# taz.de -- Debatte um die Rente mit 63: Schwarz-Rot hätte von der Ampel lernen können
> Das Heizungsgesetz floppte unter anderem, weil sensible Fragen nicht
> rechtzeitig geklärt waren. Den Fehler wiederholt die Koalition bei der
> Rente mit 63.
(IMG) Bild: Rente mit 63: Handwerkliche Fehler lassen sich nicht so einfach übertünchen
Aus Schaden kann man bekanntlich klug werden, und wer besonders clever ist,
lernt sogar aus den Fehlern der anderen. Schwarz-Rot hätte also etwas aus
dem Ärger mitnehmen können, den [1][Robert Habeck vor drei Jahren mit dem
Heizungsgesetz] hatte. Die SPD hing immerhin mit drin, und die Union
entwickelte allein vom Zuschauen eine Obsession. Ganz genau haben damals
aber beide nicht hingesehen. Sonst hätten die Koalitionsparteien jetzt
nicht solche riesigen Probleme mit der sogenannten Rente mit 63 – deren
geplante Abschaffung ihnen Aufstände in den eigenen Reihen beschert, ihnen
die Landtagswahlkämpfe vermasselt und am Ende auch noch die gesamte
Rentenreform zerschießen könnte.
Der gravierendste Angriffspunkt im Jahr 2023 beim Heizungsgesetz: Ein
Förderprogramm zur Unterstützung von Eigentümer*innen, die die
Investitionskosten für eine klimafreundliche Heizung nicht ohne Weiteres
stemmen können, hatte die Ampel zwar von Beginn an vorgesehen. Wie diese
Förderung im Detail aussieht, hat sie aber nicht früh genug ausgearbeitet.
Als der erste Gesetzentwurf an die Bild durchgestochen wurde, standen noch
keine Eckpunkte fest. Bis es so weit war, vergingen noch Wochen.
Die Leute hörten wohl, dass sie sich keine Sorgen machen sollen. Irgendeine
Unterstützung bekämen sie schon. So abstrakt reichte das aber nicht aus, um
ihnen die Ängste zu nehmen. Viel konkreter war die Vorstellung, schön blöd
dazustehen, wenn plötzlich die alte Ölheizung nicht mehr läuft. Von Habecks
Gegner*innen wurde die Fantasie in diesem Punkt kräftig angeregt.
Jetzt plant Schwarz-Rot die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente für
Versicherte, die besonders lange ins Rentensystem eingezahlt haben. Im
Kleingedruckten hat die Rentenkommission der Regierung schon im Juni eine
soziale Abfederung angekündigt. Bis die neuen Regeln greifen, sollen
Übergangsfristen gelten, und wer seinem Beruf nach 45 Beitragsjahren
gesundheitlich nicht mehr gewachsen ist, soll nicht schlechter dastehen als
heute. Wie lange diese Fristen sein sollen und welche Kriterien im Detail
für Härtefälle gelten, haben Kommission und Koalition aber bis heute
offengelassen.
Und so läuft seit zwei Monaten das Kopfkino bei Arbeitnehmer*innen, die
über 60 sind und schon lange mit ihrer Frührente planen. Oder die zwar noch
jünger sind, aber schon ahnen, dass [2][ihr Körper in den letzten
Berufsjahren nicht mehr mitmachen wird]. Gut möglich, dass sie am Ende
verschont werden. Aber solange diese Botschaft abstrakt formuliert ist,
können die Betroffenen sie nicht hören – oder nicht glauben.
Heißt also: Bei [3][Einschnitten mit Panikpotenzial] reicht es nicht aus,
die soziale Abfederung auf die To-do-Liste für die Zeit nach den
Sommerferien zu setzen. Regierungen müssen sie bei solchen Vorhaben schon
zu Beginn des Verfahrens im Detail ausarbeiten. Das ist natürlich
kompliziert. Aber wir sehen gerade zum zweiten Mal: Wer es nicht macht, hat
es zum Ende hin auch nicht leichter.
30 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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