# taz.de -- Siedlergewalt im Westjordanland: Die Belagerung geht weiter
       
       > Die Odyssee dreier palästinensischer Familien im Dorf Qusra geht weiter.
       > Am Donnerstag evakuierte das israelische Militär mehrere Familien – statt
       > der Siedler.
       
 (IMG) Bild: Israelische Soldaten weisen Aktivisten zurück, die die palästinensischen Familien mit Lebensmittel- und Wasservorräten versorgen wollen
       
       Seit sechs Tagen belagern radikale Siedler den Wohnkomplex mehrerer
       palästinensischer Familien außerhalb des Dorfes Qusra im Westjordanland.
       Als die taz am Mittwoch vor Ort war, hockte gut ein Dutzend junger
       israelischer Männer noch vor den Häusern. Sie trieben sogar ihre Schafe vor
       die Hausmauern der palästinensischen Familie.
       
       Israelische Streitkräfte, die einen Räumungsbefehl erteilt hatten und
       wenige Stunden zuvor mit den Siedlern aneinandergeraten waren, [1][kamen in
       Militärfahrzeugen an, sprachen mit den Männern in Hoodies und Kippot – und
       zogen dann ab]. Wir Journalist:innen wurden von den Streitkräften
       abgewiesen, während sich wenige hundert Meter weiter Siedler frei bewegten.
       
       Am Donnerstag meldeten dann mehrere Einwohner:innen des
       5.500-Seelen-Dorfes, das israelische Militär habe ihre Häuser beschlagnahmt
       und sie vertrieben. Laut dem Militär diente das dazu, militärische
       Operationen für die Evakuierung der Siedler in der Gegend vorzubereiten. In
       der Nacht zogen die Militärs aber wieder ab, um sich offenbar in
       unbewohnten Gebäuden einzuquartieren.
       
       ## Angst vor Besetzung der Häuser durch israelische Siedler
       
       Auch die drei belagerten Familien wurden gemeinsam in ein Haus gebracht.
       Sie weigern sich aber, den Komplex zu verlassen. Die Angst vor einer
       Besetzung ihrer Häuser durch die Israelis ist zu groß. Als die
       Anwohner:innen schließlich in eines der Häuser zurückkehren konnten,
       beklagten sie, das Militär habe die Aufzeichnungen einer Sicherheitskamera
       unerlaubt gelöscht. Andere Familien im Dorf berichteten, Möbel seien
       beschädigt worden, in einem Fall Geld entwendet und Seiten aus einem Koran
       herausgerissen.
       
       Das Militär beantwortete eine aktuelle Anfrage der taz zu den Vorfällen
       nicht, schrieb aber auf X, zwei illegale Außenposten in Qusra und Jalud
       geräumt sowie einen Israeli festgenommen zu haben. Allerdings waren die
       Siedler am Freitag wieder da. Die Soldat:innen bauten deren Zelt wieder
       ab, doch die religiös-radikalen Männer hielten sich laut jüngsten Berichten
       noch immer in der Gegend um die Häuser auf.
       
       ## Frankreichs Regierung interveniert
       
       Die französische Regierung hat sich derweil eingeschaltet und die Festnahme
       aller Involvierten gefordert. Israels Verteidigungsminister Israel Katz
       möchte hingegen dem Militär die Befugnisse über Israelis im Westjordanland
       entziehen und sie der israelischen Polizei übertragen.
       
       Katz war kürzlich in eine Kontroverse geraten, als er vor laufender Kamera
       ankündigte, [2][den Militärchef im Westjordanland Avi Bluth ablösen zu
       wollen.] Hintergrund war ein Streit zwischen dem Minister und dem
       Generalmajor um den Haftbefehl von einem Siedler, der besonders brutaler
       Gewalt gegenüber einem Palästinenser beschuldigt wird. Katz wollte den
       Haftbefehl aufheben.
       
       15 Aug 2026
       
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