# taz.de -- Hitze in Kroatien: Unerträgliche Nächte, ungenießbares Leitungswasser
> An der Adria lässt es sich zwar tagsüber aushalten. Aber bei der
> Trockenheit ist die Angst vor Bränden groß, auch wenn die Feuerwehr
> wachsam ist.
(IMG) Bild: Brütenden heiß und brackig, so ist der Sommer in Split
„Das Schlimmste sind ja nicht die Tage, sondern die Nächte“, stöhnt die
38-jährige Nada aus Zagreb. Sie hatte sich so auf den Urlaub auf einer der
kleinen Inseln bei Split gefreut. Gemeinsam [1][mit ihren drei Kindern] und
ihrem Mann kommt sie schon seit Jahren hierher zu den Inseln Veliki Drvenik
und Šolta zwischen den Städtchen Trogir und Zadar.
Dort gibt es statt einer Wasserleitung nur einen Wassertank. „Wir lieben
das einfache Leben“, sagt Nada, als sie ein paar Feigen vom Baum vor ihrem
Häuschen pflückt. „Morgens sind wir fischen gegangen. Doch jetzt ist die
Hitze sogar in der Nacht so unerträglich, dass ich nicht mehr schlafen
kann.“
Tagsüber hielten auch die Kinder die 38 Grad noch aus: „Wir haben Wasser,
Schatten und das Meer“, sagt Nada. Doch nachts gehe es ihr persönlich
schlecht. Ihr sind dann die über 30 Grad zu heiß. Sie brauche doch
Abkühlung: „Wir haben ja hier keine Klimaanlage.“
Zudem bedrückt sie die ständige Feuergefahr. Entlang der gesamten
kroatischen Adriaküste knistert das trockene Gestrüpp bei jedem Schritt.
„Nur einen Funken braucht es, dann steht das alles hier in Flammen“, sagen
die freiwilligen Feuerwehrleute in dem kleinen Hafendorf Slatine auf der
Insel Ciovo. Sie halten Tag und Nacht mit ihren Ferngläsern Ausschau und
sind in Einsatzbereitschaft. Denn sie werden auch zu den Hotspots anderswo
gerufen.
## Die Löschflugzeuge sind ständig einsatzbereit
„Die kroatischen Feuerwehrleute sind auf Zack“, sagt anerkennend Daniel.
Der Mann aus dem Ruhrpott lebt gemeinsam mit seiner Frau Ana im Dorf. Ihn
beruhigt es, dass die [2][Löschflugzeuge] ständig einsatzbereit sind. Zeigt
sich Qualm am Horizont, sind sie sofort zur Stelle. Sie holen dann Wasser
aus dem Meer und kippen es auf die Brandstellen. Das eigentlich lästige
Motorengeräusch der Löschflugzeuge „wird so zur Musik“, freut sich ein
Tourist aus Österreich. Bisher hat es Slatines Feuerwehr geschafft, die
Insel Ciovo vor den Bränden zu bewahren.
Doch wie lange noch? Am Dienstag dieser Woche kletterte das Thermometer in
Split auf 40 Grad. Das ist ein neuer Rekord. Wenn nicht bald Regen kommt,
bleibt die Lage sehr gefährlich. Die Folgen des Klimawandels kann man nicht
mehr ignorieren, wie es in Deutschland die AfD macht, und es auch in
Kroatien die Rechte und damit die Machthaber tun. Natürlich sind die
kleinen Leute, die aus ihrem grünen Garten einen Parkplatz gemacht haben,
nicht grundsätzlich an der Katastrophe schuld. Sie brauchten Parkplätze für
Touristen. Ohne „parking“ kein Geschäft.
Dass jedoch niemand, ob alt oder jung, in diesem Dorf wie an der gesamten
Küste ernsthaft über Alternativen diskutiert. Dass man stattdessen alles
hinnimmt, wie es ist, also dem Schicksal überlässt, wiederholt nur die
Geschichte von anderswo. Auch in Deutschland wurden Warnungen zunächst
weitgehend ignoriert. Aber dann wurden doch zumindest einige Konsequenzen
gezogen. In Kroatien jedoch werden Naturschutzgebiete, statt sie zu
schützen, ohne große Proteste nach und nach verkauft und zerstückelt.
Das könnte sich jetzt endlich ändern: Denn nun wurde ein Umweltskandal
ungeheuren Ausmaßes bekannt. Donje Biljane – ein in kleines Dorf im
dalmatinischen Hinterland – steht seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten im
Schatten eines giftigen Hügels, dem schwarzen Berg.
## Giftige Schlacke bedroht das Grundwasser
Was 2010 mit anrollenden Lastwagen begann, hat sich zu einem der
gravierendsten Umweltskandale Kroatiens entwickelt. Hier wurden rund
140.000 Tonnen Silikonmanga- und Ferromangangschlacke aus einer
stillgelegten Fabrik in Šibenik abgekippt. Die Schlacke enthält erhöhte
Konzentrationen gefährlicher Substanzen und weist darüber hinaus noch eine
Radioaktivität auf, die über den zulässigen Grenzwerten liegt.
Die Deponie ist der kroatischen Regierung und der EU seit Jahren bekannt.
Die Anwohner:innen sehen einen Zusammenhang zwischen der Deponie und
Krebserkrankungen. Die giftige Schlacke bedroht das Grundwasser der Region.
Wer möchte da noch selbst bei der allergrößten Hitze Wasser aus der Leitung
trinken?
14 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Erich Rathfelder
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