# taz.de -- Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: Ulrich Siegmund bezeichnet Sven Schulze als „Flachzange“
> In der MDR-Wahlarena duellieren sich der Ministerpräsident und der
> AfD-Spitzenkandidat. Welche Botschaften sie setzen und wie sie sich
> geschlagen haben.
(IMG) Bild: Nur noch wenige Tage bis zur Wahl am 6. September in Sachsen-Anhalt. In der MDR-Wahlarena diskutieren die Spitzenkandidaten
dpa | Rund eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben
sich die Spitzenkandidaten der Parteien in der MDR-Wahlarena einen
Schlagabtausch geliefert: um die Migration, die Zukunft der Wirtschaft –
und manche AfD-Aussage. Zunächst trafen CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze
und sein umfragestärkster Konkurrent Ulrich Siegmund von der AfD zu einem
Duell aufeinander, der Ton war teils rau. Danach wurde die Runde um die
Spitzenkandidaten anderer Parteien erweitert.
Schulze setzte mit der Wirtschaft auf eines seiner Kernthemen. Siegmund
habe kein Konzept für die Zukunft, etwa wenn es um Jobs gehe, betonte der
frühere Wirtschaftsminister. Schulze wies auf Millioneninvestitionen im
Landkreis Wittenberg am Chemiestandort Piesteritz hin, wo er zuvor
Gespräche geführt hatte. „Ich labere nicht nur, ich liefere.“
Siegmund wiederum warf Schulze eine „abgehobene Perspektive“ vor. Die CDU
regiere seit 24 Jahren in Sachsen-Anhalt und habe es nicht hinbekommen,
dass die Kita kostenlos sei. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte
Siegmund mit [1][Blick auf seine Pläne und die AfD-Umfragewerte.]
## Einstecktuch und Sachsen-Anhalt-Wappen
Optisch setzte Siegmund auf einen schwarzen Anzug mit gepunkteter Krawatte
und Einstecktuch. Schulze kam in Blau, mit Sachsen-Anhalt-Wappen am Revers.
Teilweise redeten beide durcheinander, der Ton wurde zwischenzeitlich rau.
Siegmund bezeichnete Schulze etwa als „Flachzange“, wollte das aber
politisch, nicht menschlich verstanden wissen. Der Ministerpräsident
kritisierte die Wortwahl: „Mir würde es nie einfallen, Sie als Flachzange
zu bezeichnen.“
Auf die Frage, ob Siegmund ein Rechtsextremist sei, legte sich Schulze
nicht fest. „Ich will das nicht beurteilen, was ihn als Person angeht. Das
kann ich auch nicht. Aber ich weiß, mit wem er sich umgibt“, [2][sagte der
CDU-Politiker]. Die Menschen in Siegmunds Umfeld seien „sehr gefährliche,
sehr extreme Menschen“.
## Was ist möglich?
Schulze warf seinem Konkurrenten falsche Versprechungen vor. „Er schafft
ein Gefühl, er sagt, alles ist möglich“, sagte der Regierungschef über
Siegmund. Das sei eine Aussage, „die würde ich nie auf meine Plakate
schreiben, weil: Es ist nicht alles möglich“. Man müsse realistisch mit den
Menschen sprechen, betonte der Regierungschef.
Als Siegmund nach seinen wichtigsten Punkten gefragt wurde, wurde er nicht
sehr konkret. Er sagte, er wolle das tun, was richtig für das eigene Land
und das eigene Volk sei. Zudem möchte er weniger Migration.
Gemeinsam sorgen sich Siegmund und Schulze um den Zusammenhalt. Egal wie
diese Wahl ausgehe, man werde ein gespaltenes Land haben, so der AfD-Mann.
Der CDU-Politiker gab sich hingegen staatstragend und betonte, die Menschen
könnten sich darauf verlassen, dass sie einen Ministerpräsidenten hätten,
[3][der nicht spalte, sondern zusammenführe.]
## So ist die Ausgangslage
Die AfD hat ihren Vorsprung auf die CDU ausgebaut. In einer neuen Umfrage
des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD kommt
die im Land als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei auf 42 Prozent –
das ist ein Prozentpunkt mehr als im Juli. Die CDU liegt bei 22 Prozent,
sie verliert im Vergleich zur letzten Befragung zwei Punkte.
Es folgen die Linke mit 11 Prozent (minus zwei), die SPD mit 8 Prozent
(plus eins) und die Grünen mit 6 Prozent (plus eins). Das BSW würde mit 4
Prozent ebenso wie die FDP mit 3 Prozent an der Fünfprozenthürde scheitern.
Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent. Etwa jeder zehnte
Wahlberechtigte (11 Prozent) gab an, dass sich die Parteipräferenz bis zum
Wahltag noch ändern könnte.
Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD ihr Ziel einer Alleinregierung
nicht erreichen. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen
wäre gegebenenfalls auf Unterstützung der Linken angewiesen. Laut der
Umfrage sind die Anhänger der Union geteilter Meinung (jeweils 47 Prozent),
ob eine CDU-geführte Landesregierung von der Linken unterstützt werden
sollte.
## Was passiert nach der Wahl?
In der MDR-Wahlarena bekräftigte Siegmund sein Ziel einer
AfD-Alleinregierung. Eine Regierung der CDU mit den Linken wäre dagegen
„der Untergang für Sachsen-Anhalt“, sagte Siegmund. Schulze blieb bei der
Frage nach den Koalitionsoptionen vage und betonte, er werde sich nicht von
jemandem abhängig machen. Es gehe darum, das Land am Laufen zu halten, so
der Ministerpräsident.
Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz sagte, man werde alles
dafür tun, dass es eine demokratische Mehrheit und eine handlungsfähige
Regierung gebe. FDP-Landeschefin Lydia Hüskens betonte, die Liberalen
stünden für Bündnisse in der Mitte zur Verfügung, eine Zusammenarbeit mit
ganz rechts und links lehne man ab.
SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann sagte, dass Land habe sich unter
Koalitionsregierungen gut entwickelt. „Da werden nämlich Interessen
ausgeglichen.“ Kompromisslosigkeit sei dagegen der Weg in ein autoritäres
System. Er warb für einen Austausch innerhalb „des demokratischen
Spektrums“.
Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern verwies darauf, dass die
schwarz-rot-gelbe Regierung nach der Wahl am 6. September keine Mehrheit
mehr haben werde. „Aber die gute Nachricht ist doch, es gibt eine
demokratische Mehrheit“, so von Angern. Man stehe da gemeinsam in der
Verantwortung.
BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze sagte, es wäre schade, wenn die
„Brandmauer-Parteien“ weiter regierten. Seine Partei plädiert für einen
überparteilichen Ministerpräsidenten.
27 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Drohende-AfD-Mehrheit/!6202701
(DIR) [2] /Klausur-in-Neuhardenberg/!6207365
(DIR) [3] /Moeglicher-AfD-Sieg-in-Sachsen-Anhalt/!6202713
## TAGS
(DIR) TV
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Sven Schulze
(DIR) Wahlen in Ostdeutschland
(DIR) Streik
(DIR) Schwarz-rote Koalition
(DIR) Frauenfußball
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: Zuwachs für das antifaschistische Bollwerk
Eine neue Umfrage zeigt leichte Zugewinne für SPD und Grüne. Die könnten
wahlentscheidend sein. Ohne Umfragen wären Wähler:innen
orientierungslos.
(DIR) Migrantischer Streik in Sachsen-Anhalt: Land ohne Läden als Warnung gegen die AfD
Beim „Migrantischen Streik“ bleiben laut Veranstalter etwa 160 Läden in
Magdeburg geschlossen. So soll auf die Gefahr durch die AfD aufmerksam
gemacht werden.
(DIR) Klausur in Neuhardenberg: Vom Kanzler kein Rückenwind
Kurz vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt zeigt Merz wenig Verständnis für
ostdeutsche Probleme. Dabei bräuchte die CDU dort gerade jetzt
Unterstützung.
(DIR) Auftakt Frauen-Bundesliga: Courage und Ambitionen
Union verliert zwar deutlich mit 1:4 gegen Bayern. Doch der spielstarke
Auftritt zeigt, dass es um die internationalen Plätze spannend werden
könnte.