# taz.de -- Über Klimakrise als nationales Interesse: „Heimat wird völkisch aufgeladen“
       
       > Klimaschutz nutzen Rechte zur Abschottung gegenüber Migration. Jonas Voß
       > vom Nabu über geschlossene Weltbilder, aus denen es keinen Ausweg gibt.
       
 (IMG) Bild: Klassische Debatte, die rechtsextreme Akteure besetzen: Windkraft
       
       taz: Herr Voß, die Begriffe Klimawandelleugnung und Klimanationalismus
       wirken zunächst widersprüchlich. Was haben beide Phänomene gemeinsam?
       
       Jonas Voß: Klimawandelleugner erkennen die Ergebnisse der
       wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht an. Sie berufen sich darauf, dass
       Temperatur sich schon immer gewandelt hat und der Mensch keinen Einfluss
       darauf hat. Klimanationalismus bezeichnet die Strategie, die Klimakrise
       durch die Brille nationaler Interessen zu betrachten und nationale Lösungen
       für ein globales Problem zu finden. Das typische Narrativ ist da:
       Klimaschutz nur für die eigene Bevölkerung zur Abschottung gegenüber
       Migration.
       
       taz: Wie nutzen rechte Akteurinnen Naturschutz, um ihre Narrative zu
       stützen?
       
       Voß: Begriffe wie Heimat, Natur oder Schutz sind unproblematisch und
       gehören zum demokratischen Naturschutz. Problematisch wird es, wenn Heimat
       völkisch aufgeladen wird und die Vorstellung entsteht, Natur gehöre einer
       bestimmten Volksgemeinschaft und müsse vor vermeintlich Fremdem geschützt
       werden. Das zeigt sich in der Debatte über [1][invasive Arten], wobei
       selbst das ein Framing ist. Das „invasiv“ schiebt der Art die Schuld zu.
       Dabei ist es auch das Handeln von uns Menschen, was gebietsfremde Tiere und
       Pflanzen auf der Welt verteilt. Gleichzeitig ist es eine gängige Praxis in
       rechtsextremer Denke, ökologische Begriffe 1:1 auf den Menschen zu
       übertragen. Das wirkt plausibel, aber negiert, dass wir Menschen einen
       freien Willen haben.
       
       taz: Können Sie an einem Beispiel zeigen, wie aus einem ökologischen
       Begriff ein rechtes Narrativ wird?
       
       Voß: Eine [2][klassische Debatte, die rechtsextreme Akteure besetzen, ist
       das Thema Windkraft]. Dadurch, dass der Klimawandel geleugnet wird, fehlt
       die Rechtfertigung für energetische Transformation. Deswegen wird das Thema
       Windkraft gerne einem Naturschutzthema gegenübergestellt. Bei
       Windkraftanlagen ist es das Thema Vogelschutz, weil es ein tatsächliches
       Phänomen ist, dass [3][Vögel durch Windkraftanlagen ums Leben kommen]. Da
       gibt es aber technische Lösungen für. Es ist nicht so, dass das ein
       ungelöstes Problem ist. Aber es eignet sich sehr gut, um Stimmung zu machen
       und Ängste zu schüren.
       
       taz: Wie kann man die Leute auf diesen Widerspruch aufmerksam machen?
       
       Voß: Es kommt auf die Schwere der Glaubenssätze an. Es gibt auch eine
       abgestufte Variante von Klimawandelleugnern, sogenannte
       [4][Klimaskeptiker]. Aber wenn man glaubt, dass der Klimawandel nicht
       stattfindet und damit Wissenschaft diskreditiert, ist man nicht empfänglich
       für eine logische Erklärung. Je nach Schweregrad der eigenen Glaubenssätze
       kann man da nicht viel machen. Das Weltbild ist so geschlossen, dass es da
       keinen Ausweg gibt.
       
       taz: Was braucht es, um solche Vereinnahmungsversuche von rechts frühzeitig
       zu erkennen?
       
       Voß: Zum einen ein Bewusstsein dafür, dass rechtsextreme Akteure im
       Naturschutz aktiv sind. Es ist eine explizite Strategie von Rechtsextremen,
       sich an Naturschutzthemen dranzuhängen. Diese sind emotional aufgeladen,
       weil sie ökologisch und gesellschaftlich relevant sind. Als Zweites muss
       man in die Analyse gehen: Wird zwischen uns und „Fremden“ unterschieden?
       Tauchen Begriffe auf, die man aus dem rechten Milieu kennt? Demokratischer
       Naturschutz bewahrt Natur um ihrer selbst willen und aus Verantwortung für
       zukünftige Generationen und zum [5][Schutz der Biodiversität]. Rechte
       Ideologien knüpfen Naturschutz immer an Bedingungen. Natur wird immer als
       Bestandteil von einer ethnischen oder nationalen Identität interpretiert
       und ist immer Mittel zum Zweck.
       
       1 Sep 2026
       
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