# taz.de -- Abwehr von Drohnen: Chaos bei Zuständigkeit bleibt
       
       > Bundesinnenminister Dobrindt (CSU) eröffnet gut gelaunt ein
       > Drohnenforschungszentrum in Cochstedt, Sachsen-Anhalt. Dabei gäbe es eher
       > Anlass zu Demut.
       
 (IMG) Bild: Alexander Dobrindt bei der Eröffnung des neuen Technologiezentrums für Drohnensicherheit
       
       Warum genau Alexander Dobrindt am Dienstag so gut gelaunt war, bleibt wohl
       sein Geheimnis. Bei der Eröffnung des neuen Drohnenforschungszentrums
       Cochstedt nahe Magdeburg, sprach der CSU-Bundesinnenminister von „einer
       wunderbaren Veranstaltung“, einem „großen Tag“ und einem „Highlight unserer
       Sicherheitsarchitektur“.
       
       Eigentlich bietet der [1][Zustand der deutschen Drohnenabwehr] eher Anlass
       für Depressionen – oder zumindest Demut. Vor rund zwei Wochen scheiterte
       ein Drohnenangriff auf ein ukrainisches Frachtflugzeug am Flughafen
       Leipzig/Halle [2][wohl nur durch Glück.] Ein defekter Zünder am
       Sprengstoff, mit dem die Drohne bestückt war, verhinderte offenbar eine
       Katastrophe.
       
       Peinlich für die deutschen Behörden: Die Drohne war zuvor wohl stundenlang
       unentdeckt auf dem Flughafengelände umhermanövriert und wurde nach dem
       gescheiterten Sprengversuch nur zufällig von einem Busfahrer entdeckt.
       
       In einer ersten Reaktion nach dem Vorfall hatte Dobrindt angekündigt, die
       erst seit wenigen Monaten bestehende Antidrohneneinheit der Bundespolizei
       von rund 130 auf 300 Beamt*innen aufzustocken. Sie soll an bundesweit 8
       Orten stationiert werden, um schnell auf Vorfälle reagieren zu können.
       Ausgerüstete sind die Polizist*innen dafür etwa mit Netzwerfern,
       Verfolgerdrohnen und elektronischen Störgeräten.
       
       ## Grundproblem Verantwortungsdiffusion
       
       Nun kommt das Drohnenforschungszentrum dazu, das allerdings schon länger
       geplant war. Auch wenn die am Dienstag ebenfalls angereiste
       Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) betonte, Drohnen seien nicht
       nur Gefahr, sondern auch Chance, etwa bei der Unterstützung der Feuerwehr,
       liegt der Fokus des Forschungszentrums offensichtlich auf der Bekämpfung
       von Gefahren. Angesiedelt auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft
       und Raumfahrt sollen neue Wege gefunden werden, Drohnen möglichst schnell,
       effizient und sicher vom Himmel zu holen. Deren Technik entwickelt sich
       rasant weiter, sodass gerade noch bewährte Abwehrmethoden schnell ihre
       Wirkung verlieren können.
       
       Von wem genau die Gefahr ausgeht, ließ Dobrindt am Dienstag aber einmal
       mehr offen und sprach nur von „hybrider Bedrohung“ und von „fremden
       Mächten“, wie er es schon unmittelbar nach dem Vorfall in Leipzig getan
       hatte. Dafür hatte es harte Kritik gegeben, teils auch von anderen
       Unionspolitikern. Expert*innen und auch die US-Geheimdienste machen
       Russland für den Angriffversuch verantwortlich – genauso wie für zahlreiche
       andere Drohnen- und Sabotagevorfälle europaweit.
       
       Am Kernproblem der deutschen Drohnenabwehr aber dürften weder die
       aufgestockte Sondereinheit der Bundespolizei noch das neue
       Forschungszentrum etwas ändern. Denn das grundsätzliche Zuständigkeitschaos
       bleibt. Nach aktueller Gesetzeslage sind es zunächst die Polizeibehörden
       der Länder, die Drohnen bekämpfen sollen. Über Bahnhöfen und Flughäfen
       übernimmt aber die Bundespolizei, wobei auch noch andere Institutionen
       mitmischen, etwa die deutsche Flugsicherung. Und über Militäreinrichtungen
       sind wiederum die Soldaten der Bundeswehr zuständig.
       
       ## Bündelung bei Bundespolizei gefordert
       
       Zuletzt hatten Unionspolitiker sogar gefordert, auch die Betreiber von
       kritischen Einrichtungen wie Kraftwerken könnten dort selbst für die
       Drohnenabwehr zuständig gemacht werden. Umgekehrt schlug der
       CDU-Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Daniel Günther, vor, die
       Bundeswehr [3][auch außerhalb der Kasernen damit zu beauftragen.] Für einen
       solchen Großeinsatz der Bundeswehr im Inland wäre allerdings eine
       Zweidrittelmehrheit im Bundestag nötig, was derzeit praktisch
       ausgeschlossen scheint.
       
       Um das Zuständigkeitschaos zu beenden, fordern die Grünen – und viele
       Expert*innen – schon seit Längerem die Drohnenabwehr bei der
       Bundespolizei zu bündeln. Vor so einem Schritt scheint Dobrindt bislang
       aber zurückzuschrecken, wohl auch weil dies eine Einschränkung der
       Länderkompetenzen bedeuteten würde, die in den Landeshauptstädten schwierig
       durchzusetzen wäre.
       
       18 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Attacke-auf-den-Flughafen-Leipzig/!6200828
 (DIR) [2] /Drohnenvorfall-am-Leipziger-Flughafen/!6196980
 (DIR) [3] /Drohnenabwehr-nach-Leipzig-Politik-versinkt-im-Chaos/!6203171
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frederik Eikmanns
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Drohnen
 (DIR) Innere Sicherheit
 (DIR) Alexander Dobrindt
 (DIR) GNS
 (DIR) Russland
 (DIR) Podcast „Bundestalk“
 (DIR) Drohnen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Attacke auf den Flughafen Leipzig: Ein Drohnenangriff – und nun?
       
       Nach dem Drohnenvorfall in Leipzig lässt die Regierung offen, ob Russland
       dahinter steckt. Sie liefert aber ein Argument für ihre Geheimdienstreform.
       
 (DIR) Hybride Angriffe: Drohnen, Spione, Aufrüstung – wie sicher ist Deutschland?
       
       Nach dem Drohnenvorfall in Leipzig kocht die Sicherheitsdebatte hoch. Wie
       steht Deutschland da und ist die Neugestaltung der Geheimdienste eine gute
       Idee?
       
 (DIR) Hybride Angriffe in Deutschland: Hunderte Drohnen über Einrichtungen der Bundeswehr
       
       Das deutsche Militär registriert fast täglich Vorfälle mit Drohnen
       unbekannter Herkunft. Auch zum Vorfall in Leipzig vor einer Woche gibt es
       neue Details.