# taz.de -- Fossile Energieträger: Das Problem liegt im System
       
       > Globale Konflikte um Gas treiben den Strompreis in Deutschland in die
       > Höhe. Ein Blick nach Spanien zeigt, wie es günstiger gehen könnte.
       
 (IMG) Bild: Egal wie viel günstige Energie durch die Erneuerbaren produziert wird, der Strompreis richtet sich nach teuren Kraftwerken
       
       Donald Trump hat den Nahen Osten angezündet und damit die Kosten für
       Erdgas. Am Montag stieg der europäische Erdgaspreis auf 84 Euro pro
       Megawattstunde – den höchsten Stand seit vier Jahren. Die täglich neuen
       Spannungen und Angriffe auf Energieinfrastruktur schüren die Angst vor
       Versorgungsengpässen.
       
       In der Folge wird alles an Energie teurer: Sprit, Gas und auch Strom. Denn
       leider ist das Stromsystem immer noch so angelegt, dass sich teure
       Gaspreise auf dieses durchschlagen. Schon jetzt warnen Experten vor
       Rekordstrompreisen 2027. Dabei könnte der Strompreis unabhängig von
       globalen Konflikten sein. Wie das ginge, zeigt derzeit Spanien.
       
       Dafür muss man das sogenannte Merit-Order-Prinzip verstehen, nach dem die
       europäischen Strombörsen funktionieren. Vereinfacht gesagt: Zuerst erzeugen
       die billigsten Kraftwerke Strom, dann die nächstteureren. Zuletzt bestimmt
       das teuerste nötige Kraftwerk für den Strombedarf den Preis für alle.
       Häufig ist dieses ein Gaskraftwerk. In Deutschland setzen die bisher noch
       immer in rund 40 Prozent aller Stunden den Strompreis. Das ist besonders
       ärgerlich, weil Wind und Sonne längst den billigsten Strom liefern.
       
       ## Spanien setzt besonders selten auf Gaskraftwerke
       
       Und da lässt sich ansetzen. In Spanien lag der durchschnittliche
       Börsenstrompreis in diesem Jahr bei rund 67 Euro pro Megawattstunde.
       Hierzulande waren es etwa 104 Euro, in Italien sogar mehr als 130 Euro.
       Dabei scheint in Spanien und Italien jede Menge Sonne. Der Unterschied: In
       Italien setzten 2026 Gaskraftwerke in knapp 90 Prozent der Stunden den
       Strompreis, in Spanien dagegen nur in 15 Prozent. Je häufiger also ein
       Gaskraftwerk den Preis setzt, desto stärker hängt der Strompreis am
       Gaspreis – und damit an Trump, Putin und Autokratenstaaten im Nahen Osten.
       
       In Spanien ist seit 2019 der Anteil von Atomkraft und Erneuerbaren an der
       nationalen Stromproduktion von rund 59 auf etwa 84 Prozent gestiegen. Der
       Zuwachs kommt fast vollständig aus den Erneuerbaren. Allein zwischen 2019
       und 2025 hat Spanien mehr als 40 Gigawatt [1][Wind- und Solarleistung
       zugebaut]. Das ist ungefähr so viel wie Deutschland, dabei ist der
       spanische Strommarkt nur etwa halb so groß.
       
       ## Mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr für fossile Energieimporte
       
       Eine solche Entwicklung hätte für Deutschland gigantische wirtschaftliche
       Vorteile. Wäre unser Stromsystem bereits so weit wie das spanische, könnten
       die Strombeschaffungskosten für Wirtschaft und Haushalte um rund 15 bis 20
       Milliarden Euro sinken. Schön wäre diese grüne, günstige, freie
       Energiezukunft. Nicht auszumalen, blieben die 100 Milliarden Euro, die
       Deutschland jedes Jahr für fossile Energieimporte ins Ausland überweist, in
       Deutschland und könnten hier Wertschöpfung, Jobs und Einkommen erzeugen.
       
       Leider ist eine Entkopplung zurzeit nicht oberstes Ziel der
       Bundesregierung. Lieber will sie durch viele neue Gaskraftwerke die
       schmutzige Kohle ersetzen. Dazu gibt es weniger Förderung für kleine
       Solarkraftwerke und weniger Entschädigung für Windparkbetreiber, die wegen
       zu schwacher Netze nicht produzieren. Es sind eben nicht stärkere
       Stromnetze, größere Batteriespeicher, nicht mehr Wind, mehr Solar, [2][auf
       die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt].
       
       Dabei sind die Alternativen längst bekannt, Wind- und Solarprojekte stehen
       bereit, [3][die großen] [4][][5][Nord-Süd-Stromautobahnen] sollen ab 2028
       Windstrom transportieren. Deutschland hat kein Energieproblem, sondern ein
       Systemproblem und damit selbst in der Hand, ob der Krieg im Iran die
       Stromrechnung bestimmt – oder die Sonne über Deutschland.
       
       19 Sep 2026
       
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