# taz.de -- Klimawandel in Berlin: Pommes, Brezeln, Bier und Blut
       
       > Die Miniserie „City of Blood“ feiert Premiere. Von ihren dystopischen
       > Berlinbildern hätten sich die Grünen eine Scheibe abschneiden können.
       
 (IMG) Bild: Berlin nach dem Klimawandel mit Unterschlupf für die Prvilegierten: Filmstill aus „City of Blood“
       
       Die Grünen versuchen im Berliner Wahlkampf wirklich einiges, das sehr lieb
       aussieht: Bier, Brezeln, Pommes – und am heutigen Montagabend gibt es auch
       noch „Banaszak kocht“, der Bundesvorsitzende steht mit Pascal Grothe und
       Julia Schneider ab 19.30 Uhr in der Koch- & Grillakademie Berlin am Herd.
       Man fragt sich, ob die Kampagnenstrategen nicht auf etwas zackigere Ideen
       gekommen wären, hätten sie sich „City of Blood“ vorab angesehen.
       
       Denn wer von der dystopischen Berlin-Version dieser neuen deutschen
       Miniserie auch nur gehört hat, der weiß: Gegen 41 Grad an jedem Sommertag,
       Müllberge, Zelte Obdachloser auf dem Bürgersteig, organisierte Kriminalität
       und eine Vampirregierung wirkt eine Gratisportion Pommes ungefähr so
       hilfreich wie eine Zitronenlimonade in der Hölle.
       
       Am Montagabend feiert die achtteilige deutsche Miniserie im Kino
       International Premiere – mit dazugehörigen Stars wie [1][Lars Eidinger],
       Lea Drinda ([2][„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“]), Soma Pysall („Para – Wir
       sind King“) und allem Pipapo, das zu einem spektakulären Hauptstadt-Auflauf
       gehört. Ab 16. September ist die Serie dann bei Disney zu bewundern.
       
       Und natürlich gibt es reichlich Blut, ungeheuer viel Blut, noch mehr Blut,
       abgehackte Gliedmaßen und die naheliegende Frage, ob der Mensch oder der
       Blutsauger eigentlich das größere politische Problem darstellt.
       
       Doch „City of Blood“, die die Vorgeschichte zu der bei ihrem Erscheinen vor
       23 Jahren gefeierten Graphic Novel „Berlinoir“ von Tobias O. Meißner und
       [3][Reinhard Kleist] liefert, will mehr sein als eine Vampirgeschichte mit
       Berliner Postleitzahl. Und hier könnte es durchaus interessant werden – für
       die Grünen, fürs Berliner Stadtmarketing und für die Berliner*innen
       selbst.
       
       ## Spree trockengelegt
       
       Denn unsere geliebte Metropole wird als untergehender Stadtstaat gezeigt:
       Die Hitze ist unerträglich, die Spree trockengelegt, Brandenburg eine
       Wüste, Müll, Elend und Hauen und Stechen auf allen Ebenen prägen das Bild.
       Wer es sich leisten kann, flüchtet unter eine vollklimatisierte Kuppel,
       eine Art ausgebautes Sony Center – das damit endlich, wenn auch auf denkbar
       düstere Weise, wieder einer Funktion zugeführt wäre.
       
       Der Trailer zur Serie und Regisseur [4][Philipp Kadelbach] („Unsere Mütter,
       unsere Väter“) lässt zumindest auf extreme Bilder hoffen, die zwischen
       Cyberpunk und Untergang oszillieren. „Blade Runner“ scheint gelegentlich
       aus der Ferne zu winken, allerdings kommt die Serie wahrscheinlich ohne
       fliegende Rennautos aus, die sich spektakulär über dem Alexanderplatz
       verkeilen. Stattdessen gibt es ein Berlin, das auf beeindruckende Weise
       zugleich vertraut und vollkommen fremd wirkt: eine Stadt, in der die
       Architektur noch steht, die Zivilisation aber bereits den Notausgang
       gefunden hat.
       
       ## Der eigentliche Horror ist woanders
       
       Im Zentrum stehen die Schwestern Bea und Phoebe, die als Kinder getrennt
       wurden und in recht unterschiedlichen Welten aufwachsen. Die eine
       privilegiert und chronisch krank, die andere auf den Straßen ums Überleben
       kämpfend. Als sie sich wieder begegnen, stoßen sie auf das eigentliche
       Staatsgeheimnis: Vampire kontrollieren das organisierte Verbrechen und
       streben nach politischer Macht.
       
       Jenseits dieses absehbaren Plots ist das der eigentliche Horror: Manchmal
       ist man beim Zuschauen nicht mehr sicher, ob hier gerade eine
       Vampir-Dystopie abgespult wird – oder einfach nur die Nachrichten von
       morgen. Wer also das Glück hat, bei der Premiere dabei sein zu dürfen, der
       wird anschließend wahrscheinlich doch ein wenig Lust verspüren auf eine
       tröstliche Portion Pommes oder eine Brezel mit einem kühlen Bier.
       
       31 Aug 2026
       
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