# taz.de -- Wissen über die Meerestiere: Walforschung zieht ins Binnenland
> Das Institut für Aquatische Wildtierforschung in Büsum wird nach Hannover
> verlegt. Dabei ist der Standort an der Küste ideal, wie Wal Timmy zeigte.
(IMG) Bild: Wal Timmy vor dem Timmendorfer Strand: Beim nächsten Wal vor der Ostseeküste müssen die Expert:innen aus Hannover anreisen
Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW)
liegt in Büsum direkt am Hafen. Am Eingang des roten, zweistöckigen
Ziegelgebäudes hängt die schwarz-weiße Silhouette eines springenden Wals,
denn um Wale und andere Meeressäuger kümmert sich das Institut als
Außenstelle der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Doch im kommenden
Frühjahr wird der Standort in der Nordseegemeinde im Kreis Dithmarschen in
Schleswig-Holstein geschlossen. Verschwinden damit auch Angebote und Wissen
über die Meerestiere?
Die Mitarbeiter:innen untersuchen hier etwa, wie es um die Gesundheit
der [1][Schweinswale in Nord- und Ostsee] steht oder entwickeln Maßnahmen
rund um die [2][sogenannte Robben-Exklusionszone an der Helgoländer Düne].
Wenn es um das Verhalten von Meerestieren geht, werden die Expert:innen
des ITAW gern angefragt, zuletzt im Fall [3][der Timmy genannten
Buckelwalkuh]. Privatleute, die Wale oder Robben sichten, können sich auch
melden, die Daten gehen ins Monitoring der Meeressäuger ein.
Angesichts dieser Themen und Forschungen ist der Standort an der Küste
ideal. Doch im Frühjahr 2027 wird das ITAW wohl Büsum verlassen. Mehr als
40 Personen zählt die Website des Instituts auf, darunter viele
wissenschaftliche und technische Mitarbeiter:innen. Aktuell liefen
Gespräche mit allen, um „im Sinne der Beschäftigten und der Projekte den
jeweils besten Weg zu finden“, sagt Sonja von Brethorst, Sprecherin der
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, der taz. In vielen Fällen ist
noch unklar, wie es weitergeht. Generell aber gelte: „Das Institut für
Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung bleibt weiter bestehen und
wird auch weiterhin aquatische Fragestellungen bearbeiten.“
Die Entscheidung, Büsum zu schließen, fiel erst vor wenigen Wochen. Laut
der Sprecherin liegen die Gründe in der Geschichte des Instituts und der
beruflichen Neuorientierung seiner langjährigen Leiterin Ursula Siebert.
Die Walforscherin und Fachärztin für Wildtiere setzte sich dafür ein, das
Institut für Wildtierforschung in Hannover, das seit 1980 zur
Tierärztlichen Hochschule (TiHo) gehört, um eine Abteilung für
Meeresbiologie zu erweitern. Diese wurde 2011 in Büsum in den Räumen des
früheren Forschungs- und Technologiezentrums Westküste eingerichtet.
Siebert wechselte damals von der Kieler Universität, an der sie als
Professorin tätig war, an das neue ITAW und [4][leitete seither das
Institut in Büsum]. Nun aber geht die mehrfach ausgezeichnete
Wissenschaftlerin nach Berlin an die Freie Universität.
## Aufwertung des Standortes Büsum war im Gespräch
Das ITAW habe sich bemüht, Siebert zu halten, sagt die Sprecherin. Im Zuge
der Verhandlungen habe die Tierärztliche Hochschule „weitere Investitionen
für Büsum zugesagt“ – es war also sogar eine Aufwertung des Standorts im
Gespräch. Aber am Ende folgte Ursula Siebert dem Ruf nach Berlin. Für die
Hochschule habe sich damit „eine neue Faktenlage ergeben“, sagt von
Brethorst. Denn die versprochenen Investitionen seien an Sieberts „Person
und ihr wissenschaftliches Wirken geknüpft“ gewesen.
Nach dem Ausscheiden der Leiterin Anfang Juli entschied sich die
Hochschule, den Mietvertrag für das Gebäude am Büsumer Hafen zu kündigen:
Damit steht jetzt statt einer Aufstockung die Schließung an. Noch bis
Frühjahr 2027 bleibt die Forschungseinrichtung in Dithmarschen. Wie es dann
genau weitergeht, ist unklar.
## Wildtierforschung nimmt keine neuen Studien an
Die laufenden Projekte prüfe die Tierärztliche Hochschule zurzeit und
kläre, wer jeweils die Projektleitung übernehmen werde, sagt von Brethorst.
Neue Angebote für Studien und Abschlussarbeiten macht das ITAW „zurzeit
leider nicht“, heißt es auf der Homepage des Instituts.
Andere Dinge liefen wie gewohnt weiter, sagt die Sprecherin. Das betreffe
etwa Schulprojekte, bei denen Kinder und Jugendliche mehr über die Meere
und ihre Tierwelt erfahren. Auch die [5][Sichtungen von Robben und Walen]
nehme das ITAW weiter an und arbeitet dabei mit [6][anderen
Forschungseinrichtungen] zusammen. Und die Untersuchungen verendeter
Meeressäuger sei auch in Hannover möglich, schon heute werden solche Proben
nach Niedersachsen geschickt. In Zukunft „wird der Standort Hannover das
Zentrum der Tätigkeiten des Instituts bilden“, sagt die Sprecherin.
19 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Walschutz-ganz-praktisch/!6174685
(DIR) [2] https://www.tiho-hannover.de/itaw/forschung/projekte-aquatisch/aktuelle-projekte/managementmassnahmen-zur-schaffung-einer-robben-exklusionszone-im-schwimmbereich-der-helgolaender-duene
(DIR) [3] /Timmy-und-die-SPD-Mecklenburg-Vorpommern/!6204329
(DIR) [4] /Timmy-und-die-SPD-Mecklenburg-Vorpommern/!6204329
(DIR) [5] /Aufgepaeppelte-Kegelrobben/!6181576
(DIR) [6] http://www.tiho-hannover.de/itaw/uebers-itaw/schweinswalsichtung
## AUTOREN
(DIR) Esther Geißlinger
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