# taz.de -- Musiker Stephan Eicher: „Ich finde, dass Haarlänge ein Diskussionsgrund ist“
       
       > Mit dem Song „Eisbär“ der Band Grauzone wurde Stephan Eicher bekannt,
       > heute schreibt er Chansons. Ein Gespräch über seine jenische Familie,
       > Panik und Punk.
       
 (IMG) Bild: Stephan Eicher 2023 bei einem Fotoshooting
       
       taz: Herr Eicher, „Eisbär“ von Grauzone ist einer der bekanntesten Songs
       der [1][Neuen Deutsche Welle]: „Ich möchte ein Eisbär sein, im kalten
       Polar.“ Wie kamen Sie zu Grauzone? 
       
       Stephan Eicher: Mein Bruder Martin war Gitarrist bei Grauzone. Als sie 1980
       ins Studio gegangen sind, um „Eisbär“ aufzunehmen, haben sie gesagt:
       Stephan, komm doch mit. Das Album haben wir ein Jahr später zu dritt
       aufgenommen, mein Bruder, der Schlagzeuger Marco Repetto und ich. Ich habe
       bei Grauzone Synthesizer und Gitarre gespielt.
       
       taz: Grauzone haben auf Deutsch gesungen. Das war damals – in Deutschland
       wie in der Schweiz – neu. 
       
       Eicher: Dass in Deutschland Deutsch gesungen wurde, ist natürlich ein
       anderer Kontext als in der Schweiz. Die Deutschschweiz hat ja alle 30
       Kilometer eine ganz andere Sprache, also Schaffhauser Deutsch,
       Zürichdeutsch, Berndeutsch. Wenn man aus diesen Orten kommt, versteht man
       wiederum die Walliser nicht. Dass die Deutschschweiz diese Dialekte
       beibehalten hat, hatte mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Man wollte sich
       abgrenzen von Deutschland. Als dann mein Bruder gesagt hat, ich singe
       Hochdeutsch, habe ich gesagt: Wow, das ist mutig.
       
       taz: Wer hat die Texte von Grauzone geschrieben? 
       
       Eicher: Mein Bruder hat das Meiste und das Wichtige geschrieben. Martin war
       auch der Sänger von Grauzone. „Eisbär“ ist von Martin. „Schlachtet“ ist von
       Martin. Dann haben wir begonnen, zusammen zu schreiben, spielerisch: „Der
       Weg zu zweit ist halb so weit.“ Ein bisschen wie die Gallagher-Brüder.
       Super interessant, kreativ, aber auch sehr, sehr anstrengend.
       
       taz: Grauzone war eine romantische Popband. Die Haltung und die Themen
       kamen aber [2][aus dem Punk]. Die Kälte in den gesellschaftlichen
       Beziehungen, das Aufbegehren gegen das Autoritäre. Warum hat Punk Sie
       angesprochen? 
       
       Eicher: Für mich war es die Ästhetik von Punk, die mich zuerst angezogen
       hat. Zuerst hat man ja die Fotos gesehen, bevor man die Punksingles
       überhaupt gehört hat. Wir in der Schweiz haben dann aber sehr schnell auch
       die Musik gehört von den Clash oder [3][den Sex Pistols]. Das hat damit zu
       tun, dass wir sehr reiche Kinder sind. Also nicht ich persönlich – wir in
       der Schweiz. Reiche Kinder konnten mit dem Flugzeug nach London, dort
       einkaufen und Singles zurückbringen. Auch dass es in der Schweiz so viele
       Synthesizer-Bands gegeben hat, hat keine kulturellen Gründe. Tut mir leid,
       diese Vorstellung zu zerstören. Wir hatten einfach genug Geld, um
       Synthesizer und Telecaster-Gitarren zu kaufen. Für mich war es optisch
       interessant: Egal wie eine Telecaster klingt, die sieht einfach sexy aus.
       Das ist ein guter Grund, Musik zu machen.
       
       taz: Viele Punks erzählen die Geschichte, dass sie Johnny Rotten von den
       Sex Pistols oder andere Punks aus London auf Fotos gesehen haben und sich
       dachten: So will ich auch sein. 
       
       Eicher: Es ist hochinteressant, dass es über das Auge geht. Das Auge ist
       sehr viel schneller als das Ohr. Den Blitz sieht man – und dann kracht es
       ein bisschen später. Den Gedanken hatte ich noch nicht, aber er ist absolut
       richtig. Ich habe diese Fotos gesehen von [4][Siouxsie and the Banshees]
       oder X-Ray Spex. Das war sehr, sehr stark. Mode ist toll. Mode ist
       Ausdruck.
       
       taz: Dann kam die Musik. 
       
       Eicher: Ja. Ich bin immer mehr von amerikanischer Musik beeinflusst
       gewesen. Wenn man zwei Metalle zusammenfügt, entsteht eine Legierung. Das
       finde ich spannend. Irische Folksongs, die auf den Blues gestoßen sind und
       miteinander den Rock ’n’ Roll geboren haben, fand ich interessanter als
       irische Volksmusik und Blues alleine. Ramones war vielleicht die wichtigste
       Band für mich. Ich dachte: Diese zwei Griffe schaffe ich doch auch.
       
       taz: Deutschland und die Schweiz waren in den 1970er Jahren noch relativ
       autoritäre, normversessene Gesellschaften. War Punk für Sie eine Antwort
       darauf? 
       
       Eicher: Keine Ahnung, lassen Sie mich überlegen. Mein Bruder und ich haben
       ja nicht in Bern gelebt. Wir haben in einem Bauerndorf gewohnt, in
       Münchenbuchsee, zehn Kilometer von Bern entfernt. Mein Bruder ist sehr
       extrem als Punk aufgetreten. Ich war mehr der New-Wave-Typ, aber er war
       wirklich knallhart. Und er wurde immer, jeden Abend, wenn er aus der Schule
       kam – wir gingen in Bern zur Schule – auf dem Nachhauseweg angegriffen.
       Jedes Mal kam er mit einer neuen Schramme nach Hause. Ich habe ihn oft
       gefragt: Wieso tust du dir das an? Er sagte: Nein, das ist ein Kompliment.
       Ich gehöre nicht zu ihnen. Das ist vielleicht eine Antwort auf Ihre Frage:
       Wir wollten nicht zu „ihnen“ gehören. Wer auch immer das ist.
       
       taz: Sie waren dagegen. 
       
       Eicher: Gegen etwas zu sein ist in der Mode und in der Kultur sicher
       intelligenter als in der Politik. Ich finde schon, dass Haarlänge ein
       Diskussionsgrund ist. Das interessiert mich mehr als die Frage, ob die Erde
       jetzt flach ist oder rund. Zur Haarlänge habe ich mehr zu sagen. In Zürich
       gab es dann diese Zusammenstöße wegen dem Opernhaus.
       
       taz: „Züri brännt“ war der Slogan der Jugendbewegung im Mai 1980. Sie
       machte Krawall, weil die Stadt 60 Millionen Franken für die Renovierung vom
       Opernhaus bewilligt hat, aber keinen Raum für ein autonomes Jugendzentrum
       finanzieren wollte. 
       
       Eicher: Während der Unruhen bin ich mit Grauzone auch auf der Straße
       unterwegs gewesen, da war schon viel Adrenalin und Aufmüpfigkeit. Wenn man
       18 oder 19 ist, vielleicht sexuell frustriert, dann ist Fensterscheiben
       einschlagen eine Art Kompensation. Damals, 1980, war das schon ein bisschen
       repressiv, die Polizei war sehr präsent. Es gab dann bald das AJZ, das
       unabhängige Jugendhaus. Da bin ich aber nie hin.
       
       taz: Warum nicht? 
       
       Eicher: Ich fand das alles ungewaschen. Im AJZ gab es Drogen. Auch das
       interessierte mich nicht. Und es war so versifft. Ich war mehr auf einem
       ästhetischen Trip. Ich ging zur Kunstschule, die direkt daneben lag.
       
       taz: Dass Sie früh angefangen haben, Musik zu machen, lag nahe. Sie sind in
       einer musikalischen Familie groß geworden. 
       
       Eicher: Ich habe noch einen großen Bruder, Erich, der macht auch Musik. Wir
       haben immer in der Familie musiziert, außer meine Mutter, die mehr die
       Literatur geliebt hat. Meine Mutter war ganz schick, ganz bürgerlich. Mein
       Vater kam aus der Ostschweiz, aus Graubünden, aus einer schwierigen
       Familie. Das waren [5][Jenische, also Menschen, die reisen]. Die Jenischen
       waren noch sehr unterdrückt in den 1970er Jahren, als ich groß geworden
       bin. Es gibt sogar einen Film darüber, wie jenische Kinder von den Familien
       weggenommen wurden.
       
       taz: Zwischen 1926 und 1973 nahmen schweizerische Behörden, das „Hilfswerk
       für die Kinder der Landstrasse“ sowie kirchliche Institutionen, mindestens
       600, vermutlich aber Tausende jenische Kinder ihren Eltern weg. Viele der
       Kinder erfuhren in Heimen und Pflegefamilien brutale Gewalt. 
       
       Eicher: Meine Eltern haben nie richtig darüber gesprochen. Sie haben
       gesagt, wir gehen aus dieser Kultur raus und ziehen nach Bern, wo es die
       jenische Kultur nicht gibt. Aber zu dieser Kultur gehört auch die Musik.
       Mein Vater hat Musik gemacht. Geige, Kontrabass, Akkordeon. Mein Großvater
       spielte Geige am Churer Orchester. Alle drei Brüder machten Musik. So war
       das vielleicht eine leicht zerrissene Familie, die in der Musik Harmonie
       gefunden hat. Da hat die Familie irgendwie funktioniert. Das hat mich
       geprägt.
       
       taz: In der Musik finden Sie Ruhe? 
       
       Eicher: Noch heute setze ich mich, wenn es mir nicht gut geht, ans Klavier
       oder spiele Gitarre. Da ist es gut, da verstehe ich die Welt. Es gibt
       [6][den Film „Unerhört jenisch“], der sich unter anderem der jenischen
       Musikkultur widmet. In dem kommen auch mein großer Bruder Erich und ich
       vor. Ich wurde für den Film in der Camargue besucht, ich lebte damals in
       der Nähe von Saintes-Maries-de-la-Mer, einem Wallfahrtsort für reisende
       Völker. Vielleicht bin ich da ein bisschen auf der Suche gewesen. Ich kann
       die jenische Sprache nicht, ich bin nicht in dieser Kultur groß geworden,
       aber sie hat sicher Spuren hinterlassen.
       
       taz: In der Gegend in Süddeutschland, aus der ich komme, gehörte das
       Jenische zum Alltag. Dort kennen auch Nicht-Jenische in meinem Alter noch
       ein paar jenische Wörter. Zumindest Gadsch, das heißt Mensch, Tschai –
       Mädchen, schugger – süß, gwand – anständig, schön. Oder auch Glischde, das
       ist die Polizei. 
       
       Eicher: Sie kennen die Sprache besser als ich. Das berührt mich jetzt.
       
       taz: Was waren, abgesehen von der Musik, Ihre Berührungspunkte mit der
       jenischen Welt? 
       
       Eicher: Ich hatte als Kind immer ein bisschen Angst, wenn Familie uns
       besucht hat, die zum Teil in der Schweiz, zum Teil in Frankreich lebte. Da
       war viel Dunkelheit, Unausgesprochenes. Mein Vater konnte Bier aus der
       Flasche trinken und musste dabei nicht schlucken. Und wenn er das gemacht
       hat, ein bisschen betrunken, sagte die ganze Familie: „Er trinkt ein Bier!
       Kommt schauen! Wie macht er das?“ Bier trinken aus großen Flaschen,
       stehend, und dabei rauchen. Auch die Frauen haben geraucht. Meine
       Großmutter hat dabei immer sehr abschätzig ihre Zigarette angeschaut. Die
       Männer trugen tolle Schuhe, immer glänzend poliert. Sonst ein bisschen
       lotterig. Ihre Sprache hatte den jenischen Schmiss, so hat man in der
       Schweiz gesagt. Auch ihre Musik hat einen anderen Swing.
       
       taz: Sie waren also auch bei Ihrer jenischen Verwandtschaft früh von der
       Ästhetik, vom Style fasziniert? 
       
       Eicher: Ja. Könige machen mich nervös. Diktatoren auch. Der Bettler hat
       schon was. Aber gibt es auch was in der Mitte? Und da kommen die
       Prinzessin, der Prinz ins Spiel. Jenische haben so ein bisschen was
       Prinzenhaftes. Das weiße Hemd ist immer sehr gut gebügelt. Der Rest
       vielleicht ein bisschen ausgebeult, aber das weiße, prinzenhafte Hemd, das
       hat mir gefallen, als ich klein war.
       
       taz: Die Schuhe müssen glänzen, das Hemd muss sauber und gebügelt sein. 
       
       Eicher: Da hast du Arbeit. Ich unterstütze manchmal die Vereinigung der
       Jenischen in der Schweiz. Manchmal gehe ich hin und spiele bei ihren
       Festivals. Und dann geniere ich mich ein bisschen. Denn die sind schon
       verdammt schick. Ich fühle mich da immer leicht underdressed.
       
       taz: Sie haben mit cooler New-Wave-Musik angefangen, später waren es
       traurige Popsongs und Chansons. Noch später haben Sie Schweizer Volkslieder
       wie „Hemmige“ oder das „Guggisberglied“ aufgenommen. 
       
       Eicher: Heute mache ich mehr folkige Sachen, einfach weil: Mit dem Lärm ist
       auch mal gut. Kennen Sie Moondog? Das war ein Komponist aus Amerika, der
       auf der Straße als Wikinger verkleidet gelebt hat. Er hat das Arrangement
       geschrieben für meine Version des Guggisberglieds. Das war die punkigste
       Haltung, die man sich denken kann: Was Stephan Eicher nach der Elektronik
       machte, waren Schweizer Volkslieder in Moll.
       
       taz: Das Guggisberglied hat einen düsteren Text, es erzählt von einer
       Liebesgeschichte, die nicht gut ausgeht. 
       
       Eicher: Nein, natürlich sterben alle da. Romeo und Julia. Es ist ein
       jenisches Lied. Die Schweizer Volksmusik wurde von den Jenischen gespielt
       und herumgebracht. Bis dann jemand ein Gerät hingestellt, das aufgenommen
       und gesagt hat: Das hab jetzt ich komponiert. Das ist eine andere traurige
       Geschichte. Und wenn ich das Guggisberglied spiele mit dem Traktorkestar,
       die slawische Blasmusik machen, oder mit Taraf de Haïdouks aus Rumänien,
       dann können die das sofort spielen. Die kennen das. Das hab ich dann
       gemacht. Ich mache viel! Ich habe 25 Stunden pro Tag, ich habe dieses Glück
       im Vergleich zu anderen Menschen. Ich liebe meine Arbeit. Ich liebe das so
       fest, Musik zu machen.
       
       taz: Dass die institutionelle, rassistisch motivierte Verfolgung der
       Jenischen in der Schweiz erst 1973 aufhörte, ist historisch immer noch
       nicht richtig aufgearbeitet. Kürzlich haben Schweizer Historiker*innen mehr
       Aufklärung gefordert. 
       
       Eicher: In Deutschland habt ihr 1945 mit der Verfolgung aufgehört.
       
       taz: Nicht ganz. In Bayern etwa wurden die Naziakten zu Sinti, Roma und
       Jenischen unter dem Namen Landfahrerkartei von der Polizei noch Jahrzehnte
       nach Kriegsende benutzt. Die Landfahrerstelle der Münchener Polizei wurde
       offiziell 1970 aufgelöst. 
       
       Eicher: Schauen Sie, ich bekomme Gänsehaut, mir wird’s ganz kalt. Ich hatte
       gedacht, das hätte sich in Deutschland nach dem Krieg geändert. Aber Ihr
       habt auch Siemens und Hugo Boss beibehalten. Hey Jungs, wechselt wenigstens
       den Namen! Es ist erschreckend manchmal. Ich wäre eigentlich nicht da, weil
       meine Großmutter auf der Liste für die Sterilisation stand. In dem
       erwähnten Film gibt es die Szene, wo mein Bruder, der Notar ist, im Archiv
       sitzt und in einem Dokument meine Großmutter findet. Sie steht auf einer
       Sterilisationsliste. Sie hat das umgangen. Sonst würden wir jetzt nicht
       hier zusammen sitzen.
       
       taz: Wusste Ihre Großmutter, dass sie auf dieser Liste stand? 
       
       Eicher: Man weiß es nicht. Meine Familie waren Scherenschleifer und
       Hausierer. Mein Bruder Erich hat im Archiv aber auch eine Verbindung der
       Eichers mit den Musikerfamilien Waser, Kollegger, Moser in Graubünden
       gefunden. Auch das wurde in meiner Familie nicht angesprochen. Mein Vater
       war schon 84, es war die Zeit von Covid, als ich ihm den Film ins
       Altersheim mitgebracht und abgespielt habe. Da kam ein Leuchten in sein
       Gesicht. Das ging drei Minuten. Dann kam das erste Interview und da hat er
       den Computer zugeklappt und gesagt: „Sprich nie darüber.“ Jetzt wird mir
       schon wieder kalt, weil ich habe auch Kinder und ich finde schon … Es wäre
       gut, wenn man das irgendwie … Ja. Jetzt gehe ich vielleicht ein bisschen zu
       weit. Ich habe oft Panikattacken, dann stelle ich mir Situationen vor, die
       habe ich selbst nie erlebt. Jemand in meiner Familie hat das erlebt. Ich
       bin nicht mystisch drauf. Aber es gibt Momente, da ist es mir unwohl. Und
       meine Kinder haben das auch ein bisschen, und ich hätte da gerne erklärt,
       woher das kommt.
       
       taz: Der Psychoanalytiker Jacques Hassoun nennt das die „Schmuggelpfade der
       Erinnerung“. Die Eltern tradieren ihre Geschichte an die Kinder, auch wenn
       sie nichts erzählen. 
       
       Eicher: Mein Vater hat den Computer zugemacht und mir gesagt: „Sprich nie
       davon.“ Immer noch vielleicht in dieser Angst. Ich habe noch eine Tante,
       vielleicht schaffe ich es über sie, mehr herauszufinden. Mein Gefühl sagt
       mir aber, dass das nicht passieren wird. Vielleicht ist es auch gut, wenn
       man Sachen verdrängen kann. Verdrängen muss man auch können.
       
       taz: Es ist manchmal wohl überlebensnotwendig zu verdrängen. Es ist aber
       auch erwiesen, dass Menschen, die unter extremem Stress leiden und verfolgt
       werden, diese Erfahrung körperlich und psychisch an die folgenden
       Generationen weitergeben. 
       
       Eicher: Das würde ich unterschreiben. Ich bin grundsätzlich ein froher
       Mensch. Blauer Himmel, wow! Regen? Ist auch gut! Aber manchmal erwischt es
       mich und ich frage mich, wo kommt das denn her? Musikmachen hilft.
       Musikmachen ist das Einzige, wo ich keine Angst habe. Gestern auf der Bühne
       war ich schon gestresst, weil nichts richtig ging. Aber ich habe
       rausgefunden, dass ich eigentlich mit ziemlich viel Mut auf solche Sachen
       zugehe.
       
       taz: Sie haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, obwohl es Probleme
       mit dem Sound gab. Das war beeindruckend. 
       
       Eicher: Alles ist Performance. Auch wenn es in die Hose geht. Es braucht
       das Debakel. Auch das muss Teil sein von einem Konzert.
       
       taz: Man muss aber cool genug sein, um das zulassen zu können. 
       
       Eicher: Das ist Punk! In den Kurven quietschen ist gut. Es muss ein
       bisschen gefährlich sein. Sie muss ein bisschen scharf sein, die
       Currywurst. Sonst kannst du das ja nicht essen. Ich habe schon Angst. Aber
       man muss ja leben.
       
       22 Sep 2026
       
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