# taz.de -- Social Freezing, Arbeit, Rassismus: Fresse auf gegen Menschenfeindlichkeit
       
       > Der Nachrichtendienst darf heimlich in Wohnungen, die Schwarze Community
       > wegen Sicherheitsbedenken nicht ins Volksbad und der ESC hat neue Regeln.
       
 (IMG) Bild: Vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz hängt an einem temporären Schwimmbad ein Transparent mit der Aufschrift „Fickt euch!“
       
       taz: Frau Irmschler, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Paula Irmschler: Es hat immer noch nicht geregnet! Oder hat es irgendwo
       geregnet? Weiß jemand was? Und hat dieser jemand noch ein Zimmer frei?
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Irmschler: Es soll vielleicht regnen … Weezer bringen ein neues Album raus.
       Aldi Nord hat die Apfelecke für 69 Cent im Angebot. Is nich viel.
       
       taz: Der Nachrichtendienst wird zum Geheimdienst umfunktioniert und darf
       dann zum Beispiel heimlich in Wohnungen eindringen. Womit muss man rechnen? 
       
       Irmschler: Mit Übergriffen, Missbrauch, Gewalt, Lebensgefahr. Wenn sie
       unsere Daten erst mal haben, werden sie sie ja nicht wieder loslassen,
       dafür lieben sie sie viel zu sehr. Rechte Regierungen und Konzerne können
       sie sich dann jederzeit schnappen, um alles Mögliche damit anzustellen, was
       ihnen nützt. Das Ganze findet nämlich auch noch mit „Hilfe“ von KI statt.
       Lassen wir uns aber nicht gefallen, oder?
       
       taz: Die Hitze des Sommers macht zu schaffen und begünstigt Depressionen.
       Ist „Summertime Sadness“ von Lana del Rey eine Prophezeiung? 
       
       Irmschler: Ich bin eher Anhängerin vom „Cruel Summer“ (Bananarama): „Hot
       summer streets and the pavements are burning, I sit around, trying to
       smile, but the air is so heavy and dry“ … Die 80er! Kann man sich heute gar
       nicht mehr vorstellen.
       
       taz: Die Gen Z arbeitet immer mehr. 77 Prozent der jungen Erwachsenen sind
       erwerbstätig. Der feuchte Traum des Kanzlers? 
       
       Irmschler: Jetzt denke ich darüber nach, was den Kanzler eigentlich feucht
       träumen lässt, na vielen Dank auch. Irgendwie sehe ich da sowas
       David-Lynch-mäßiges (hab mal paar Folgen „Twin Peaks“ gesehen, daher mache
       ich hier mal auf Cineasten-Typ) … ein Raum, ein Tisch, ein Stapel Blätter,
       viele Stempel, alles ist symmetrisch, aber im Hintergrund läuft total
       schiefe Geigenmusik, Uhren ticken, ein Stift tippelt, die Luft wird immer
       wieder magnetisch vom Rand des Raumes weggezogen, man bekommt das Gefühl,
       man müsse los, irgendwas erledigen, aber es ist nicht so richtig klar, was.
       Nur eines ist gewiss: Investitionen müssen getätigt werden. Junge Leute
       sehe ich eigentlich gar nicht.
       
       taz: Die linke US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez friert ihre Eier ein
       und teilt den Journey auf Instagram. Warum interessiert das so viele? 
       
       Irmschler: Oha, so erfahre ich das. Interessiert das wirklich sooo viele?
       Also wirklich, wirklich? Oder belohnen Instagram-Algorithmen nur sehr doll,
       was Frauen über ihre Körper teilen, weil man das verkaufen kann? Aber ich
       stelle ja hier nicht die Fragen. Reproduktion ist natürlich ein wichtiges
       Thema, wegen Zukunft, Existenzängsten und Gesundheit. Eier einfrieren muss
       man sich aber leisten können. Denjenigen, die es können, gibt es
       wahrscheinlich ein Sicherheitsgefühl.
       
       taz: Die Berliner Volksbühne baut ein kostenloses Schwimmbecken auf und
       reserviert es für einen Nachmittag für einen Verein der Schwarzen
       Community. „Diskriminierung gegen Weiße“, blöken rechte Hetzer:innen
       medial. Schließlich muss die Veranstaltung wegen Gewaltandrohung gegen den
       Verein abgesagt werden. Was zeigt das? 
       
       Irmschler: Stell dir vor, die Rechten machen Kulturkampf und keiner geht
       hin, weil alle mit ihrem Kreislauf kämpfen, sich um die nächste Miete
       sorgen und auf die Bahn warten. Dann wird einem aber von irgendwelchen
       CDU-Hanseln und nochmal kühl aufgegossen von AfD und anderen
       Rechtsradikalen damit so lang unter der Nase rumgewedelt, bis man eine
       Position dazu haben muss, weil sie irgendwann zu Gewaltandrohungen
       übergehen. Schuld ist Berlin! Sie sollen dort jetzt sofort hundert
       Schwimmbäder bauen. Und schon wieder denke ich an ein Songzitat: „Scheint
       die Sonne auch für Nazis? Wenn’s nach mir geht, tut sie’s nicht – ich will
       'nen Sommer nur für mich!“ Die Ärzte aus Berlin.
       
       taz: Bei der Leichtathletik-WM prangert Läuferin Smilla Kolbe den Rassismus
       von deutschen Fans gegen ihre Kolleginnen an. Was können wir von ihr
       lernen? 
       
       Irmschler: Immer gut, wenn Leute die Fresse aufmachen, wenn
       Menschenfeindliches passiert. Aber kann es überhaupt Wettbewerbe geben, die
       davon frei sind, wenn sie auf nationaler Ebene geführt werden und sie so
       dermaßen auf Optimierung beruhen? Frag ich schon mal vor – wegen der
       folgenden Frage.
       
       taz: Der Eurovision Song Contest hat eine neue Regel: Länder im Krieg
       dürfen das Event nicht hosten. Anlass dafür gab vermutlich die Teilnahme
       Israels. Zum zweiten Mal in Folge verfehlte es knapp den Sieg. Ausrichten
       dürfte Israel den Wettbewerb mit der neuen Regel aber sowieso nicht. Ist
       das fair? 
       
       Irmschler: Ja, aber nein, aber ja. Es sollte keine Kriege geben und keine
       Nationen und diese ganzen korrupten Scheißwettbewerbe nicht mehr, die je
       danach, was sich gerade mehr lohnt, auf unpolitisch und dann wieder
       politisch machen. „In einer Welt ohne Nationen und Wettbewerbe leben wir
       aber nicht“, sagt jetzt wieder irgendein Typ, der in solchen Momenten immer
       aus irgendeiner Hecke auftaucht. Noch nicht, ja, nicht mehr. Natürlich
       sollten alle möglichen Risiken für Menschen minimiert werden und keine
       rechte Regierung, die in diesen Wettbewerben nun mal mit drinhängt, von
       Kultur profitieren.
       
       Fragen: Clara Dünkler
       
       16 Aug 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Paula Irmschler
       
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