# taz.de -- Anschläge auf Infrastruktur: Wahlkampffutter für die AfD
       
       > Von den Angriffen auf kritische Infrastruktur könnten ausgerechnet jene
       > profitieren, die gegen die Ukrainehilfe agitieren. Das ist fatal.
       
 (IMG) Bild: Eine Deutschlandfahne weht in Oschersleben vor einem Infostand der AfD zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
       
       Die Anschläge auf kritische Infrastruktur in Deutschland könnten, kurz vor
       den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, vor allem
       der AfD nützen. Das gilt besonders, solange es als möglich erscheint, dass
       Russland hinter diesen Taten steht.
       
       Die Anschläge verstärken die Angst, Deutschland werde durch seine
       Unterstützung der Ukraine in den Krieg hineingezogen. Bei dem
       [1][Anschlagsversuch auf dem Flughafen Leipzig/Halle] gegen eine
       ukrainische Frachtmaschine ist der Zusammenhang offensichtlich: Die
       Bundesregierung macht Russland dafür verantwortlich. Nicht auszuschließen
       ist aber auch, dass hinter den Sabotageversuchen an Umspannwerken in
       Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sowie an der Brandattacke auf Münchener
       Rüstungsunternehmen in der Nacht zum Donnerstag Handlanger Wladimir Putins
       stecken.
       
       Es ist entlarvend, dass die [2][AfD] den Flughafenanschlag gleich
       missbrauchte, um die deutsche Ukrainepolitik zu kritisieren. Der Vorfall
       sei eine „sachlogische Konsequenz, dass wenn wir uns an fremden Konflikten
       beteiligen, diese Konflikte irgendwann zu uns kommen“, urteilte
       Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Die Partei schürt
       regelmäßig die Angst vor einer Eskalation des Konflikts.
       
       Ihr Fazit ist kurzsichtig und unmoralisch: Die AfD lehnt, mit Ausnahme
       humanitärer Leistungen, [3][praktisch jegliche Unterstützung] für die
       angegriffene Ukraine ab. Wenn Deutschland dem folgen würde, würde es der
       russischen Aggression nachgeben. Es würde hinnehmen, dass entgegen dem
       Völkerrecht mit Gewalt Grenzen verschoben werden. Es würde weiterer Willkür
       – nicht nur Putins – Tür und Tor öffnen. Am Ende würde es weniger, nicht
       mehr Frieden geben.
       
       ## Die rechtsradikale Legende würde gestärkt
       
       Selbst wenn hinter Anschlägen im Wahlkampf nicht Russland, sondern
       Linksextremisten stecken sollten, kann die AfD davon profitieren. Dann
       können die Rechtsradikalen die Fälle für ihre Legende nutzen, dass
       Linksextremisten die größte Gefahr für die Demokratie seien – und dass nur
       die AfD solche Straftäter scharf genug bekämpfen würde.
       
       Die liberaldemokratischen Parteien dürfen jetzt nicht vor der russischen
       Bedrohung einknicken. Stattdessen müssen sie die Wähler davon überzeugen,
       dass die [4][Unterstützung der Ukraine] wichtig ist, um den Frieden in
       Europa zu schützen, was im Interesse Deutschlands liegt. Und ein Rat vor
       allem an für CDU: Sie sollte nach Anschlägen nicht vorschnell Linke
       beschuldigen. Schon gar nicht aufgrund von Bekennerschreiben, die auch
       falsche Fährten legen könnten.
       
       4 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sprengstoff-Drohne-am-Flughafen-Leipzig/!6202512
 (DIR) [2] https://www.welt.de/regionales/sachsen-anhalt/article6a9843b53ae913be367b6e08/bsw-sachsen-anhalt-vermisst-beweise-fuer-russischen-angriff.html
 (DIR) [3] https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1140286
 (DIR) [4] /Ukrainekrieg/!6204538
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
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