# taz.de -- Bremen stellt KI-Strategie vor: Der Weltuntergang ist einen Stock tiefer
> Wer künstliche Intelligenz hasst, wird überrascht: Die nun vorgestellte
> Bremer KI-Strategie ist erfreulich – und kann schlimmstenfalls milde
> langweilen.
(IMG) Bild: Vorbei die analogen Zeiten: Bremen will seine Verwaltungsverfahren mit einer KI-Strategie beschleunigen
Da sitze ich nun auf der Pressekonferenz, wie das Land Bremen künstliche
Intelligenz (KI) strategisch in der Verwaltung nutzen will, und schon in
den ersten drögen Minuten ist klar: Das hier ist nicht böse, es ist
praktisch. Wahrscheinlich ist es sogar gut.
Dabei bin ich immer ein bisschen auf Weltuntergang eingestellt, wenn ich KI
höre. Ich hasse die künstliche Intelligenz und scheue sie, wo immer es
geht. Ich habe Angst davor, dass wir [1][als Menschheit uns selbst
überflüssig machen:] im Job, im Sozialen, im Kreativen. Ich finde es
absurd, dass die KI für uns Texte schreibt und Musik macht und Bilder
erstellt. Ich sorge mich, dass wir Kulturtechniken verlieren – das Denken
verlernen, um es pathetischer zu formulieren.
Es beunruhigt mich, dass es Milliardäre sind (und ein Billionär), die mit
der Kontrolle über die KI unsere Welt gestalten können. Und dann auch noch
die besonders megalomanen unter den Superreichen … Die KI, die ja vor allem
Altes reproduziert, setzt Diskriminierung fort und stützt konservativ das
Bestehende und Mächtige. Das kann nicht gut sein.
Angst habe ich aber auch, wenn sie dann doch eigene Ideen entwickelt: Wenn
sie uns irgendwann in allem überflügelt und – mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit – einfach abschafft. Aber das passiert bestimmt nicht,
oder?
## Die Anwendungen passen nicht zur Angst
Das ist ganz schön viel Angst und Unbehagen und klingt in der Masse ein
bisschen spinnert; bestimmt überschätze ich manche Gefahr, irre mich bei
anderen, und wiederhole Szenarien, die Angsthasen und Bremser seit
Menschengedenken bei jeder neuen Technologie äußern. Schon mit fast 40
Jahren gehöre ich wohl zum technologiefeindlichen alten Eisen – ja,
Kruzifix!
Vor allem passen die ganzen Gefühle so gar nicht zu dem, was Bremen da
präsentiert als KI-Strategie. Da gibt es erst einmal viel Positives zu
sagen: Es ist gut, wenn man sich ein paar Gedanken macht über KI. Es ist
richtig gut, wenn die Verwaltung eine eigene datenschutzsensible KI nutzt:
Die größenwahnsinnigen Superreichen hat man damit schon mal gebannt, soweit
das eben geht.
Und werde ich als Bürgerin den Unterschied merken, wenn Behördenbriefe in
Zukunft vom Textassistenten „LL Moin“ formuliert wurden? Vermutlich ja: LL
Moin soll verständlich und diskriminierungsfrei formulieren, hurra! Und
möchte denn nicht auch ich, dass Wohngeldanträge schneller bearbeitet
werden? Und wäre es nicht wirklich toll, wenn Finanzbeamte endlich wieder
Zeit für die wichtigen Dinge hätten, für eine Steuerprüfung bei
Superreichen zum Beispiel?
39 Projekte gibt es in einem ersten Aufschlag; nur gut die Hälfte davon
bezieht sich auf konkrete KI-Anwendungen – die anderen sind eher
begleitende Projekte: Etwa im Modul „KI verantwortungsvoll prüfen“, da
kriegt man auch die KI-Kritikerin. Oder im „Kompetenzzentrum für künstliche
Intelligenz“, damit die Beschäftigten abgeholt werden. Überhaupt, die
Mitarbeiter: Die hat man vorab befragt, eine Zustimmung des Personalrats
gibt es auch. Um seinen Arbeitsplatz muss sich niemand sorgen, sagt
Finanzsenator Björn Fecker (Grüne).
Und die [2][Arbeitsplätze der Zukunft?] Na ja, wenn der demografische
Wandel reinschlägt und die Babyboomer in Rente gehen, dann ist es für das
Gemeinwesen vielleicht ganz gut, dass nicht alle Stellen in den Behörden
wiederbesetzt werden müssen: Schon heute finden Verwaltungen landauf,
landab, nicht genug Mitarbeitende. Nix für ungut also, Bremen! Mach mal KI.
Ist auch nur ein Werkzeug. Und: muss ja.
Noch ein paar O-Töne fürs Fernsehen, dann ist sie aus, die PK im Rathaus.
Gut so: Ein Stockwerk weiter unten beginnt nämlich nun das Mittagessen für
besondere geladene Gäste der KI-Konferenz. Nein, nicht die Konferenz zur
neuen Strategie, sondern die „IJCAI-ECAI 2026“, eine der „weltweit
wichtigsten wissenschaftlichen Konferenzen zu künstlicher Intelligenz“ mit
2.500 Teilnehmenden aus 40 Ländern. Serviert wird auch dort ganz, ganz viel
Hilfreiches – und wer weiß, vielleicht auch [3][eine Prise
Menschheitsdämmerung.] Guten Appetit!
19 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lotta Drügemöller
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