# taz.de -- Viele Stellen unbesetzt: Hamburg verschenkt Steuereinnahmen
> Die Hamburger Steuerbehörden tun sich schwer, ihre offenen Stellen zu
> besetzen. So bleibt manche Steuererklärung ungeprüft, die geprüft werden
> sollte.
(IMG) Bild: Hier geht’s ums Geld: Hamburger Finanzbehörde
In der Hamburger Finanzverwaltung ist ein großer Teil der Stellen nicht
besetzt. Das hat mit den besonderen Anforderungen und sinkenden
Bewerberzahlen zu tun. Doch der Personalmangel erhöht die Belastung der
Belegschaft. Die Linke befürchtet, dass der Fiskus deshalb so manchen Euro
liegen lässt. Zum Jahresende 2025 verjährten 263 Millionen Euro an
Steuerforderungen, wie eine parlamentarische Anfrage des
Bürgerschaftsabgeordneten David Stoop (Linke) ergab.
Auffällig sei dabei, dass der Großteil der Verjährungen auf die
Umsatzsteuer, die Gewerbesteuer oder die Körperschaftssteuer entfalle,
stellt Stoop fest. Bei der Lohnsteuer verjährte ein viel geringerer Betrag.
„Während die Lohnabhängigen also brav ihre Steuern entrichten, sind es also
vor allem Unternehmen, deren Steuerschulden erlassen oder ausgesetzt
werden“, kritisiert der Abgeordnete.
Stoop leitet das etwas kurzschlüssig ab aus den Zahlenverhältnissen einer
Tabelle, in der aufgeführt ist, welche Forderungen bei unterschiedlichen
Steuerarten erlassen oder „niedergeschlagen“ wurden.
Hier rangierten die drei Unternehmenssteuern – Umsatzsteuer, Gewerbesteuer,
Körperschaftssteuer – im ersten Halbjahr 2026 mit 118 Millionen Euro
deutlich vor der Lohnsteuer mit rund 5.000 Euro und der Einkommensteuer mit
41.000 Euro. Allerdings geht es bei dem Vergleich um Beträge und nicht um
Fälle. Und die Beträge sind bei den Unternehmen in der Regel viel größer
als bei Privatleuten.
## Verjährung von Steuerforderungen eher selten
[1][„Niedergeschlagen“ werden Steuerforderungen], wenn vorerst keine
Aussicht darauf besteht, sie einzutreiben. Niederschlagung bedeute nicht,
dass die Vollstreckung eingestellt werde, sagt Thomas Kuffer, der Hamburger
Landesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, der
Interessenvertretung der Finanzbehördenmitarbeiter. Vielmehr signalisiere
die Steuerverwaltung dem Finanzsenator damit: „Mit diesem Geld kannst du
nicht rechnen.“
Dass Steuerforderungen verjährten, geschehe eher selten. „Die Finanzämter
bekommen einmal im Jahr eine Liste der Fälle, die in diesem Jahr verjähren
würden“, sagt er. Schon mit einer Mahnung könne das Finanzamt die
Verjährung unterbrechen. Endgültig verzichtet wird dann auf Forderungen,
bei denen es aussichtslos scheint, sie jemals einzutreiben, oder wenn der
Aufwand dafür unverhältnismäßig wäre.
Der Abgeordnete Stoop kritisiert, dass die Niederschlagungen in der großen
Mehrzahl der Fälle nur pauschal begründet werde – durch eine
Kurzbegründung. Das hatte der Rechnungshof schon in seinem Bericht 2024
gerügt, weil eine Kurzbegründung keine näheren Angaben nötig mache. Die
Behörde begründe das damit, dass es sich häufig um Minibeträge von bis zu
100 Euro handele, kritisierte der Rechnungshof. Oft handele es sich aber um
höhere Beträge.
Stoop insinuiert auch einen Zusammenhang zwischen den Steuerrückständen von
1,23 Milliarden Euro zum 30. Juni und unbesetzten Stellen. Fast 250 Stellen
in der Finanzverwaltung seien zu diesem Stichtag nicht besetzt gewesen.
[2][Allein bei der Betriebsprüfung] seien knapp 24 Prozent der Stellen frei
gewesen. „Das hat dramatische Auswirkungen auf die Prüfleistung der Ämter“,
sagt Stoop. Nur neun Prozent der großen und vier Prozent der mittleren
Unternehmen seien geprüft worden.
Überdies sei weniger als ein Prozent Personen mit besonders hohem
Individualeinkommen geprüft worden. Hier weist die Behörde allerdings
darauf hin, dass es in der Regel schon ausreiche, wenn der Innendienst die
Steuererklärungen überprüfe.
Kuffer von der Deutschen Steuergewerkschaft sieht keinen Zusammenhang
zwischen den unbesetzten Stellen und ausstehenden Steuern. Ein großer Teil
der Steuerforderungen sei gar nicht vollstreckbar, wenn etwa
Steuerschuldner das Erlassen von Steuerschulden beantragt oder
Rechtsschutzverfahren angestrengt hätten. Aber auch bei vollstreckbaren
Forderungen könne sich der Vollzug hinziehen, etwa wenn Amtshilfeersuchen
an andere Länder nötig würden oder ein Haus versteigert werden müsse.
Die Unterbesetzung ist aus Kuffers Sicht eher deshalb ein Problem, weil
mehr Arbeit auf den Tischen seiner Kollegen landet. Dabei habe die
Steuerverwaltung mit der Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge zu
kämpfen und zugleich damit, dass es nicht leicht sei, die Stellen
nachzubesetzen. Die bundesgesetzlichen Anforderungen an Steuerbeamte seien
hoch, die Beschäftigten stark an ihr Bundesland gebunden.
„Wir bilden schon bis zum Anschlag aus“, sagt Kuffer. Allerdings brächen
viele Leute die Ausbildung ab oder scheiterten an der Prüfung. Und
diejenigen, die sie abschlössen, seien für den Arbeitsmarkt so attraktiv,
dass sie gern abgeworben werden. Und ein Quereinstieg sei schwierig, weil
es sich um hoheitliche Aufgaben handele, so Kuffer. Nur bei Stellen, die
nicht mit der Steuererhebung, sondern mit der Organisation der
Steuerverwaltung zu tun haben, kann der Bewerberkreis weiter gezogen
werden.
38 Stellen hatte die Finanzverwaltung am 30. Juni ausgeschrieben. Aus Sicht
der Beamtengewerkschaft Komba könnten das auch mehr sein. „Wir führen dazu
regelmäßig Gespräche mit dem Senat, aber da ist kein Rankommen, weil die
Sparkeule geschwungen wird“, sagt Landesgeschäftsführer Andy Metzlaff.
[3][Um zu sparen], lasse der Senat jede frei werdende Stelle ein halbes
Jahr unbesetzt.
Die [4][Finanzbehörde] weist darauf hin, dass sie im Durchschnitt der Jahre
2022 bis 2025 von 42 Millionen Euro geforderten Steuern 40 Millionen
eingetrieben habe, also gut 95 Prozent. Die Höhe der Rückstände hänge von
der Konjunktur, der Zahlungsdisziplin und der wirtschaftlichen Lage der
Steuerpflichtigen ab.
„Gerade in konjunkturell herausfordernden Zeiten stellt die vollständige
Erfüllung dieser Forderungen die Unternehmen und die Bürger vor große
Herausforderungen“, schreibt die Finanzbehörde. Das gelte wegen der vielen
Anträge auf Stundungen und Erlasse, die den Steuerschuldnern das
wirtschaftliche Überleben sichern sollen, auch für die Steuerverwaltung.
20 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__261.html
(DIR) [2] /Hamburger-Cum-Ex-Affaere/!5972926
(DIR) [3] /Ende-der-Warnstreiks/!6154721
(DIR) [4] /Forscher-ueber-Finanzbehoerde-im-NS/!5996275
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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