# taz.de -- Sabotageversuch in Jänschwalde: Sprengvorrichtungen sind Silvesterraketen
> An einem Umspannwerk in Brandenburg wurde Sprengstoff entschärft. Wollte
> jemand am Braunkohlekraftwerk Jänschwalde einen Stromausfall provozieren?
(IMG) Bild: Ziel des vereitelten Anschlags auf ein Umspannwerk war offenbar, das Kraftwerk Jänschwalde lahmzulegen
dpa | In einem Umspannwerk in Südbrandenburg unweit des Kraftwerks
Jänschwalde sind selbstgebaute Sprengvorrichtungen in Form von
Silvesterraketen gefunden worden. „Nach bisherigen Erkenntnissen erfolgte
die versuchte Sachbeschädigung durch selbstgebaute Flugkörper, die
handelsüblichen Silvesterraketen ähneln“, teilte der
Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz mit. „Vor Ort wurden weitere noch nicht
gestartete Flugkörper gefunden.“
Entschärfer waren nach Angaben der Polizei am Umspannwerk in
Turnow-Preilack bei Cottbus. Die Polizei sprach von kleinen,
selbstgebastelten Sprengvorrichtungen. Ob es sich um einen mutmaßlichen
Anschlag handelte und welches Motiv der oder die Täter hatten, war zunächst
unklar. Die allgemeine Stromversorgung war nach Angaben des Netzbetreibers
zu keiner Zeit beeinträchtigt.
Vor Ort hat die Polizei das Umspannwerk großräumig abgesperrt. Autos und
Verkehrskegel versperren die Zufahrt, nur Fahrzeuge von Netzbetreiber und
Einsatzkräften dürfen passieren. Das Umspannwerk liegt entfernt in einem
Waldgebiet, dazwischen Hochspannungsmasten. Von der Straße aus ist der
Tatort mit den Sprengsätzen nicht einsehbar.
## Kraftwerksbetreiber spricht von Anschlag
Das Energieunternehmen Leag geht von einem Anschlag aus. Am Morgen sei ein
Anschlag auf das Umspannwerk in Turnow-Preilack verübt worden, „über
welches der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Übertragungsnetz
von 50Hertz eingespeist wird“, teilte ein Sprecher mit. „In der Folge kam
es zu einem technischen Ausfall von Block B im Kraftwerk.“ Ein Zusammenhang
werde geprüft.
Die Polizei erklärte, gegen 8.00 Uhr am Dienstag sei eine mögliche
Sachbeschädigung an einer Leitung festgestellt worden. „Spuren werden
gesichert“, sagte eine Sprecherin. Es gebe keine Auswirkungen auf die
Bevölkerung. Das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg übernahm die
Ermittlungen.
## Woidke: Infrastruktur besser schützen
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach von einem
„Anschlagsversuch“ und verurteilte die Tat. „Die besorgniserregend hohe
Frequenz derartiger Vorfälle zeigt, dass wir unsere Infrastrukturen
entschlossen schützen müssen“, erklärte der SPD-Politiker. Die
Einsatzkräfte vor Ort sowie die Beschäftigten von Umspannwerk und Kraftwerk
hätten durch rasches und besonnenes Handeln Schlimmeres verhindert. Bei dem
Vorfall seien keine Menschen zu Schaden gekommen.
Die „Märkische Allgemeine“ berichtete unter Berufung aus Sicherheits- und
Unternehmenskreise, die Einsatzkräfte hätten mehrere Vorrichtungen für mit
Sprengstoff bestückte Raketen gefunden und sie entschärft. Ihr liege ein
Foto vor, das eine solche Vorrichtung unklarer Bauart zeigen soll. Das
Umspannwerk solle mehr als einmal getroffen worden sein.
In dem Umspannwerk Preilack im Landkreis Spree-Neiße unweit der
Landesgrenze zu Sachsen wird der Strom, der im Kraftwerk Jänschwalde
erzeugt wird, überregional und regional verteilt. Nach Angaben der Leag
wurde das Kraftwerk Jänschwalde 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau
der DDR errichtet. Ende 2028 sollen alle Kraftwerksblöcke endgültig
stillgelegt werden.
## Mehrere Anschläge im Großraum Berlin
In den vergangenen Monaten gab es mehrere Vorfälle im Zusammenhang mit der
Stromversorgung. [1][Im Januar zündeten mutmaßlich linksextreme Täter
Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an]. Rund
45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Geschäfte und Firmen sowie
Krankenhäuser und Pflegeheime waren tagelang ohne Strom. Zu dem
Brandanschlag bekannten sich die linksextremistischen sogenannten
„[2][Vulkangruppen]“, die als Ziel den Kampf gegen Kapitalismus angaben.
Im März 2024 hatte eine Gruppe Feuer an einen großen Strommast gelegt, der
auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin nötig war.
Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt.
1 Sep 2026
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