# taz.de -- Berlins Verkehrssenatorin gegen Poller: Ein unverhohlener Aufruf zum Gesetzesbruch
       
       > Ute Bonde (CDU) will den Bezirken das Aufstellen von Pollern verbieten.
       > Oder sie gar wieder abräumen. Dabei zwingen sie Autofahrer, die Regeln
       > einzuhalten.
       
 (IMG) Bild: Schlank und schön dank funktionaler Ästhetik: Poller auf der Tucholskystraße in Berlin-Mitte
       
       Ihr Name ist Bonde, Ute Bonde. Und die Berliner Verkehrssenatorin schießt
       sich ein auf Fußgänger und Radfahrerinnen, als wäre sie im Auftrag einer
       geheimen Majestät unterwegs. Radwege werden [1][nicht neu-] oder gar
       [2][zurückgebaut]. [3][Bäume sollen für Autospuren in der Innenstadt
       weichen]. Und als Neuestes nimmt die CDU-Politikerin die Poller der Stadt
       ins Visier – mit ihrer [4][gerade bekannt gewordenen]
       „Verwaltungsvorschrift zur Verkehrsberuhigung“, deren Titel schon purer
       Hohn ist.
       
       Poller will Bonde, wenn überhaupt, nur noch als letztes Mittel aufstellen
       lassen. Wenn die bösen, weil ökogrün geführten Bezirke das anders sehen,
       will die Senatorin ihnen einen Poller – äh, Riegel – vorschieben dürfen.
       Und selbst aufgestellte Poller will sie quasi persönlich wegschießen
       können.
       
       Zwei Argumente werden gegen die schlanken Pfosten gern ins Feld geführt:
       Zum einen sollen sie angeblich das Stadtbild verhunzen, zum anderen
       Rettungsfahrzeuge bremsen und somit Leben gefährden. Letzteres ließe sich
       einfach durch [5][automatisch versenkbare Poller] beheben. Die kosten halt
       was. Aber Sicherheit hat nun mal ihren Preis.
       
       Und die Ästhetik? Die liegt im Auge des Betrachters. Wer ist eigentlich auf
       die wahnsinnige Idee gekommen, dass die Massen von Pkws Urbanität
       verheißen? Dieser Wahnsinn entspringt der an Gehirnwäsche grenzenden
       Lobbyarbeit der [6][vor sich hin siechenden Autoindustrie]. Dabei
       degradieren die Blechkisten noch die schönste Stadt zum Parkplatz.
       
       Dagegen ist jeder schlanke Poller in all seiner Schlichtheit ein Glanzpunkt
       – dank funktionaler Ästhetik. Poller sind nichts anderes als aufrecht
       stehende Gesetzeshüter, die Autofahrer:innen dazu bringen, die Regeln
       auch einzuhalten. Eine Radspur ohne Poller? Ist Dauerabstellfläche für
       Kurzparker! Ein Kiezblock ohne in die Fahrbahn gerammte Trennung? [7][Wird
       im Wortsinne schlichtweg überfahren]. Nur Poller geben Menschen ohne Auto
       Halt, Raum, Sicherheit. Schöneres kann es gar nicht geben.
       
       Wer sich vehement gegen Poller einsetzt, will nicht anderes, als dass sich
       Autofahrer:innen nicht an die Regeln halten müssen. Die
       Anti-Poller-Vorschrift der Verkehrssenatorin ist somit nichts anderes als
       der unverhohlene Aufruf zum Gesetzesbruch. Und das von einer Partei, die am
       liebsten die [8][U-Bahnen mit Gittern vergattern], die Städte [9][mit
       künstlich intelligenten Videokameras überwachen] und die [10][Parks
       einzäunen] will, um dem Bösen Einhalt zu gebieten? Aber da geht es ja auch
       immer um autolose Verbrechen.
       
       Denn die CDU ist nur der parlamentarische Arm der mit Autos bewaffneten
       Kampfpiloten, die sich in einer Autokratie wähnen, in der Freiheit nur im
       ungebremsten Druck aufs Gaspedal besteht.
       
       Und damit das auch wirklich alle Autowahnsinnigen mitbekommen, verschickt
       Bonde drei Wochen [11][vor der Wahl] ihr Pollerverdikt. Das ist
       Autopopulismus in Reinform, mit dem die CDU die letzte Wahl in Berlin
       gewonnen hat. Es wird höchste Zeit, wütend mit der Fahrradklingel zu
       scheppern.
       
       30 Aug 2026
       
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