# taz.de -- Nach Teilabriss von Wohnhaus in Hamburg: Bezirksamt bietet Ersatzwohnungen an
> Die betroffenen Bewohner:innen bekommen erst mal eine neue Unterkunft
> gestellt. Ob sie jemals in ihr altes Zuhause zurückkehren können, ist
> unklar.
(IMG) Bild: Abriss in der Holstenstraße: Ein Teil des Hauses ist schon weg. Unklar ist, ob der andere Teil stehen bleiben kann
Gute Nachrichten für die Bewohner:innen des wegen Einsturzgefahr
abgerissenen Wohngebäudes in Hamburg-Altona: Für sie steht [1][nach Angaben
des Altonaer Bezirksamts] eine neue Unterkunft bereit. Das Mehrfamilienhaus
liegt weniger als einen Kilometer entfernt in der benachbarten
Chemnitzstraße und wird von der Wohnungsgenossenschaft Altoba zur Verfügung
gestellt.
Das Gebäude stehe derzeit leer, weil es ursprünglich im Zuge einer
Neubauplanung abgerissen werden sollte, so Altonas Bezirksamtsleiter
Sebastian Kloth. Auf Bitte des Bezirksamts seien die geplanten Arbeiten
verschoben worden. Dadurch könne den betroffenen Bewohner:innen für bis
zu zwei Jahre eine Unterkunft angeboten werden.
Die Bewohner:innen hätten sich das Haus schon anschauen können, so
Kloth. Bewohnerin Milena Thompson sagt: „Das Angebot hat uns total berührt.
Wir sind total dankbar, dass das Bezirksamt von alleine auf uns zugekommen
ist.“ Laut Bezirksamt können die ersten Bewohner:innen bereits im Lauf
des Septembers die neuen Wohnungen beziehen. Für die Ersatzwohnungen werde
die Wohnungsgenossenschaft jedoch Miete verlangen, erklärt Rechtsanwalt
Marc Meyer vom Hamburger [2][Verein Mieter helfen Mietern]. Er vertritt die
Bewohner:innen der Holstenstraße.
Allerdings ist noch offen, ob die Bewohner:innen das Angebot annehmen
werden: „Uns wäre eine langfristige Lösung lieber. Wir warten aktuell auf
ein Urteil vom Prüfstatiker, bevor wir eine Entscheidung treffen“, erklärt
Milena Thompson. Langfristig sei es das Ziel, wieder in das Haus in der
Holstenstraße zurückkehren zu können.
[3][Im Juli war das fünfstöckige Mehrfamilienhaus wegen akuter
Einsturzgefahr geräumt worden.] Die Bewohner:innen mussten ihr Zuhause
innerhalb kürzester Zeit verlassen. Einige berichteten, dass ihnen nur etwa
zehn Minuten geblieben seien, um ihre Sachen zu packen. Zwei Nachbarhäuser
wurden ebenfalls evakuiert. Die Räumung hatte so schnell gehen müssen, dass
Möbel und viele persönliche Gegenstände zurückgelassen werden mussten.
Bereits Ende Juni hatte eine Angehöriger einer Anwohnerin [4][dem
zuständigen Bezirksamt Altona „Probleme am Gebäude“ gemeldet], so das Amt.
Das Bezirksamt erhalte „täglich unterschiedlichste Anliegen und Beschwerden
über Zustände im Zusammenhang mit Gebäuden“, weshalb nicht unmittelbar auf
jede Nachricht reagiert werden könne.
Im Juli hatten Bewohner:innen des Hauses an den Wänden in der Wohnung
[5][Risse bemerkt und die Feuerwehr gerufen]. Die Prüfung durch einen
Statiker ergab, dass das Gebäude nicht mehr sicher nutzbar ist. Daraufhin
ordnete das Bezirksamt die Evakuierung an. Bei einer erneuten Prüfung
Anfang August zeigte sich, dass die Risse sich verändert hatten und das
Haus, ein Altbau aus dem Jahr 1894, abgerissen werden muss. Die
Abrissarbeiten erfolgten in der vergangenen Woche.
In dieser Woche hatten die Bewohner:innen erstmals die Möglichkeit,
[6][nach persönlichen Gegenständen zu suchen.] Der Schutt wurde dafür auf
dem ehemaligen Gelände der Holsten-Brauerei ausgebreitet. „Ich habe noch
eine Postkarte von meinem Großvater gefunden, die er mir ein Jahr vor
seinem Tod geschickt hat. Damit hätte ich gar nicht mehr gerechnet“,
erzählt Milena Thompson.
## Die Frage nach der Verantwortung
Wer für die entstandenen Schäden und Verluste aufkommen muss, ist noch
ungeklärt. Mark Meyer sieht den Eigentümer des Gebäudes, den
Immobilienunternehmer Wolf-Peter Schneider, in der Verantwortung. Sollten
sich die Bewohner:innen für einen Umzug in die Chemnitzstraße
entscheiden, müsse der Eigentümer aus Meyers Sicht auch mögliche Mehrkosten
bei der Miete übernehmen.
Was den Schadensersatz für den verlorenen Besitz angeht, erklärt Meyer:
„Natürlich ist das Ziel, möglichst außergerichtliche Lösungen für die
entstandenen Schäden zu finden.“ Eine zivilrechtliche Auseinandersetzung
könne sich über mehrere Jahre ziehen.
Das Ausmaß der Schäden werde sich erst endgültig zeigen, wenn die
Ergebnisse des Prüfstatikers vorliegen, so Meyer: „Jeweils zwei Drittel von
jeder Wohnung stehen noch. Ob die zwei Drittel gerettet werden können,
hängt am Statikerergebnis. Ohne Statikerergebnis wissen wir nicht, ob der
stehende Teil des Hauses und das Eigentum darin gerettet werden können.“
21 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.instagram.com/p/DcOPAT-Iz36/
(DIR) [2] https://www.mhmhamburg.de/de
(DIR) [3] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/akute-einsturzgefahr-14-menschen-aus-wohnhaus-in-altona-evakuiert,wohnhaus-122.html
(DIR) [4] /Amt-ordnet-Evakuierung-an/!6200822
(DIR) [5] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/einsturzgefahr-in-der-holstenstrasse-bewohner-verlieren-wohl-ihr-haus,einsturzhaeuser-100.html
(DIR) [6] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/nach-abriss-in-der-holstenstrasse-mieter-durchsuchen-schutthaufen,bewohner-102.html
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