# taz.de -- Handelskonflikt mit EU: China eskaliert im Streit um Mediamarkt
> Nachdem Brüssel eine Untersuchung gegen den Onlinehändler JD.com
> einleitet, reagiert Chinas Regierung scharf. Der Fall offenbart die
> gestiegenen Spannungen.
(IMG) Bild: Eine Mediamarkt-Filiale in Bremen: Es soll verhindert werden, dass sie einen chinesischen Eigentümer bekommt
Die EU und China ringen auf dem ökonomischen Schlachtfeld längst mit
offenem Visier. Am Dienstag hat das chinesische Justizministerium [1][in
Peking] klargemacht, dass es in Handelsfragen keine Gegenwehr duldet.
So hat das Ministerium chinesischen Unternehmen und Individuen kategorisch
verboten, bei einer derzeit laufenden Untersuchung der Europäischen Union
zu kooperieren. Zum zweiten Mal überhaupt haben die chinesischen
Autoritäten eine solch drastische Maßnahme erlassen. Hintergrund ist die
Prüfung der EU zur geplanten Übernahme von Ceconomy, dem Mutterkonzern von
Mediamarkt und Saturn, durch den chinesischen Onlinehändler JD.com.
„Die Maßnahmen der EU stellen eine unzulässige extraterritoriale Ausübung
ihrer Rechtshoheit dar“, kritisierte ein Sprecher des chinesischen
Justizministeriums. Gleichzeitig hat Peking mit Vergeltung gedroht: Sollte
die EU an ihrem Vorgehen festhalten, werde man entschlossen reagieren,
teilte das Ministerium mit. Welche Maßnahmen drohen würden, ließ man offen.
Ein Rückblick: Bereits im Frühjahr schien es beschlossene Sache, dass
JD.com – eine Art chinesisches Pendant zu Amazon – den Düsseldorfer Konzern
Ceconomy für 2,2 Milliarden Euro kaufen würde. Dann schritt Brüssel mit
einem gut begründeten Ausgangsverdacht ein, den Deal auf
Wettbewerbsfairness zu prüfen. Die eingeleitete Untersuchung basiert auf
einem rechtlichen Mechanismus, der gezielt für den Umgang gegenüber China
auf den Weg gebracht wurde.
## China setzt auf massive Staatshilfen
Die EU stand bereits seit Längerem unter Druck: Es ist hinlänglich
dokumentiert, dass Chinas Industriepolitik seine führenden Unternehmen mit
massiven Staatshilfen unterstützt, um weltweit Marktanteile zu sichern.
Dabei handelt es sich um Subventionen, die gegen die Bestimmungen der
[2][Welthandelsorganisation (WTO)] verstoßen.
Laut einer aktuellen Studie der Industriestaatenorganisation OECD erhalten
chinesische Unternehmen das bis zu Achtfache an staatlichen Hilfen im
Vergleich zu Firmen westlicher Industrienationen. Das beinhaltet nicht nur
direkte Zahlungen, sondern vor allem auch günstige Kredite,
Steuererleichterungen, Energielieferungen und günstige Grundstückspreise.
Seit Jahren schlagen Ökonomen Alarm, doch mittlerweile ist das Thema auch
bei Kanzler Friedrich Merz angekommen: Der sogenannte China-Schock 2.0
droht, Europa eine regelrechte Deindustrialisierung zu bescheren. Laut
einer Studie des Haut-commissariat à la Stratégie et au Plan, einer dem
französischen Premierminister zugeordneten Strategiebehörde, sind in
Deutschland mittelfristig 70 Prozent der Industrieproduktion bedroht – das
ist der höchste Wert in Europa. Dass die EU sich gegen die Folgen
wettbewerbsverzerrender Subventionen aus China zur Wehr setzt, gilt unter
Ökonomen als dringend notwendig.
Doch Chinas Behörden argumentieren, dass Brüssel im Zuge seiner
Untersuchung unnötige und zu weitreichende Daten erheben möchte. Ein
Sprecher des chinesischen Justizministeriums bezeichnete das Vorgehen der
EU am Mittwoch als „schwerwiegenden Verstoß gegen die internationale
Rechtsstaatlichkeit“.
## Zunehmende Handelsspannungen
Der Konflikt spiegelt vor allem die zunehmenden Handelsspannungen zwischen
den zwei Wirtschaftsräumen wider. Und er macht deutlich, dass China
keineswegs bereit ist, in dem Streit Kompromisse einzugehen.
Gleichzeitig wirft Peking Brüssel jene Maßnahmen vor, die es bereits seit
Jahren anwendet und mittlerweile perfektioniert hat. Kaum ein anderer Staat
der Welt schützt seine strategischen Wirtschaftssektoren stärker als die
Volksrepublik China.
Die aktuellen Exportkontrollen auf Seltene Erden sind nur eins von vielen
Beispielen: Um weiterhin jene Rohstoffe kaufen zu können, auf deren
Weiterverarbeitung chinesische Staatsbetriebe de facto ein Monopol haben,
müssen europäische Unternehmen weitreichende Konzerndaten an die
chinesischen Behörden weitergeben. Diese erhalten dadurch einen tiefen
Einblick in Geschäftsgeheimnisse und Lieferketten.
Doch dass die EU ihre Untersuchungen transparent und rechtsstaatlich
umsetzt, und damit inhaltlich die besseren Argumente auf ihrer Seite hat,
nützt ihr letztlich wenig. Im Umgang mit der Volksrepublik China zählt
einzig das machtpolitische Kalkül, welche Seite stärker ist, die eigenen
Interessen durchzusetzen.
## Peking setzt auf Eskalation
Dass Pekings Justizministerium nun auf Eskalation setzt, basiert auf der
Annahme, man habe schlicht die besseren Trümpfe im Ärmel. Chinas
Staatsführung tritt selbstbewusst auf, weil es das eigene autoritäre System
für krisenresistenter hält: Während sich die EU an demokratische Checks and
Balances halten muss und zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten teils
zutiefst zerstritten ist, tritt der chinesische Einparteienstaat mit
geeinter Stimme auf.
Ein Sprecher des Ministeriums sagte, die EU „missbrauche“ ihren
Untersuchungsmechanismus für Auslandssubventionen und warnte, dass Peking
„entschlossen gemäß dem Gesetz zurückschlagen“ könne, falls die EU
fortbesteht.
Die Erklärung ist das jüngste Anzeichen für Pekings Verärgerung über das
zunehmend angespannte Verhältnis zu Brüssel. Europäische
Regulierungsbehörden und Behörden haben eine Reihe chinesischer
E-Commerce-Plattformen im Rahmen des Digital Services Act untersucht und
mit Antidumpingkampagnen alles [3][von Stahl] bis Peking-Ente ins Visier
genommen. Zudem arbeitet die EU-Kommission an einem neuen Gesetz, das
Unternehmen verpflichtet, ihre Lieferketten von China hinaus zu
diversifizieren.
20 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Fabian Kretschmer
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