# taz.de -- Schutz queerer Menschen: Hubig will Grundgesetzänderung
> Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD fordert Justizministerin Stefanie
> Hubig (SPD) eine Grundgesetzänderung. Die Union müsste davon noch
> überzeugt werden.
(IMG) Bild: Am Berliner Tiergarten verübte ein 21-Jähriger einen Anschlag gegen queere Menschen – eine Frau starb
dpa | Bundesjustizministerin Stefanie Hubig tritt dafür ein, als Reaktion
auf den islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Day
(CSD) in Berlin das Grundgesetz zu ändern. „Ich bin dafür, dass wir Artikel
3 Absatz 3 Grundgesetz ergänzen um ein Verbot der Diskriminierung aufgrund
der sexuellen Identität“, [1][sagte die SPD-Politikerin der Rheinischen
Post].
Der Artikel verbietet bereits die Benachteiligung oder Bevorzugung von
Menschen etwa aufgrund ihrer Abstammung, Sprache, Heimat oder Herkunft,
ihres Glaubens, ihrer Religion oder politischen Anschauungen. „Es ist nur
logisch, auch Ungleichbehandlungen aufgrund der sexuellen Identität in der
Verfassung zu verbieten“, betonte Hubig. Dazu seien in der Regierung noch
Gespräche nötig.
## Hubig muss Union noch überzeugen
In der Union gebe es Vorbehalte, aber auch ermutigende Signale, betonte sie
mit Verweis auf unionsgeführte Landesregierungen. „Und der Kanzler hat sich
[2][nach dem CSD-Anschlag] persönlich an die queere Community gewandt und
bekräftigt, dass der Staat sich für ihren Schutz einsetzen wird. Eine
Ergänzung des Grundgesetzes würde diese Ankündigung mit Leben füllen“,
betonte Hubig.
Bei dem Terroranschlag am 25. Juli im Berliner Tiergarten hatte der
21-jährige Attentäter mit einem Van mehrere Passanten angefahren, bevor er
– vermutlich mit einer Machete – weitere Menschen verletzte. Eine Frau
starb, mindestens 31 Menschen wurden verletzt, darunter sieben schwer. Der
Islamist wurde am Tag nach der Tat von Polizisten erschossen, nachdem sie
ihn in einer Gartenkolonie gestellt hatten. Hubig hatte angekündigt, dass
der Generalbundesanwalt als oberste Anklagebehörde in Deutschland die
Ermittlungen übernehmen soll.
## Auch Nachbesserungen in Rechtsfragen geplant
Die Justizministerin ist mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) auch im
Gespräch über [3][Nachschärfungen in einzelnen Rechtsbereichen], etwa beim
Informationsaustausch zwischen Sicherheitsbehörden und Justiz. „Die
Sicherheitsbehörden haben oft wichtige Informationen dazu, ob von einer
Person, etwa einem Islamisten, eine Gefahr ausgeht. Wir müssen
sicherstellen, dass die Strafjustiz diese Erkenntnisse heranziehen kann, wo
es nötig ist. Das ist besonders wichtig, wenn ein Gericht entscheidet, ob
eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird“, sagte Hubig.
Das Instrument der Vorbewährung im Jugendstrafrecht – wie es im Fall des
Attentäters Abdul B. genutzt worden war – will Hubig grundsätzlich
beibehalten, sagt aber auch: „Ich kann mir vorstellen, dass wir hier etwas
nachschärfen müssen. Es muss auch im Gesetz klar sein: Eine Vorbewährung
darf nur ausgesprochen werden, wenn das mit Blick auf die
Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit vertretbar ist.“ Bei dem Instrument
kann ein Gericht sich die Entwicklung eines Straftäters zunächst noch
einige Monate ansehen – und erst dann entscheiden, ob die Strafe zur
Bewährung ausgesetzt wird.
Hubig lehnte eine grundsätzliche Bestrafung von extremistischen
Jugendlichen oder [4][Gefährdern nach Erwachsenenstrafrecht] ab und
verteidigte die Anwendung von Jugendstrafrecht. „Es geht darum, junge
Straftäter zurück auf den richtigen Weg zu bringen. Das sollte weiterhin
unser Ziel sein, auch im Umgang mit jungen Menschen, die sich radikalisiert
haben. Denn sie sind oft noch formbar. Wenn man sie pauschal nach
Erwachsenenstrafrecht verurteilen würde, kann das sogar den falschen Effekt
haben und ihre Radikalisierung befördern“, warnte Hubig.
22 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://rp-online.de/politik/deutschland/csd-anschlag-hubig-verteidigt-das-jugendstrafrecht_aid-153498559
(DIR) [2] /Trauer-nach-dem-Anschlag-auf-den-CSD/!6196777
(DIR) [3] /Anschlag-auf-den-CSD-Berlin/!6196818
(DIR) [4] /Wehrhafte-Demokratie-und-AfD-Verbot/!6200496
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