# taz.de -- Rohstoffpolitik: Mit dem kolonialen Erbe am runden Tisch
       
       > Unsere Autorin war zu einem Gespräch über Rohstoffpolitik geladen, wo
       > Einigkeit herrschte: Menschenrechte sind deplatziert, wenn es um
       > Ressourcen geht.
       
 (IMG) Bild: Ein Mann arbeitet in der Mine Zola Zola bei Nzibira in der Provinz Süd-Kivu der DR Kongo
       
       Vor einiger Zeit war ich zu einer nichtöffentlichen Gesprächsrunde
       eingeladen. Ein runder Tisch zu Rohstoffpartnerschaften mit Afrika. Geladen
       waren Vertreter*innen der Wirtschaft aus Deutschland, Europa, Afrika
       und der Demokratischen Republik Kongo, von den UN und der Bundesregierung.
       In zweiter Reihe saßen wenige Journalist*innen und eine Person aus der
       Zivilgesellschaft.
       
       Geladen hatte die Denkfabrik Global Perspectives, für die Veranstaltung
       mietete sie die Berliner Büroräume des renommierten
       US-Beratungsunternehmens McKinsey in der Bikini Mall. Im Flur billiger
       Plastikstrass an den Wänden, innen moderner Büroraum in Schwarz-Weiß. Es
       galten Chatham-Haus-Regeln – heißt, es darf zitiert werden, aber die
       Redner*innen dürfen nicht preisgegeben werden.
       
       Der Wettlauf um Afrikas Ressourcen ist so alt wie der Kolonialismus (kein
       Zufall). Im Moment dominiert das Gefühl bei Investmentfirmen, in der EU, in
       der Bundesregierung, die Chinesen hätten diesen Wettlauf gewonnen. China
       ist zum Schlagwort für alles geworden.
       
       Erstens: Wenn wir nicht Rohstoffe, Infrastruktur in der Welt sichern, macht
       China das.
       
       Zweitens: Europäer sind immer noch die Guten, wir machen es nicht billig
       aber dafür mit Qualität und Menschenrechten – und auf Augenhöhe! –, so die
       Erzählung. Es wurmt viele Politiker*innen, dass einige Akteure im Globalen
       Süden Europäer nicht als die Guten ansehen (sie vermuten russische
       Propaganda).
       
       Die eigene koloniale Aufarbeitung reicht gerade gezwungenermaßen bis an
       Museumspforten, aber nicht mal in die Nähe von Handelsbeziehungen oder
       Finanzsystemen. Rohstoffunternehmen werfen an diesem Abend der
       Bundesregierung vor, unstrategisch vorzugehen. Mit Projekten in der
       Demokratischen Republik Kongo staatliche Behörden aufzubauen, dann aber den
       Bergbau den Chinesen zu überlassen. Kein Thema sind der [1][Rohstoffhunger,
       Profitinteressen von Eliten], die bekanntermaßen den ewigen Krieg in Kongo
       beflügeln.
       
       ## Lieferkettengesetz? Kostet hunderttausende Euro!
       
       Ein besonders verärgerter Mann wirft einen Umschlag auf den Tisch. Darin
       seien die ganzen Beschwerden nach dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz,
       mit denen sich sein Unternehmen rumschlagen müsse. Hunderttausende Euros an
       menschlichen Ressourcen koste jeder Fall, sagt er.
       
       Das Gesetz soll Unternehmen dazu bringen, ihre Lieferketten auf
       Menschenrechtsverstöße zu überprüfen und anschließend Geschäftspraktiken zu
       überdenken, die zu Umweltschäden oder Sklavenarbeit beitragen. So viel zur
       Theorie. In der Praxis wird das kaum überprüft, und einige laute
       Unternehmer beschweren sich über Bürokratie – so wie der Herr am Tisch von
       McKinsey. Bekannt ist das Gesetz allgemein als Lieferkettengesetz. Die
       Sorgfaltspflichten im Mittelteil des Wortungetüms sind in Vergessenheit
       geraten. Ist es für Unternehmen zu viel, Sorgfalt bei Verstößen gegen
       Menschenrechte und Naturschutz walten zu lassen?
       
       Zuletzt hat die Leier der Wirtschaftsverbände erreicht, dass Regelungen in
       Deutschland und der EU [2][stark abgeschwächt wurden]. Die Verbände
       scheinen dabei eher die [3][exorbitanten Managergehälter und Dividenden] zu
       vertreten als Unternehmensinteressen. Was die Siege der Lobby lehren, ist,
       wie sehr die Umsetzung von Recht vom politischen Willen abhängt. An diesem
       Tisch sind sich alle über die Prioritäten einig: Rohstoffe. Die
       Chatham-Haus-Regeln schützten ihre Identitäten, doch die Widersprüche
       liegen offen auf dem Tisch. Und mit ihnen das koloniale Erbe.
       
       5 Sep 2026
       
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