# taz.de -- Grüner Wahlkampf in Berlin: Schwammstadt selber machen
> Grüne Gullys oder Friedhofparks: In den sechs grün regierten Bezirken
> werden Klimaanpassung und Hitzeschutz groß geschrieben. Oft aber
> blockiert der Senat.
(IMG) Bild: Werner Graf und grüne Bezirksprominenz am Weddinger Nordufer
Auf die Idee muss man erst mal kommen: Damit bei Starkregen nicht das ganze
Wasser in die Kanalisation abfließt, wurden die Gullys am Weddinger
Nordufer einfach um eine 20 bis 25 Quadratmeter große Grünfläche erweitert.
„Damit halten wir 80 Prozent des Regenwassers zurück“, erklärt Mittes
Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) stolz.
[1][„Grüner Gully“] nennt Remlinger das Projekt. „Das ist nicht nur eine
erweiterte Baumscheibe, sondern ein zentrales Element der Schwammstadt“,
betont sie. 50 solcher Grünflächen Gullys wird der Bezirk in diesem Jahr
fertigstellen. Im nächsten Jahr sollen es 100 sein. Und die Kosten betragen
lediglich 7.000 Euro – „ein Schnäppchen“, findet die Bürgermeisterin.
Remlingers Kolleginnen und Kollegen aus den sechs grün regierten Bezirken
schauen interessiert und auch etwas neidisch auf das, was da am Nordufer an
grünem Stadtumbau geschafft wurde. Auf die Idee mit den grünen Gullys sind
sie bislang nicht gekommen. Noch nicht. Denn das Modell, das laut Remlinger
Serienreife erreicht hat, soll nun auch in anderen Bezirken Schule machen.
Klimaanpassung und Hitzeschutz in den Bezirken: Das ist das Thema, zu dem
der grüne Spitzenkandidat Werner Graf und die grüne Bezirksprominenz am
Freitag zum Ortstermin eingeladen haben. „Wir bauen die grüne Stadt von
unten auf“, sagt Graf und beklagt sogleich die mangelnde Unterstützung
durch den Senat. „Die schwarz-rote Landesregierung hat die Bezirke im Stich
gelassen“, kritisiert er.
[2][Mindestens 14.000 Hitzetote hat der Sommer in Deutschland bislang laut
dem Robert Koch-Institut gefordert.] Betroffen seien vor allem die großen
Städte und da vor allem diejenigen, die in unsanierten Wohnungen leben,
sagt Graf. Eine grün geführte Landesregierung, kündigt der grüne
Spitzenkandidat an, werde mit den Bezirken als Team agieren.
## Senat tritt auf die Bremse
Wie sehr der Senat beim Klimaschutz auf die Bremse tritt, zeigt ein
Vorhaben aus Charlottenburg-Wilmersdorf. Bislang wird der Preußenpark mit
seinen 55.000 Quadratmetern Grünfläche klassisch bewässert. „Im Grunde
gießen wir den Park bislang mit Trinkwasser“, sagt die grüne
Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch. Damit sich das ändert, hat der Bezirk
mit der landeseigenen Berliner Immobilien Management GmbH (BIM) ein
[3][„Schwammstadt-Pilotprojekt“] entwickelt.
Am Preußenpark hat auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ihren
Sitz, der gerade saniert wird. „Allein auf dem Dach haben wir eine Fläche
von einem Hektar“, sagt Bauch. Das Regenwasser, das dort anfällt, soll nun
in eine Zisterne abfließen und von dort mit Rohren zum Park geleitet
werden. „Das Projekt könnte in ganz Berlin angewandt werden“, findet sie.
Dass es bislang nur ein Modellprojekt ist, liege am Senat, so die
Grünen-Politikerin. Eine Förderzusage aus EU-Mitteln liege bereits vor.
„Doch die Umweltverwaltung weigert sich, die nötige Co-Finanzierung zur
Verfügung zu stellen“, ärgert sie sich. Auch der Versuch, das Projekt beim
Sondervermögen des Senats unterzubringen, war bislang nicht erfolgreich.
„Dabei fehlt uns nur eine Million“, betont Bauch.
## Bahn bezahlt Entsiegelung
Bessere Erfahrungen als mit dem Senat hat der Bezirk Steglitz-Zehlendorf
mit der Deutschen Bahn gemacht, berichtet der grüne Umweltstadtrat Urban
Aykal. Es geht um den Platz des 4. Juli, eine Hinterlassenschaft der
Planungen für die Welthauptstadt Germania, die vor der Wende auch von den
Amerikanern als Paradeplatz genutzt wurde.
„Eine riesige versiegelte Fläche in der Größe von vier Fußballfeldern war
das“, sagt Stadtrat Aykal und hält zusammen mit Werner Graf ein
großformatiges Foto hoch. Inzwischen ist der [4][Platz des 4. Juli]
entsiegelt, freut er sich und zeigt das „Danach“-Foto. Die Kosten dafür hat
die Bahn übernommen – als Ausgleich für den Bau der Dresdner Bahn.
Für den grünen Spitzenkandidaten Werner Graf zeigen Projekte wie die aus
Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf, dass die Bezirke
das Thema Klimaschutz und Hitzeschutz ernst nehmen. „Es ist faszinierend,
wie die Bezirke das alles trotz der Blockaden des Senats schaffen.“
Seine Forderung ist zugleich ein Wahlversprechen: „Wir müssen als Land den
Bezirken mehr Freiräume geben, um beim Klimaschutz voranzugehen.“
21 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/planung-entwurf-neubau/artikel.1653131.php
(DIR) [2] /14000-Hitzetote--vielleicht-auch-ein-paar-Tausend-mehr/!6205754
(DIR) [3] https://www.bim-berlin.de/presse/details/preussenpark-wird-schwammstadt-pilotprojekt
(DIR) [4] https://gruen-berlin.de/pressemitteilung/platz-des-4-juli-baustart-fuer-mehr-gruen-und-aufenthaltsqualitaet
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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