# taz.de -- Sommerdepressionen: I got that summertime, summertime sadness
       
       > Wenn es im Sommer heiß ist, wird der Schlaf schlechter. Das kann
       > psychisch krank machen. Wie immer können sich Reiche besser vor der Hitze
       > schützen.
       
 (IMG) Bild: Im Sommer kommt man hier nicht so richtig zur Ruhe
       
       Es ist zu heiß. Sogar zu heiß zum Schlafen. Unter der Bettdecke zerfließt
       man. Ohne ist es zu ungemütlich. Und auch wenn das Fenster nachts
       sperrangelweit offensteht, man den Straßenlärm mit Ohrstöpseln auszublenden
       versucht, staut sich die Hitze so sehr, dass das Schlafzimmer trotzdem
       einfach nicht abkühlen will.
       
       Die Hitze raubt uns den Schlaf und den letzten Nerv. Stürzt die
       [1][Klimakrise] uns nun alle in die Sommerdepression? Vielleicht nicht uns
       alle. Doch gerade für diejenigen, die sich weniger gut vor Hitze schützen
       können, bedeutet das ein immens erhöhtes Risiko, psychisch zu erkranken.
       Und das sind wie so oft Menschen, die von Armut betroffen sind.
       
       Aber einen Schritt zurück: Warum ist [2][Schlafentzug] in diesen tropischen
       Nächten so ein Problem? Ist es zu heiß, können wir nicht einschlafen. Denn
       beim Einschlafen gibt der Körper Wärme ab, um unsere Körpertemperatur zu
       senken. Dafür muss es kühl genug sein.
       
       Und: Bei Hitze haben wir weniger Tiefschlaf und REM-Schlaf. Die beiden sind
       für Erholung und die Verarbeitung der Erlebnisse des Tages besonders
       wichtig. Wir schlafen also später ein und nicht tief genug. Das hat
       Konsequenzen für unsere körperliche Gesundheit, zum Beispiel geht das mit
       einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck, Infektionen oder Diabetes einher.
       Aber auch mit einem erhöhten Risiko für Depressionen.
       
       Gerät unsere innere Uhr aus dem Gleichgewicht, wirkt das auf unseren
       Hormonhaushalt. Besonders das Schlafhormon Melatonin, das Glückshormon
       Serotonin und das Stresshormon Cortisol spielen hier eine Rolle. Sind sie
       alle im Ungleichgewicht, kann unser Körper schlechter mit Stress umgehen,
       kommt nicht mehr zur Ruhe. Das wirkt sich auch auf die Psyche aus.
       
       ## Ohnehin schon Betroffene leiden am meisten
       
       Schlafentzug und ein durcheinandergewirbelter Hormonhaushalt gehören zu den
       Risikofaktoren einer Sommerdepression. Bereits jetzt betrifft diese
       saisonal abhängige Form der Depression je nach Studie etwa vier bis sechs
       Prozent der Bevölkerung. Betroffene spüren vor allem starke Unruhe,
       Ängstlichkeit, Reizbarkeit. Und das über mehrere Wochen.
       
       Bislang gilt der Winter als die düstere Jahreszeit. Der von Lethargie
       geprägte Winterblues ist bekannt, aber Sommerdepressionen? Die kennen
       bisher wenige. Außer Lana Del Rey, die mit „Summertime Sadness“ schon fast
       hellseherische Kräfte erahnen ließ. Vielleicht haben einige auch die
       Sängerin girl in red schon 2018 singen hören: „Summer depression, there is
       so much time to question my life.“
       
       Vermutlich können wir uns darauf einstellen, dass in den kommenden Jahren
       weniger die allseits bekannten Winter- und stattdessen die
       Sommerdepressionen heiß diskutiert werden. Dann werden wir uns nicht nur in
       Grübelschleifen verheddern in schlaflosen Nächten, sondern auch in Debatten
       darum, was noch Müdigkeit und was schon Sommerdepression ist.
       
       Worüber wir hoffentlich noch ausführlicher sprechen werden, ist, dass die
       psychische Belastung von hitzebedingtem Schlafmangel zwar auch
       wohlhabendere Menschen betrifft, aber größer für die Bevölkerungsgruppen
       ist, die es sich nicht leisten können, sich ins angenehme Kühl
       zurückzuziehen. Das sind [3][arme, ältere und kranke Menschen]. Also genau
       die Bevölkerungsgruppen, die schon jetzt häufiger von psychischen
       Erkrankungen betroffen sind.
       
       So zeigt sich an den Auswirkungen von Hitze auf Schlafgesundheit einmal
       mehr, wie die Klimakrise gesellschaftliche Ungleichheit verschärft. Weil
       sie krank macht, uns alle. Aber diejenigen, die sich noch weniger vor ihr
       schützen können, ganz besonders.
       
       13 Aug 2026
       
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 (DIR) Hannah Marlene Göschel
       
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