# taz.de -- Bundeskongress „Generation Deutschland“: AfD-Jugend liefert Verbotsgründe
       
       > In Magdeburg zeigt sich, dass die AfD mit ihrer Parteijugend eine klar
       > rechtsextreme Organisation integriert hat. Das könnte noch zum Problem
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Vorsitzender Hohm redet im Alten Theater: Mit ihrem völkischen Kern könnte die AfD-Jugend zum Problem für die Mutterpartei werden
       
       Die AfD hatte die „Junge Alternative“ (JA) wegen ihrer gerichtsfesten und
       rechtskräftigen Einstufung als gesichert rechtsextrem aufgelöst, um sie vor
       einem Verbot zu bewahren. Offiziell erklärte die Parteispitze den Schritt
       auch damit, um bei Grenzüberschreitungen besser durchgreifen zu können.
       
       Eine Deradikalisierung fand danach allerdings nicht statt: Die neu
       gegründete sogenannte „Generation Deutschland“ (GD) mit knapp 3.000
       Mitgliedern weist vielfach [1][personelle Kontinuität zur JA] auf und für
       Mäßigung gibt es keine Anzeichen. Vielmehr ist sie eine [2][radikale
       Kaderschmiede für die Mutterpartei geworden], die deutlich mehr Einfluss
       hat als zuvor, zahlreiche ehemalige JA-Funktionäre mit dem Segen von
       Parteichefin Alice Weidel im Parteivorstand platzierte und mittlerweile bei
       Programmfragen mitspricht.
       
       Die Parteijugend ist damit kein bloßes Scharnier zum Rechtsextremismus, sie
       ist eine rechtsextreme Organisation und fest in die Mutterpartei
       integriert. Besonders mit Blick auf das Verbotsverfahren dürfte sich die
       AfD damit langfristig ein Kukucksei ins Nest gelegt haben.
       
       Besonders deutlich wurde das beim zweiten GD-Bundeskongress am Samstag. 300
       Delegierte trafen sich im Alten Theater in Magdeburg, auch um den
       Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund im Wahlkampfendspurt einen großen
       Auftritt zu verschaffen. Der Saal sah aus wie eine Versammlung von
       Burschenschaftlern: Scheitel und Schmisse dominierten das Bild – Frauen
       waren kaum anwesend.
       
       ## Jahrmarkt der Völkischen
       
       Distanzierung zu rechtsextremen Organisationen? Fehlanzeige. Der [3][extrem
       rechte Verleger Götz Kubitschek] verkaufte im Foyer seine Anleitungen für
       den Umbau des Staates, ebenso der rechtsextreme Jungeuropa-Verlag und der
       den Identitären nahe [4][Verein „Ein Prozent“ mit dem rechtsextremen
       Aktivisten Phillip Stein]. Hinzu kamen ein paar ebenfalls identitärennahe
       Organisationen, die KI-generierte Sticker mit faschistischer Ästhetik
       verkauften oder volkstümelnde bis rassistische Comics verlegen.
       
       Auf der Parteitagsbühne fanden zuverlässig immer die deutlich radikalsten
       Forderungen den lautesten Applaus: Bei der Forderung nach rassistischer
       Vertreibungspolitik, oder wie sie hier heißt: „millionenfacher
       Remigration“, gar der „europaweiten Remigration“ johlte die AfD-Jugend
       lautstark. Bundesvorstand Dennis Hohloch gab zudem einen Eindruck davon,
       was die AfD tatsächlich jenseits von [5][euphemistischen Pseudodefinitionen
       mit „Remigration“] meint: „Deutschland braucht keine 80 Millionen, es kann
       auch mit 60 Millionen leben“, rief er. Auch hier: großer Jubel. Völkische
       Sprüche gab es auch von der GD-Spitze: Der Vorsitzende der AfD-Jugend,
       [6][Jean-Pascal Hohm], konstatierte: „Die AfD ist Ausdruck des
       Lebenswillens unseres Volkes“, und forderte, „Deutschland muss das Land der
       Deutschen bleiben“.
       
       Den niedrigsten Niveaulimbo legte Martin Reichardt hin, der
       AfD-Landesvorsitzende aus Sachsen-Anhalt. Der donnerte: „Vater Staat ist
       leider ein nach Dope stinkender fauler Asi, der sein Geld von der
       Friedrich-Ebert-Stiftung bekommt und regelmäßig säuft, um die
       Internationale zu lallen.“ Und die Muttersprache „ein aufgedunsenes
       intersektionales Flittchen, die sich selbst mit fotzig und atzig
       charakterisiert“. Ihr Haar sei grün und zerzaust, „weil Vater Staat sie
       dreimal täglich durchgendert!“ Den Sexismus quittierte die AfD-Jugend mit
       derart lautem Johlen, dass die folgenden Worte von Reichardt untergingen.
       
       Am frenetischsten aber wurde schließlich Ulrich Siegmund gefeiert, der sich
       auf die Presse einschoss und deren angebliche „Lügen“ und „Fake News“. Die
       Ankündigung, dass seine erste Amtshandlung die Kündigung des
       Rundfunkstaatsvertrags sein würde, führte zu Standing Ovations und zu nicht
       enden wollenden Applaus. Anschließend fotografierte sich Siegmund grinsend
       [7][mit einem Delegierten], der auch als [8][Neonazi-Rocker der „Ghost
       Gang“ aus Düsseldorf] aktiv war.
       
       Die Radikalität spiegelte sich auch in Personalfragen wider: Nur einmal
       hatte die Parteispitze versucht, in der neuen Jugendorganisation
       durchzugreifen, und [9][sich dabei eine blutige Nase geholt]. Sie hatten
       ein Parteiausschlussverfahren gegen Kevin Dorow angestrebt, weil dieser als
       „Leitstern“ eine Parole verwendet hatte, die auch die Hitlerjugend einst
       benutzte. Das Parteiausschlussverfahren scheiterte am Widerstand der GD,
       aber Dorow musste von seinen Ämtern als Beisitzer im GD-Bundesvorstand
       zurücktreten.
       
       ## GD-Chef scheitert mit Pro-Euro-Resolution
       
       Für ihn nachgewählt wurde Tim Demuth aus Baden-Württemberg. Der bedankte
       sich unter großem Applaus der Versammlung demonstrativ beim anwesenden
       Dorow, der sich seinerseits für die Solidarität bedankte. Danach zog der
       [10][in der extremen Rechten gut vernetzte] Demuth nicht weniger radikal
       vom Leder, hetzte gegen den „Brüsseler Apparat“, der von Linken mit
       „antieuropäischer und antiweißer Gesinnung“ besetzt sei. „Wir sind
       Europäer, geprägt von Römern und Germanen.“ Dazu gehöre für Demuth mehr als
       der Besitz der Staatsangehörigkeit. Demuth wurde als Beisitzer in den
       GD-Bundesvorstand gewählt mit knapp 87,8 Prozent.
       
       Seine radikale Rede verwundert nicht: Demuth hatte ein Treffen von
       Rechtsextremen in der Schweiz im Beisein von AfD-Politikern moderiert.
       Damals netzwerkten auf [11][Einladung der rechtsextremen Gruppe „Junge
       Tat“], die für militante Aktionen und Kampftrainings bekannt ist, neben
       Verschwörungsideologen auch Neonazis bis hinein ins rechtsterroristische
       Spektrum. An dem Treffen sollen auch mehrere Männer aus der in Deutschland
       verbotenen rechtsterroristischen Organisation „Blood & Honour“ teilgenommen
       haben, aus deren Umfeld sich auch das Kerntrio des NSU rekrutierte.
       
       Die Wucht der radikalen Basis bekam am Ende auch der Chef der AfD-Jugend,
       Jean-Pascal Hohm, zu spüren. [12][Kleinlaut zog er seinen proeuropäischen
       Antrag zurück], in dem er sich dafür ausgesprochen hatte, den Euro
       beizubehalten. Vermutlich keine blöde Idee, wenn man die Jugendorganisation
       angesichts mickriger Mitgliederzahlen professionalisieren und attraktiv für
       Jugendliche sein will, die von EU-Freizügigkeit, Erasmus-Programmen und
       einer starken Binnenwirtschaft profitieren. Aber Hohm hatte die Rechnung
       ohne den D-Mark-Nationalismus gemacht, der seit Gründung Teil der AfD-DNA
       ist – auch in der Jugend.
       
       Anmerkung, 31.8.: In einer früheren Version war ein Zitierfehler, den wir
       korrigiert haben.
       
       30 Aug 2026
       
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 (DIR) [11] https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2025/01/31/unter-rechtsextremen-wie-sich-neonazis-querdenker-und-junge-svpler-vernetzen-junge-tat-afd-svp-kloten/
 (DIR) [12] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101411418/generation-deutschland-und-die-afd-raus-aus-dem-euro-.html
       
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