# taz.de -- Wenn die AfD an die Macht kommt: Wirtschafts- und Klimapolitik von anno Schnee
       
       > Die Pläne der Rechtsextremen für Sachsen-Anhalt würden Unternehmen und
       > Jobs kosten. Fachleute warnen vor Dilettantismus und Fehleinschätzungen.
       
 (IMG) Bild: Das ehemalige Chemieindustrieherzland um Leuna, oder wie die AfD sich ihre Wirtschaftspolitik vorstellt
       
       In einer auf den Austausch von Waren und Arbeitskräften basierenden
       Wirtschaftsordnung verliert Sachsen-Anhalt mit einer AfD-Regierung Geld und
       Menschen. „Das Land würde spürbar an Wohlstand verlieren“, meint Reint
       Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle
       (IWH). Eine ausländerfeindliche Politik würde den drohenden
       [1][Arbeitskräftemangel im Land verschärfen].
       
       Am Ende der nächsten Legislaturperiode im Jahr 2031 dürften laut IWH in
       Sachsen-Anhalt bei einer Fortführung der aktuellen Politik 32.000
       Beschäftigte fehlen – bei einer gegen Migration gerichteten Politik würde
       die Lücke auf 46.000 fehlende Beschäftigte anwachsen, vor allem in Branchen
       wie Lebensmittelzubereitung, Gastronomie, Tiefbau, Logistik und in der
       Medizin. Jeder fünfte Arzt in Sachsen-Anhalt ist Ausländer – noch. Gropp
       kalkuliert, dass dem Bundesland so über die Legislaturperiode eine
       [2][Wertschöpfung] in Höhe von 1,8 bis 3,2 Milliarden Euro verloren ginge.
       
       Auch andere Fachleute halten die [3][AfD-Wirtschaftspolitik] für teuer,
       dilettantisch – und voller Fehleinschätzungen. Sie sei im Vergleich zu den
       enormen Problemen des Landes „mickrig klein, lächerlich naiv und zum
       Scheitern verurteilt“, sagt taz-Kolumnist und Wirtschaftsexperte Maurice
       Höfgen.
       
       Er sieht im AfD-Programm vor allem „große Feindbilder“. Investitionen von
       „globalistischen Großkonzernen“ wie Intel, dessen milliardenteure Planungen
       für eine Chipfabrik mit 3.000 Jobs im vergangenen Jahr platzten, habe die
       Partei gar nicht erst haben wollen.
       
       ## Förderungen für Wind und Solar weg
       
       Gleichzeitig solle aber wieder Handel mit Russland betrieben und dafür
       sollten die Sanktionen beendet werden – als läge das in der Macht einer
       Landesregierung, die bei solchen Themen allenfalls wahrscheinlich
       aussichtslose Bundesratsinitiativen einbringen könnte. In der
       Energiepolitik gäbe es ein Rollback zu anno Schnee: Steuern auf Öl und Gas,
       die das Land gar nicht erhebt, sollen runter. Förderungen für Wind und
       Solar sollen weg.
       
       Stattdessen will die AfD wieder Gas aus Russland und das Wiederanfahren von
       Kohlekraftwerken und Atommeilern. Außerdem plant sie, ein „Hergestellt in
       Sachsen-Anhalt“-Gütesiegel einzuführen – ohne zu erklären, wofür und warum
       irgendjemand deswegen zugreifen sollte. Der Tourismus soll mit einer
       Kampagne unter dem Hashtag #deutschdenken gefördert werden. Höfgen
       sarkastisch: „Man kann die internationalen Urlauber schon begeistert auf
       Sachsen-Anhalt stürzen sehen.“
       
       Subventionen für Elektroautos sollen nach dem Willen der AfD weg, weil sich
       E-Fahrzeuge „weder bundes- noch landesweit am Markt durchgesetzt“ hätten
       und „bei den Deutschen unbeliebter denn je“ seien. Tatsächlich handelt es
       sich auch hier um eine Bundesangelegenheit – und jede dritte Neuzulassung
       in Deutschland ist inzwischen rein elektrisch, hinzu kommen rund 40 Prozent
       Hybride.
       
       Menschengemachter Klimawandel? Leugnet die AfD. Deshalb will sie, dass
       Deutschland aus dem Pariser Klimaabkommen austritt. Auch das dürfte schwer
       allein von Magdeburg aus durchzusetzen sein. Zudem wollen die
       Rechtsextremen „kritischen Klimawissenschaftlern die Möglichkeit geben,
       ihre Forschung in Sachsen-Anhalt ungestört zu betreiben“, heißt es im
       „Regierungsprogramm“.
       
       Dafür solle ein „Institut für Klimapolitikfolgen“ gegründet werden. Dieses
       solle „die Folgen der sogenannten Klimarettungspolitik der letzten Bundes-
       und Landesregierungen wissenschaftlich aufarbeiten“. Beispielsweise soll es
       die „Auswirkungen von Windkraft und Solaranlagen auf den Menschen sowie die
       Tier- und Pflanzenwelt“ erforschen.
       
       4 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/sachsen-anhalt-vor-der-wahl-auslaenderfeindliche-politik-koennte-arbeitskraeftemangel-deutlich-verschaerfen
 (DIR) [2] /Oekonom-Fratzscher-warnt-vor-AfD-Sieg/!6208712
 (DIR) [3] /Drohender-AfD-Sieg-in-Sachsen-Anhalt/!6208728
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
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