# taz.de -- Sturzflut in Nepal und Klimawandel: Wer soll das bezahlen?
       
       > Nepal verlangt von den größten CO₂-Emittenten Schadenersatz, da der
       > Klimawandel die Flut ausgelöst hat. Dafür bräuchte es einen
       > internationalen Klimagerichtshof.
       
 (IMG) Bild: Frauen blicken auf das verbreiterte Flussbett des Trishuli in Nepal. Eine Sturzflut hatte zuvor schwere Schäden angerichtet
       
       Klimawandel tötet. Das ist nicht neu. Aber wer auch nur einen Hauch Zweifel
       daran hatte, hoffte, dass es so schlimm nicht kommen wird, muss sich nur
       die Videos der gigantischen Flutwelle anschauen, die vor einer Woche durch
       die Täler des Himalaja raste. Und alles wegspülte, was irgendwo im Weg
       stand. Blocks großer Häuser. Ortschaften. Und natürlich die Menschen, die
       dort lebten.
       
       Die durch den CO₂-Ausstoß verursachte dramatische Erderwärmung bedroht alle
       – von den Inselstaaten, die gerade mal ein paar Meter aus dem steigendem
       Meeresspiegel herausragen, bis hin zu Ländern im höchsten Gebirge der Welt,
       denen nicht der Himmel, aber doch der Gletscher auf den Kopf fällt.
       
       Dass dafür der Klimawandel zumindest mitverantwortlich ist, stellt niemand,
       der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, infrage. Infrage steht nicht
       einmal, wer dafür haftbar ist. Das sind die Industrienationen, die den
       weitaus größten Teil der Kohlendioxid-Emissionen verantworten. Mehr als 80
       Prozent der fossilen CO₂-Emissionen [1][wurden von den G20-Staaten
       verursacht]. Fraglich ist nur, wer dafür tatsächlich haftbar gemacht werden
       kann.
       
       „Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld? Wer hat so viel Pinkepinke?
       Wer hat das bestellt?“, [2][hieß es mal in einem Karnevalsschlager]. Und
       die Regierung von Nepal hat auf all dies eine klare Antwort: China, die
       USA, Indien und alle anderen großen CO₂-Nationen. Die hätten eine
       historische Verantwortung, verletzliche Nationen wie Nepal zu entschädigen,
       [3][sagte Nepals Außenminister Shisir Khanal]. Und er geht noch einen
       Schritt weiter: Denn es gehe nicht um Hilfsleistungen, sondern um
       Gerechtigkeit. Also nicht um gnädig spendierte Almosen, sondern um Recht.
       
       ## Wo bleibt der internationale Klimagerichtshof?
       
       Dass der Bergstaat mit seiner absolut berechtigten Forderung Erfolg haben
       wird, muss leider bezweifelt werden. Denn freiwillig werden die Profiteure
       der Klimakatastrophe kaum die benötigten Milliarden rausrücken.
       
       Das zeigt schon der bei der Weltbank angesiedelte „Fonds zur Reaktion auf
       Verluste und Schäden“, der 2022 bei der Weltklimakonferenz mit großem Trara
       vereinbart und [4][ein Jahr später gestartet wurde]. Nicht mal 500
       Millionen Dollar [5][wurden dort bisher eingezahlt]. Dem gegenüber stehen
       Hilfsanträge im Wert von fast 3 Milliarden. Kein Wunder, dass die Mittel im
       Topf bald drohen, zur Neige zu gehen.
       
       Zumal die bis jetzt erlebten Klimakatastrophen ja erst der Anfang sind.
       Laut neuster Schätzung der Vereinten Nationen läuft es aktuell auf eine
       Erderwärmung um 2,6 Grad bis zum Jahr 2100 hinaus. Also noch mal ein Grad
       mehr als heute. Mit noch mehr Lawinen, Fluten, Dürren.
       
       Eigentlich bräuchte es einen internationalen Klimagerichtshof, vor dem
       Verantwortliche auch verantwortlich gemacht werden könnten. Dabei geht es
       ja keineswegs nur um Staaten. Die eigentlichen Profiteure sind die
       Ölkonzerne – und Kohleverheizer, die Flugbranche, die Automobilindustrie,
       um nur ein paar von denen zu nennen, die die durch sie verursachten
       Klimafolgeschäden folgenlos auf andere abwälzen können. Die gehörten auf
       die Anklagebank – gleich neben die Vertreter:innen der Staaten, die
       diesen Akteuren erlauben, ihre Geschäfte zu machen.
       
       Das alles trifft keineswegs nur ferne Inselrepubliken und abgelegene
       Bergstaaten. Auch Mitten in Europa hat in diesem Sommer eine Welle gewütet.
       Nicht aus Wasser, sondern aus Hitze. Allein in Deutschland hat sie [6][mehr
       als 15.000 Menschen das Leben gekostet]. Ihre Angehörigen hätten jedes
       Recht, vor Gericht zu ziehen. Fragt sich nur wo.
       
       2 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/umwelt-energie/umwelt/G20_CO2.html
 (DIR) [2] https://youtu.be/uQQm7bKJskM?si=r4rT4MYj1Ky61ZDv
 (DIR) [3] /Sturzflut-in-Nepal-und-Klimawandel/!6209360
 (DIR) [4] /Bilanz-der-Weltklimakonferenz/!5977588
 (DIR) [5] https://www.frld.org/sites/default/files/FRLD_B.9_4_Report%20by%20the%20interim%20Trustee%20on%20the%20status%20of%20the%20FRLD%20Trust%20Fund%20resources.pdf
 (DIR) [6] /Zahlen-des-Robert-Koch-Instituts/!6207565
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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