# taz.de -- Wohnungsunternehmen in Berlin: Sanieren attraktiver als Neubau
       
       > Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen beklagt
       > steigende Baukosten. Erstvermietungen bei den Landeseigenen sollen teurer
       > werden.
       
 (IMG) Bild: BBU-Vorständin Maren Kern (vorne rechts) bei einer Neubautour 2025
       
       Berliner Wohnungsunternehmen investieren so viel wie seit Langem nicht,
       allerdings weniger in den Neubau als in die Modernisierung. Das ist die
       [1][Bilanz des Verbands Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU].
       Von einer „Verschiebung der Gewichte“ sprach am Dienstag deshalb
       BBU-Vorständin Maren Kern.
       
       Zwar wachsen auch die Investitionen in den Neubau: 2026 sollen es im
       Vergleich zum Vorjahr 5,9 Prozent sein. Größer ist das Wachstum aber mit
       8,3 Prozent bei Instandsetzungen. Und die Investitionen in Modernisierungen
       erleben laut Kern einen regelrechten „Sprung“. Sie sollen 2026 rund 52
       Prozent mehr betragen als im Vorjahr. Als Grund nennt der BBU, der neben
       den landeseigenen Wohnungsunternehmen auch private wie die Vonovia
       vertritt, „die Umsetzung der Wärmewende und energetische Auflagen im
       Bestand“.
       
       Die Pressekonferenz, auf der der BBU die neuen Zahlen bekannt gab, fand
       nicht zufällig kurz vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus statt. Der Verband,
       dessen Mitgliedsunternehmen etwa 780.000 der 1,9 Millionen Berliner
       Wohnungen bewirtschaften, äußerte sich auch zum Thema Vergesellschaftung.
       
       „Alleine die Debatte darum hat jetzt schon Folgen“, sagte Kern. So zögen
       sich manche Banken aus der Finanzierung der Berliner Bestände zurück.
       Beispiele nannte Kern aber nicht.
       
       ## Zinsen gehen durch die Decke
       
       Dafür kündigte sie an, dass bei der Erstvermietung von Neubauten der
       landeseigenen Unternehmen künftig die Mieten steigen. Grund dafür seien die
       steigenden Zinsen. Kern erläuterte das an einer Beispielrechnung. So koste
       der Bau einer 65 Quadratmeter großen Wohnung derzeit etwa 300.000 Euro.
       Weil davon 240.000 Euro auf dem Kapitalmarkt aufgenommen werden müssten,
       belaufe sich die Zinslast auf derzeit 754 Euro im Monat. „Da können wir uns
       eine Erstvermietungsmiete von 13,55 nicht mehr leisten“, sagte Kern.
       
       Im Vergleich zu knapp 6.000 fertiggestellten Wohnungen der
       BBU-Mitgliedsunternehmen 2025 erwartet Kern in diesem Jahr nur noch 5.500
       Wohnungen. Im kommenden Jahr würden es sogar nur noch knapp 4.000 Wohnungen
       sein.
       
       Dennoch sieht der Verband Berlin auf einem guten Weg. Mit mehr als 400.000
       landeseigenen Wohnungen und fast 200.000 Genossenschaftswohnungen lägen
       einschließlich kirchlicher Wohnungen fast 40 Prozent des Bestandes in
       gemeinwohlorientierter Hand. „Da müssen wir uns vor Wien nicht verstecken“,
       sagte Kern.
       
       Das sehen die Berliner Grünen anders. „Berlin ist leider noch nicht Wien“,
       kritisiert die wohnungspolitische Sprecherin Katrin Schmidberger. „Dort
       sind große Teile des Wohnungsbestands dauerhaft sozial gebunden und klaren
       gemeinwohlorientierten Regeln unterworfen.“ Berlin sei davon weit entfernt.
       
       Kritik kommt auch von der Linkspartei. „Misslich ist, dass der BBU nach wie
       vor den Spagat versucht, für landeseigene Wohnungsunternehmen und
       Genossenschaften einerseits, für börsennotierte Großkonzerne wie Vonovia
       andererseits zu sprechen“, sagte der baupolitische Sprecher Niklas
       Schenker.
       
       1 Sep 2026
       
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