# taz.de -- Syrien ist kein Terrorstaat mehr: Schöne neue Welt
       
       > Die USA streichen Syrien von der Liste der Terrorstaaten. Ob das Land
       > unter al-Scharaa jetzt demokratisch wird, ist noch lange nicht
       > ausgemacht.
       
 (IMG) Bild: Das neue Syrien unter al-Scharaa: Es geht voran, keine Zeit für Pausen
       
       Die goldene Visa-Karte berührt das schwarze Gerät, ein lautes Piepsen, der
       Kreditkartenleser spuckt die Rechnung aus. Syriens Interimspräsident Ahmed
       al-Scharaa hat seinen Kaffee mit Kreditkarte bezahlt. Der Vorgang ist
       historisch: die erste offizielle Karten-Zahlung im neuen Syrien. Einen Tag
       zuvor hatten die USA Syrien von der Liste der Terrorunterstützer
       gestrichen. Der einst islamistische Kämpfer lässt sich nun vom
       US-Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus mit Parfüm besprühen. Syrien
       wird zur freien Marktwirtschaft.
       
       Ebenfalls eine krasse Wende: Unter den Assads war Syrien eine
       Planwirtschaft, abgeschottet durch die härtesten Sanktionen der Welt. Die
       neue Kartenzahlung ist trotzdem kein Zeichen für Syriens glitzernde
       Zukunft. Neben der Wirtschaft hat al-Scharaa viele Aufgaben: Häuser und
       staatliche Infrastruktur aufbauen, Grenzen schützen, radikale Strömungen im
       Militär unter Kontrolle bringen. Massaker an Kurd*innen und Drus*innen
       durch das Militär haben gezeigt, dass Minderheiten nicht sicher sind. Sie
       nehmen al-Scharaa den Wandel zum Staatsmann nicht ab. Islamisten des
       sogenannten „IS“ wiederum ist der Präsident nicht radikal genug.
       
       Der Präsident sagt allen, was sie hören wollen, und macht Deals, wo er
       kann: Investitionen aus Katar, Saudi-Arabien, Türkei, Frankreich,
       Deutschland. Er traf sogar den russischen Präsidenten Wladimir Putin in
       Moskau, obwohl der Ex-Diktator Baschar al-Assad nicht ausliefert. Der
       Westen hat großes Interesse daran, al-Scharaa den moderaten Geschäftsmann
       abzukaufen. Der [1][Kanzler lobte ihn] bei dessen Besuch in Berlin im März,
       Merz möchte 80 Prozent der Syrer*innen abschieben.
       
       Das Versprechen, dass die Bevölkerung profitiert, hält die Regierung nicht.
       Ein [2][enger Kreis aus Familienmitgliedern] und Verbündeten fädelt
       lukrative Geschäfte ein und privatisiert Staatsvermögen. Die Menschen bauen
       derweil ihre Häuser aus eigener Tasche wieder auf. [3][Nach UN-Schätzung]
       leben 90 Prozent weiter in Armut. Für sie wären staatliche Subventionen für
       Brot, Benzin und Medikamente wichtiger als eine Kreditkarte.
       
       27 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kanzler-merz-al-scharaa-2417464
 (DIR) [2] https://www.reuters.com/investigations/syria-is-secretly-reshaping-its-economy-presidents-brother-is-charge-2025-07-24/
 (DIR) [3] https://www.undp.org/sites/g/files/zskgke326/files/2025-02/undp-sy-seia-final-24022025_compressed.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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