# taz.de -- Halbvolle Gasspeicher: Hoffen auf einen normalen Winter
       
       > Die unterirdischen Gasspeicher sind deutlich leerer als vor einem Jahr.
       > Reicht es, um Deutschland über die kalte Jahreszeit zu bringen?
       
 (IMG) Bild: Hätten Sie es gewusst? So sieht der Verdichter eines Untergrund-Gasspeichers aus. Egal, wie voll der ist
       
       Bis der Winter kommt, dauert es noch. Aber die Vorbereitungen laufen
       längst. Normalerweise wird der Sommer dafür genutzt, die Voraussetzungen zu
       schafffen, dass im Winter genug Brennstoff vorhanden ist. Erst kürzlich
       warnte der [1][Gaskonzern Uniper jedoch, es werde zu wenig Erdgas
       eingelagert]. Und tatsächlich sind aktuell nach [2][Informationen der
       Bundesnetzagentur die unterirdischen Speicher für Heizgas] gerade mal zur
       Hälfte gefüllt. 2025 waren sie Mitte August bereits zu zwei Dritteln voll.
       
       Damit drängt sich die Frage auf: Sollte oder muss die Regierung mehr tun,
       um Knappheit und einen Preisschock in der kalten Jahreszeit zu verhindern?
       
       Die unterirdischen Speicher spielen für die Versorgung eine wichtige Rolle.
       Dass sie sich zurzeit zwar nach und nach, aber eben langsamer als in
       früheren Jahren füllen, liegt unter anderem am Krieg zwischen den USA und
       Iran im Nahen Osten: Weil die [3][Meerenge von Hormus auch für Gastanker
       größtenteils gesperrt] ist, liegt der Weltmarktpreis des Rohstoffs so hoch,
       dass es sich für hiesige Händler kaum lohnt, jetzt Vorräte anzulegen.
       
       Das früher gewohnte Kalkül, billiger Einkauf im Sommer, Verkauf zu höheren
       Preisen im Winter, funktioniert also nicht mehr richtig. Aber wenn es bei
       der aktuellen Füllgeschwindigkeit bleibt, könnte es sein, dass dann zum
       traditionellen Beginn der Heizsaison Anfang Oktober weniger als 60 Prozent
       der Speicherkapazitäten genutzt sind. Im vergangenen Jahr waren es zu dem
       Zeitpunkt 76 Prozent.
       
       ## Ein kalter Winter wäre riskant
       
       „Für durchschnittliche Winter“ sei die Versorgung zwar „abgesichert“,
       schätzt der Verband der Speicherbetreiber, „bei einem außergewöhnlich
       kalten Winter steigen die Risiken jedoch erheblich.“
       
       Währenddessen gibt sich das Bundeswirtschaftsministerium unbeeindruckt. Ein
       Grund: Die Speicher sind nur eine Option, um ausreichend Gas zur Verfügung
       zu stellen. Hinzu kommen die permanenten Lieferungen durch Pipelines etwa
       aus Norwegen und den Niederlanden. Zusätzlich sind mittlerweile [4][vier
       Importterminals für verflüssigtes Erdgas] an den Küsten von Nord- und
       Ostsee in Betrieb, eine fünfte Anlandestation eröffnet in Kürze.
       
       „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil und die Versorgungssicherheit
       gewährleistet“, schreibt eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.
       „Aktuell ist auf dem Weltmarkt ausreichend Gas verfügbar, und es sind
       ausreichend Importmöglichkeiten vorhanden“, erklärt auch die
       Bundesnetzagentur.
       
       ## Wer kontrolliert?
       
       Sind die Sorgen also unangebracht? Michael Kellner sieht das nicht so. Der
       grüne Energieexperte und ehemalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium
       schlägt vor, eine „Lieferantenverpflichtung“ einzuführen. „Große Gashändler
       wie Sefe oder Uniper müssten ihre Lieferzusagen für den kommenden Winter an
       hiesige Kunden beispielsweise in Teilen mit eingespeicherten Gasmengen
       unterlegen.“ Die Bundesnetzagentur solle kontrollieren, dass das auch
       wirklich passiere.
       
       Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will davon aber nichts wissen.
       Die Wintervorsorge sei die Aufgabe der Unternehmen und Händler. „Eine
       staatliche Befüllung der Speicher würde den Gasmarkt zusätzlich verknappen
       und Preise weiter in die Höhe treiben“, schreibt die Sprecherin.
       Andererseits könnte aber auch genau diese Strategie des Abwartens zu hohen
       Gaspreisen im Winter führen. Wenn die zu geringen Vorräte dann zur Neige
       gehen, müssten die Unternehmen eventuell schnell und teuer nachkaufen. So
       oder so hängt Deutschland an der Preisentwicklung des Weltmarktes und an
       Entscheidungen im Krieg, die woanders getroffen werden.
       
       17 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/energiekonzern-uniper-setzt-auf-rechenzentren-optimistischer-fuer-2026-ce7859dadf80f725
 (DIR) [2] https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/start.html
 (DIR) [3] /USA-und-Iran-im-Krieg/!6204452
 (DIR) [4] /Konferenz-zu-Energiesicherheit/!6180176
       
       ## AUTOREN
       
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