# taz.de -- Amt ordnet Evakuierung an: Risse in der Wand
       
       > In Hamburg-Altona müssen Bewohner*innen eines Altbaus ihre Habe
       > zurücklassen, weil das Gebäude als einsturzgefährdet gilt.
       
 (IMG) Bild: Inzwischen abegrissen: baufälliges HInterhaus in Hamburg-Altona
       
       Am vergangenen Dienstag war es so weit: Zwei haushohe Kräne waren an einer
       viel befahrenen Straße in Hamburg-Altona aufgestellt, um dabei zu helfen,
       [1][den hinteren Teil eines Wohngebäudes abzureißen]. Vor einer Absperrung
       standen Polizist:innen und Baggerfahrer in Warnwesten neben
       Medienvertreter:innen und Schaulustigen. Von den Bewohner:innen
       waren nur wenige da. Tags zuvor hatten sie [2][noch eine größere
       Kundgebung] vor dem Haus abgehalten, das sie auf Anordnung der Behörden
       wegen Einsturzgefahr fluchtartig hatten verlassen müssen.
       
       Die Räumung hatte so schnell gehen müssen, dass Möbel und die meisten
       persönlichen Gegenstände zurückgelassen werden mussten. „Meine ganzen
       Sachen sind da noch drin“, sagte eine aufgelöste Bewohnerin. Sie stand vor
       dem Absperrgitter, das den Zugang zum Hinterhof versperrte, in dem der
       Abriss beginnen sollte. „Es macht mich fassungslos.“
       
       Später kamen weitere Bewohner*innen dazu. Dem NDR erzählte eine Frau
       von dem Silberbesteck ihrer Oma, dass sie in dem Schuttberg, der sich
       hinter dem Haus allmählich auftürmte, nicht mehr zu finden hoffte. Ein Mann
       erzählte von seinem ersten Liebesbrief, der noch in der Wohnung sei und den
       ihm niemand ersetzen könne. „Ein emotionaler Wert ist leider nicht
       ersatzfähig“, sagte ein Experte vom Hamburger Mieterverein, der in der
       Sendung zu Wort kam.
       
       Besonders gemein an der Geschichte ist, dass der Hinweis auf die Schäden
       aus dem Umkreis der Bewohner*innen selbst kam. Bereits Ende Juni hatte
       ein Angehöriger dem zuständigen Bezirksamt Altona „Probleme am Gebäude“
       gemeldet, so das Bezirksamt. Das Amt erhalte „täglich unterschiedlichste
       Anliegen und Beschwerden über Zustände im Zusammenhang mit Gebäuden, so
       dass nicht unmittelbar und sofort auf die einzelnen Nachrichten eingegangen
       werden kann“, so die Erklärung, warum nicht früher gehandelt wurde.
       
       Im Juli dann hatten [3][Bewohner:innen des Hauses an den Wänden in der
       Wohnung Risse bemerkt und die Feuerwehr gerufen]. Die Prüfung durch einen
       Statiker ergab, dass das Gebäude nicht mehr sicher nutzbar ist, das
       Bezirksamt ordnete die Evakuierung an. Bei einer erneuten Prüfung Anfang
       August kam heraus, dass die Risse sich verändert hatten und das Haus, ein
       Altbau aus dem Jahr 1894, abgerissen werden muss.
       
       ## Rückkehr ungewiss
       
       Die Bewohner*innen mussten teils in Hotels untergebracht werden, teils
       kamen sie bei Freund:innen unter oder in einer benachbarten Kirche. Ob
       sie jemals in ihre Wohnungen zurückkehren können, ist noch nicht klar, weil
       es sein kann, dass auch die noch stehende vordere Hälfte des Hauses
       abgerissen werden muss.
       
       Die Frage ist jetzt, wer für die Unterbringungskosten und die Verluste
       aufkommt. Rechtsanwalt Marc Meyer vom Hamburger Verein „Mieter helfen
       Mietern“ zeigt auf den Eigentümer, den Immobilienunternehmer Wolf-Peter
       Schneider: „Der Bezirk muss ihm Daumenschrauben anlegen. Der Typ hat Asche
       ohne Ende.“
       
       Die Wut der Anwohner:ìnnen richtet sich nun gegen Schneider: „Kümmern
       statt verkümmern! Miete ist nicht für deine Yacht, Wolf-Peter!“ steht auf
       einem Transparent, das an einem Balkon gegenüber hängt. Schon bevor die
       Bagger anrollten, hatte die Bild-Zeitung über den Mann und seine Partys auf
       Sylt berichtet.
       
       In Hamburg fragen sich jetzt manche Altbaubewohner:innen, wie es eigentlich
       bei ihnen aussieht. Bisher gibt es in Deutschland keine gesetzliche Pflicht
       zur regelmäßigen Sicherheitsüberprüfung von Wohngebäuden. Marc Meyer von
       Mieter helfen Mietern fordert deswegen einen „Wohnhaus-TÜV“. Vielleicht
       setzt der Abriss in Altona ja eine Diskussion in Gang.
       
       16 Aug 2026
       
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 (DIR) [3] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/einsturzgefahr-in-der-holstenstrasse-bewohner-verlieren-wohl-ihr-haus,einsturzhaeuser-100.html
       
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