# taz.de -- Cannabis in Thailand: Genug gekifft?
> Der private Konsum von Cannabis boomt in Thailand. Aber die Regierung
> versäumt es, eine nachhaltige Industrie aufzubauen, die Arbeitsplätze
> sichert.
(IMG) Bild: Endes des grünen Goldes in Thailand?
Ganja, wie Cannabis in Thailand heißt, wurde 2022 ausschließlich für die
medizinische Verwendung entkriminalisiert. In der Praxis schossen jedoch im
ganzen Land dank höchst unklarer Regulierungen coole Ganjashops wie Pilze
aus dem Boden und der Freizeitkonsum blüht. Zu verdanken hat Thailand die
Quasi-[1][Legalisierung von Cannabis der Partei Bumjathai und ihrem
Vorsitzenden Anutin Charnvirakul]. Er war 2019 mit diesem Thema in den
Wahlkampf gezogen und setzte dann als Juniorpartner und Gesundheitsminister
der damaligen Regierung die Legalisierung durch.
Gleichzeitig machten die Cannabis-Gegner mobil und lösten einen Boom von
Statistiken und [2][Studien über die negativen Folgen des Spaßkiffens aus],
wie steigende Kriminalität und rasante Zunahme mentaler Probleme unter
jugendlichen Konsumenten. Auf der anderen Seite feierten Experten vor allem
das Freizeitkiffen als Heilsbringer für den stagnierenden Tourismus, der
für Thailand ein extrem wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.
Tatsächlich zählte die thailändische Tourismusbehörde 2025 rund 33
Millionen touristischer Einreisen ins Land und damit sieben Prozent weniger
Urlaubende als noch im Jahr zuvor. Allerdings dürfte das eher mit dem
Ausbleiben chinesischer Pauschaltouristen zu tun haben, nachdem es
[3][Berichte über Entführungen von urlaubenden Chinesen in
Online-Betrugsfabriken in Myanmar gegeben hatte.]
Die Cannabiskritiker setzten sich allerdings gegen das Tourismus-Argument
durch: Im Juni 2025 erlaubte die damals von der Pheu Thai Partei geführte
Regierung den Verkauf von Cannabis nur noch gegen ein ärztliches Rezept.
Der russische Manager eines schicken Ganjageschäfts in Bangkoks Silom Road
sagt grinsend: „Im Prinzip hat sich nichts geändert.“ Der Mann, dessen Name
wegen der Gesetzeslage zur Arbeitserlaubnis für Ausländer besser nicht
namentlich genannt wird, erklärt: „Wir haben Abkommen mit Ärzten, die uns
für jeden Verkauf ein Rezept schicken.“
## Marktwert: 390 Millionen US-Dollar
Marihuana wird überall in Thailand angebaut, vor allem aber aufgrund der
guten klimatischen Bedingungen in der Region Chiang Mai sowie rund um
Bangkok. „Diese Städte dominieren den Markt wegen ihrer etablierten
Infrastruktur, Zugänglichkeit der Gesundheitseinrichtungen und ihrer für
den Export günstigen strategischen Lage“, heißt es in dem [4][2024 von Ken
Research veröffentlichten Report „Marktaussichten für Cannabis aus Thailand
2030“]. Den Marktwert der Cannabisnutzung bei Wellnessprodukten,
medizinischen Anwendungen und cannabishaltigen Produkten schätzt die
internationale Marktforschungsfirma auf 390 Millionen US-Dollar.
„Die internationalen Akteure kommen aus Ländern wie Russland, Vietnam,
China oder auch Israel“, weiß Chokwan Kitty Chopaka, Thailands führende
Cannabisaktivistin. „Immer mehr kleine heimische Cannabisfarmer müssen
wegen der Bürokratie und fehlendem Kapital aufgeben“, klagt Chopaka. Zu dem
Schluss kommt auch Ken Research. Thailand habe gute Chancen, zu einem
Konkurrenten der medizinischen Cannabisexporteure wie Australien und Japan
zu werden, wären da nicht bürokratische Hürden, die Investitionen in den
Ausbau der Versorgungsketten und Verarbeitungsanlagen erschwerten.
Chopaka plädiert deshalb für einen Ausbau der Cannabisproduktion für
medizinische Zwecke und mehr noch, für den Aufbau einer Industrie zur
Herstellung einer Vielzahl von Produkten aus Hanffasern. Aber dazu fehle es
an politischem Willen, wissenschaftlicher Forschung und der Erhebung klarer
Marktdaten, kritisiert Chopaka. Ganja als Touristenattraktion hält sie
jedenfalls für überbewertet: „Touristen kommen nicht zum Kiffen nach
Thailand. Das ist allenfalls ein nettes Extra.“
## Für eine Regulierung des Freizeitkonsums
Chopaka, Mutter von zwei halbwüchsigen Kindern, stellt negative
Nebenwirkungen des Kiffens nicht in Abrede. Deshalb ist sie auch für eine
klare Regulierung des Freizeitkonsums. Auf die Lockerungen der strengen
Regulierung des Alkoholverkaufs und -konsums an buddhistischen Feiertagen
zur Förderung des Tourismus, blickt sie daher mit Unverständnis. „Das
zeigt, woher das Geld kommt.“
Die Pro-Cannabis-Partei Bumjathai unter dem inzwischen amtierenden
Premierminister Anutin hatte am 8. Februar [5][die vorgezogene
Parlamentswahl gewonnen]. Ein wahrscheinlicher Koalitionspartner wird die
Partei Pheu Thai sein, die den Freizeitkonsum von Cannabis ablehnt. Die
Position der konservativen Klatham-Partei als dritte im Bunde ist
unbekannt. Allerdings war ihr vor Jahrzehnten in Australien als
Heroindealer verurteilter [6][schillernder Vorsitzender Thamanat Prompow]
seit 2019 in sämtlichen thailändischen Koalitionsregierungen
Landwirtschaftsminister. Wie es weitergeht mit Cannabis in Thailand wird
sich zeigen, wenn Ende März die neue Regierung unter Premierminister Anutin
ihr Amt antritt.
27 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Thailand-legalisiert-Cannabis/!5910706
(DIR) [2] https://fulcrum.sg/dangerous-unintended-consequences-loom-in-the-wake-of-thailands-hasty-legalisation-of-marijuana/
(DIR) [3] /Transnationale-Kriminalitaet/!6098914
(DIR) [4] https://www.kenresearch.com/industry-reports/thailand-cannabis-market
(DIR) [5] /Wahl-in-Thailand/!6152407
(DIR) [6] https://en.wikipedia.org/wiki/Thamanat_Prompow
## AUTOREN
(DIR) Robert Lenz
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