# taz.de -- Schusswaffengewalt in Thailand: Schüler üben Schutz und Notwehr gegen Schulmassaker
       
       > Anfang August lief ein 14-Jähriger an seiner Schule nahe Bangkok Amok.
       > Nun hat die thailändische Regierung Übungen gegen Anschläge mit
       > Schusswaffen angeordnet.
       
 (IMG) Bild: Ein als Schulattentäter verkleideter Polizist bei einer Notfallübung an der Surasamontree-Schule in Bangkok
       
       Eine vermummte Person, die Kapuze eines schwarzen Hoodies über den Kopf
       gezogen und ein Sturmgewehr im Anschlag steigt eine Treppe in Bangkoks
       Surasamontree-Schule hinauf. Offenbar sucht der Bewaffnete Opfer. Später
       zeigen [1][Fotos und ein Video der Nachrichtenagentur Reuters], wie der
       Vermummte einen Schulflur entlanggeht, dabei gegen Klassentüren tritt und
       Schüsse abgibt.
       
       Andere Bilder zeigen Kinder, die kreischend aus dem Gebäude fliehen,
       Schülerinnen, die unter ihren Pulten Schutz und Deckung suchen oder mit
       Schultischen verbarrikadierte Klassenräume. Nachdem er in ein leeres
       Klassenzimmer eingedrungen ist, tritt der Vermummte wütend einen Tisch um.
       
       Eine weitere Szene zeigt, wie sich nach dem Betreten eines Klassenraums ein
       halbes Dutzend Kinder in Schuluniformen auf den überraschten Bewaffneten
       stürzt und ihn zu Boden ringt. Sie hatten ihm hinter der Klassentür
       aufgelauert.
       
       Zum Glück sind diese Szenen nur eine Übung und der vermeintliche Attentäter
       ist ein verkleideter Polizist. Sein M-16-Sturmgewehr ist zwar echt, aber
       enthält nur Platzpatronen.
       
       ## „Fliehen, verstecken, kämpfen“
       
       Für die Schule, ihren Direktor und die beteiligte Polizeidirektion ist die
       Übung auch ein PR-Stunt. „Wir tun was“, lautet die medial verbreitete
       Botschaft des als „Fliehen, verstecken und kämpfen“ charakterisierten
       Notfalltrainings, das potenziell Betroffene auf verschiedene Optionen
       vorbereiten soll. Das Ziel ist, das Bewusstsein an der Schule zu schärfen
       und so die Panik im Krisenfall zu reduzieren.
       
       [2][Nachdem am 7. August ein 14-Jähriger in Nonthaburi bei Bangkok zunächst
       seine Großeltern erschossen hatte, an seiner Schule fünf Lehrer und eine
       Schülerin und schließlich sich selbst tötete], hat das Bildungsministerium
       Schulen aufgefordert, Besuchsregeln zu verschärfen, Notfallpläne
       aufzustellen und Gefahrenabwehr zu üben. Denn das Schulmassaker vom 7.
       August war nicht das erste in Thailand.
       
       Jetzt werden an thailändischen Bildungseinrichtungen vor dem Betreten
       Schultaschen durchsucht oder mit Metalldetektoren überprüft, oftmals durch
       die Lehrer. Dabei entdecken sie auch Stichwaffen oder andere gefährliche
       Gegenstände.
       
       Direkt nach dem Massaker in Nonthaburi hatte die Regierung die Ausstellung
       neuer Waffenscheine ausgesetzt. Diesen symbolischen Schritt hatte sie schon
       nach früheren Schusswaffenzwischenfällen gemacht, ohne damit etwas zu
       erreichen.
       
       Das soll jetzt anders werden. Die Regierung wolle Wege finden, Schusswaffen
       so weit wie möglich aus dem Alltag der Menschen zu entfernen und die
       Gesellschaft sicherer zu machen, erklärte eine Regierungssprecherin.
       [3][Ministerpräsident Anutin Charnvirakul] ordnete bereits eine Überprüfung
       der Waffengesetze an.
       
       ## Nicht lizenzierte Waffen aus dem Internet
       
       Trotz vergleichsweise strenger Waffengesetze weist Thailand eine der
       höchsten Waffenbesitzraten in Asien auf. Im Jahr 2017 von den
       Organisationen Small Arms Survey und GunPolicy.org erhobene Daten ergaben,
       dass thailändische Zivilisten etwa 15 Schusswaffen pro 100 Einwohner
       besaßen, verglichen mit weniger als einer Waffe pro 100 Einwohner im
       benachbarten Malaysia und etwa 50 in den gewaltgeplagten Philippinen.
       Ebenfalls im Jahr 2017 wurde die Zahl der Schusswaffen in Thailand auf 10,3
       Millionen geschätzt, davon rund 4 Millionen nicht registrierte. Neuere
       Zahlen gibt es nicht.
       
       Schusswaffen sind in Thailand leicht verfügbar. [4][Recherchen des
       singapurischen Senders CNA zufolge] kann eine nicht lizenzierte Pistole
       innerhalb von zwei Tagen für umgerechnet 150 Euro im Internet erworben
       werden. Der Erhalt lizenzierter Waffen dauere dagegen mindestens zwei
       Monate und sei erheblich teurer.
       
       Bisher können Polizisten und andere Sicherheitskräfte im Rahmen sogenannter
       Wohlfahrtsprogramme privat subventionierte Waffen erwerben, kritisiert
       [5][das Onlinemedium Prachatai]. Da sie diese dann aber gelegentlich mit
       Gewinn weiterverkaufen, wird über eine Abschaffung dieses Privilegs
       diskutiert. Auch viele Minister und Abgeordnete sind bewaffnet. Nur drei
       Tage nach dem jüngsten Schulmassaker erschoss ein Ex-Abgeordneter ebenfalls
       in Nonthabui einen Beamten.
       
       21 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.reuters.com/world/asia-pacific/thai-schools-hold-shooting-response-drills-after-deadly-school-attack-2026-08-19/
 (DIR) [2] /Nach-Massaker-an-Schule/!6203508
 (DIR) [3] /Thailand-hat-neuen-Premierminister/!6164053
 (DIR) [4] https://www.channelnewsasia.com/asia/thailand-gun-violence-school-shooting-firearms-control-6323466
 (DIR) [5] https://prachataienglish.com/node/12012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Thailand
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 (DIR) Cannabis
       
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