# taz.de -- Deutsche Gasspeicher halb leer: Reiches riskantes Spiel
       
       > Wirtschaftsministerin Reiche lässt die Erdgasspeicher leerer, als sie es
       > sein sollten. Dafür hat sie auch einen Grund – aber die Wette ist
       > riskant.
       
 (IMG) Bild: Erdgasspeicher Bierwang im Landkreis Muehldorf am Inn
       
       Tatenlos nimmt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hin, dass
       die unterirdischen Erdgas-Speicher hierzulande [1][nicht so voll sind, wie
       sie sein sollten]. Das könnte sich [2][im Winter rächen] – mit stark
       steigenden Preisen.
       
       Schon jetzt klettern die Kosten für den Brennstoff wieder. Die
       Privathaushalte und Firmen merken das bereits. So rät Klaus Müller, der
       Chef der Bundesnetzagentur, sich auf höhere Rechnungen einzustellen.
       Gleichzeitig fordert er die Gashändler auf, mehr Gas einzuspeichern.
       
       Gegenwärtig tun die Unternehmen das aber nicht. Denn der Rohstoff [3][ist
       ihnen augenblicklich zu teuer,] um beim Verkauf im Winter schöne Gewinne zu
       ermöglichen. An diesem ökonomischen Kalkül ändert sich auch nichts durch
       Appelle des Netzagenturchefs oder Beruhigungsbotschaften seiner
       Vorgesetzten, der Wirtschaftsministerin.
       
       Im Gegenteil ist festzustellen, dass Reiche eine Zielmarke ignoriert oder
       zumindest fahrlässig interpretiert, die sich die Bundesregierung selbst
       gesetzt hat. Die sogenannte Gasfüllstandsverordnung bestimmt, dass die
       Speicher bis November, wenn es normalerweise kalt wird, zu durchschnittlich
       70 Prozent gefüllt sein müssen. Momentan sind sie jedoch halb leer. Die
       Lücke zu schließen, könnte zeitlich knapp werden.
       
       ## Reiches Kalkül
       
       Warum weigert sich nun die Wirtschaftsministerin, die Unternehmen
       anzuweisen, mehr Gas einzulagern? Sie will vermeiden, dass die schlagartig
       höhere Nachfrage die Preise treibt, und der Bund oder die Verbraucher
       Milliarden Euro zusätzliche Kosten tragen müssen.
       
       Andererseits leisten zu leere Speicher einer Kostenexplosion im Winter
       Vorschub, wenn beispielsweise durch außergewöhnlich niedrige Temperaturen
       der Bedarf stark zunähme. Eine solche Situation soll die Speicherverordnung
       gerade verhindern. Der Fairness halber ist aber einzuräumen: Ob die
       Vorsorge mehr Geld kostet oder der Verzicht darauf, weiß momentan niemand.
       Katherina Reiche wettet auf die erste Option.
       
       19 Aug 2026
       
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