# taz.de -- Klimawandel und Musikfestivals: Der Klang der Wälder ist verstummt
       
       > Brände im Hohen Venn, Starkregen in Wacken: Der Klimawandel wirkt sich
       > auf Musikfestivals aus. Vor allem kleinere Veranstalter sind
       > wirtschaftlich bedroht.
       
 (IMG) Bild: Wo das Meakusma-Festival einst Soundwalks im Wald anbot, wächst heute kein Gras mehr: Waldbrand im Hohen Venn
       
       Im Herbst 2019 wurde das Album „The Memory Room“ bei dem kleinen belgischen
       Indie-Label Meakusma veröffentlicht. Musik ist in den etwas mehr als 45
       Minuten aber kaum zu hören. Stattdessen bläst der Wind, es zwitschern Vögel
       und Wasser tropft. Es handelt sich um Naturaufnahmen. Entstanden sind sie
       während eines Workshops, der der Klangwelt des Naturschutzgebiets Hohes
       Venn an der belgisch-deutschen Grenze gewidmet war.
       
       Nun hat der Albumtitel eine ganz neue Bedeutung erhalten: Denn das auf dem
       Album dokumentierte Klangpanorama der Natur gibt es so nicht mehr.
       [1][Mitte August brannten mindestens 3.200 Hektar der Wälder und Moore im
       Hohen Venn ab]. Ihre Regeneration könnte Jahrzehnte dauern.
       
       Eupen liegt nur wenige Kilometer nördlich des von einem gigantischen
       Waldbrand verheerten Naturschutzgebiets auf der ostbelgischen Seite der
       Grenze. Vielen Musikfans ist das deutschsprachige Städtchen als beliebtes
       Reiseziel bekannt.
       
       ## Meakusma in Eupen
       
       [2][Seit 2016 veranstaltet das Label Meakusma in Eupen ein gleichnamiges
       Festival], das von avancierter Clubmusik bis hin zu zeitgenössischer
       Komposition viel zum Entdecken bietet – darunter auch Soundwalks, bei denen
       Besucher:innen den Hirschen im Hohen Venn beim Röhren zuhören konnten.
       
       Die nächste Ausgabe am kommenden Wochenende kann wohl trotzdem stattfinden,
       versichert Mitveranstalter Michael Kreitz. „Der Wind hat den Rauch
       insgesamt nur an einem Tag direkt bis nach Eupen geweht.“
       
       Doch wird das bisher ungewisse Ausmaß des Großbrands die Region noch lange
       beschäftigen. Bereits 2021 wurde Eupen im Zuge der Ahrtal-Flutkatastrophe
       überschwemmt, Häuser fielen dem Hochwasser zum Opfer. Das sich auf diverse
       Veranstaltungsorte in der Innenstadt verteilende Festival musste damals
       abgesagt werden. Es wurde damit zu einem Symbol dafür, wie Festivals
       verstärkt mit extremen Wetterbedingungen und aus der menschengemachten
       Klimakrise resultierenden Naturkatastrophen zu kämpfen haben.
       
       ## Heavy-Metal-Festival in Wacken
       
       Das Heavy-Metal-Festival im schleswig-holsteinischen Wacken konnte 2025
       wegen Starkregens nur eingeschränkt stattfinden. Und das Elektronikfestival
       Fusion in Mecklenburg-Vorpommern war dieses Jahr während einer Hitzewelle
       [3][mit Temperaturen] um 40 Grad [4][von einem Brand in nächster Nähe]
       bedroht.
       
       Diese Fälle sind Teil eines allgemeinen Trends, bestätigt Festivalreferent
       Simon Knop Jacobsen vom Verein ImPuls Brandenburg. Eine bundesweite
       Erfassung von Festivalabsagen im Zusammenhang mit extremen
       Wetterbedingungen gebe es zwar nicht. „Es häufen sich aber in den
       vergangenen Jahren dokumentierte Fälle, in denen Festivals aufgrund hoher
       Temperaturen oder anderer extremer Wetterlagen abgesagt, verkürzt oder
       unterbrochen werden mussten.“
       
       Vor allem Hitze, Trockenheit und die damit verbundene Waldbrandgefahr
       würden Veranstalter:innen beeinträchtigen, auch Unwetter können
       gefährlich werden – ob in gesundheitlicher Hinsicht für das Publikum oder
       in wirtschaftlicher für die Festivals.
       
       ## Hitze und Trockenheit birgt Waldbrandgefahr
       
       „Mit zunehmenden Wetterextremen wächst eine strukturelle Unsicherheit für
       die Festivalszene“, erklärt Knop Jacobsen. „Investitionen und Risiken sind
       immer schwerer zu kalkulieren, während gleichzeitig die finanziellen Folgen
       einer kurzfristigen Absage kaum abzufedern sind.“ Die Anpassung von
       Sicherheits- und Infrastrukturkonzepten sowie auch die medizinische
       Versorgung sorge für zunehmende Vorabkosten; zugleich klettern
       Versicherungsprämien in die Höhe. Insbesondere für kleine und mittelgroße
       Festivals sei das kaum mehr tragbar.
       
       Es ließe sich fragen, inwiefern Festivals nicht auch Teil des Problems
       sind. Im Stadtgebiet veranstaltete Festivals wie das Meakusma, das von Köln
       und Brüssel recht bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist,
       mögen einen vergleichsweise kleinen ökologischen Fußabdruck haben. Anders
       sieht das im Fall von Wald-und-Wiesen-Festivals aus, die nur per Auto zu
       erreichen sind, deren Präsenz in hoch entzündlichen Waldgebieten ein akutes
       Risiko in sich birgt, oder die sogar über finanzkapitalistische
       Verflechtungen mit der fossilen Energieindustrie zusammenhängen.
       
       Als Wacken im Schlamm versank, schien das von zynischer Symbolik. Im Jahr
       2020 war das Metal-Festival von dem Großveranstalter Superstruct
       Entertainment aufgekauft worden, der heute zusammen mit drei weiteren
       Unternehmen große Teile der europäischen Festivallandschaft unter sich
       aufteilt.
       
       Superstruct selbst wurde im Sommer 2024 von der international agierenden
       Investmentfirma KKR aufgekauft, zu deren Portfolio insgesamt 17
       Fossilunternehmen zählen sollen. Die Initiative Private Equity Climate
       Risks schätzte deren CO2-Ausstoß auf 93 Millionen Tonnen pro Jahr. Dagegen
       fallen ein paar VW-Bullys bei Wacken nicht ins Gewicht.
       
       ## Festivals haben auch positive Rolle
       
       Simon Knop Jacobsen hebt die potenziell positive Rolle von Festivals in der
       Klimakrise hervor: „Kultur- und Naturschutz sollten stärker gemeinsam
       gedacht werden“, sagt er. Statt strengerer behördlicher Auflagen wünscht er
       sich mehr Kooperation. „Festivals können Teil der Lösung sein: Durch gute
       Organisation, verantwortungsvolle Flächennutzung und ein starkes
       Vermittlungspotenzial erreichen sie breite Zielgruppen und können für einen
       verantwortungsvollen Umgang mit der Natur sensibilisieren.“
       
       Er verweist auf eine 2025 von der Bundesstiftung Livekultur veröffentlichte
       Studie, laut der über die Hälfte der Festivals über Strategien für
       ökologische Nachhaltigkeit verfügten.
       
       Deren Umsetzung ist allerdings teuer, und die bürokratischen Hürden bleiben
       groß. Während sich die diesjährige Open-Air-Saison dem Ende zuneigt, bleibt
       die Zukunft ungewiss. Klar ist derzeit nur, dass das Meakusma-Festival so
       schnell keine Soundwalks im Hohen Venn mehr veranstalten wird.
       
       29 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Kristoffer Cornils
       
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