen Rüstungsmärkten, sondern auch zu militärischen
Fähigkeitslücken. Außerdem fehle es an klaren Rechenschaftspflichten und
Transparenz. Die Luxemburger Prüfer haben bis heute kein Mandat, um alle
Rüstungsausgaben zu prüfen.
## Gefahr für die öffentlichen Finanzen
Gleichzeitig warnt der Rechnungshof davor, dass explodierende Kosten der
Aufrüstung „die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen
beeinträchtigen“ könnte. Von 2020 bis 2025 sind die Verteidigungsausgaben
der EU-Staaten um fast 79 Prozent auf 418 Milliarden Euro gestiegen. Im
laufenden Jahr wird ein weiterer Zuwachs auf 454 Milliarden Euro erwartet –
ein neuer Rekord.
Fast genauso schnell wachsen jedoch die Schuldenberge – denn die Aufrüstung
wird auf Pump finanziert. Nicht nur die EU hat für Safe neue Schulden
aufgenommen. Auch die beteiligten EU-Länder verschulden sich – sie erhalten
über Brüssel lediglich vergünstigte Darlehen. Gleichzeitig steigen die
Kosten für den Schuldendienst, denn die Kreditzinsen haben zuletzt deutlich
angezogen.
Die Rechnungsprüfer warnen nun vor wachsendem Druck auf das EU-Budget. Ab
2028 müssen die während der Coronakrise angehäuften EU-Schulden abgebaut
werden. Nun kommen auch noch die neuen Rüstungslasten hinzu – und
Deutschland fordert, dass die EU künftig noch mehr für die Verteidigung
ausgeben soll. Wie sich dieses finanzielle Dilemma auflösen ließe, lassen
die Rechnungsprüfer offen.
Unklar bleibt auch, ob die EU ihre Abhängigkeit von den USA überwinden
könne. Die Rechnungsprüfer empfehlen einen Top-down-Ansatz, also mehr
zentrale Planung in Brüssel. Die Verteidigung ist aber eine nationale
Kompetenz – und viele EU-Staaten kaufen Waffen weiter in den USA. Ob eine
„europäische Präferenz“, wie sie Frankreich fordert, daran etwas ändern
würde, lassen die Experten offen.
4 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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