# taz.de -- Zwischenbilanz „Pop-Kultur“-Festival: Den menschlichen Faktor beschwören
> Momentan findet in Berlin das Festival „Pop-Kultur“ statt. In den
> Debatten ging es um die Macht von KI und ein genossenschaftlich
> organisiertes Musikportal.
(IMG) Bild: Rocken für das Auftragswerk: Fee Aviv Dubois am Mittwoch im „Silent Green“ Berlin
Schön wär’s, wenn Pop, die unmittelbarste alle Musikformen, nur für sich
sprechen könnte. Stattdessen besteht mehr Redebedarf denn je. Schließlich
verschwimmt zunehmend, was und für wen Musik gemacht ist – angesichts
KI-generierter Songs und Algorithmen, die mitentscheiden, welche Inhalte
ihr Publikum finden.
So wird bei der zwölften Ausgabe des Berliner „Pop-Kultur“-Festivals im
„Silent Green“, einer von vier Festivalspielstätten, an den ersten Tagen
vor allem diskutiert. Am Montag etwa bei „I Stream the Line Between Good
and Evil“, mit der Kulturjournalistin Aida Baghernejad und [1][Johann
Scheerer, Autor, Produzent und Betreiber des Hamburger Indielabels Cloud
Hill]. Zum leidigen Thema Streaming und den Machtverhältnissen in der
Plattformökonomie postet Scheer regelmäßig Videos. Viel Grund für
Optimismus verbreitet er auch heute nicht.
## Das große Schrumpfen
Am Ende landen die beiden beim „größten Raubzug in Sachen Urheberrecht, den
die Menschheit je gesehen hat“, wie Baghernejad es nennt. Dies ermögliche
die Schwemme KI-generierter Musik überhaupt erst. Währenddessen schrumpfen
die spärlichen Ausschüttungen für Musiker:innen immer mehr. Scheer, zum
Abschluss nach dem Silberstreif am Horizont gefragt, beschwört den
menschlichen Faktor: Die Magie des Prozesses, wie eine Band ihren Sound
findet, sei nicht durch KI zu ersetzen. Dafür machten Menschen Musik.
Kämpferischer mit Blick auf die Untiefen der digitalen Musikwirtschaft geht
es am Dienstag bei „Who Owns the Platform?“ zu, als Austin Robey,
Mitgründer von Subvert, sein genossenschaftlich organisiertes Musikportal
vorstellt. „Wir wollen zeigen, dass Genossenschaften sich durchsetzen
können“. Subvert, das Robeys Vision nach auch in 50 Jahren noch existieren
wird, gehörte seinen Mitgliedern, also Künstler:innen, Indie-Labels (unter
anderem Warp und Thrill Jockey), Fans und Mitarbeitern. 30.000 sind es bis
jetzt. Als Robey nachfragt, ob jemand aus dem Publikum bei Subvert sei,
schnellen mehr als die Hälfte aller Hände hoch. Wow.
Am Mittwoch beginnt dann der Konzert-Reigen. Magie liegt in der Luft, als
fünf vielseitig aufgestellte Musiker:innen – Fee Aviv Dubois, Ralph
Heidel, Izzy Ment, Shanice Ruby Bennett und [2][Andi Haberl] – als Band
auftreten, nur für diesen einen Abend. Spuren wird das Projekt nicht
hinterlassen, außer in der Erinnerung. „Before it’s over“ ist ein teils
improvisiertes Set zwischen cineastischem Postrock und Jazz – und eine
Feier des Live-Moments. So toll, dass ich mir das Auftragswerk bei der
zweiten Performance des Abends gleich noch mal angucke.
27 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Stephanie Grimm
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