# taz.de -- Neue ESC-Regeln: Unfair und doch verständlich
> Für Israel ist es bitter. Solange das Land in Kriege verwickelt ist, wird
> es keinen ESC ausrichten dürfen. Zumindest die Teilnahme ist gesichert.
(IMG) Bild: Burgas statt Tel Aviv, der ESC lässt ein wenig Haltung erkennen
Israelische Freunde und Freundinnen wird es nicht freuen, dass die European
Broadcasting Union (EBU), das Netzwerk öffentlich-rechtlicher
Medienanstalten, eine Regel für den [1][Eurovision Song Contest], verändert
hat. Und zwar eine, die wesentlich aktuell mit Israel zu tun hat. Schon im
kommenden Jahr im bulgarischen Burgas mit dem Grand Final am 15. Mai, gilt
nicht mehr, dass ein Sender des Siegerlandes automatisch das Recht auf die
in jeder auch ökonomisch kostspieligen Hinsicht prestigeträchtige
Austragung des nächstjährigen ESC hat.
Israels KünstlerInnen sind in den vergangenen Jahren stets nur knapp an
einem Sieg vorbeigeschlittert. Dieses Jahr in Wien landete der Sänger
[2][Noam Bettan] auf dem zweiten Platz, genau wie im Vorjahr [3][Yuval
Raphael]. Für die EBU wäre ein israelischer Sieg ein Alptraum: Schon in
diesem Jahr hatten [4][sechs ESC-Länder] auf die Teilnahme in Wien
verzichtet. Zu stark war der antizionistische Druck in ihren Ländern,
Israels Teilnahme am ESC überhaupt für akzeptabel zu halten.
Im kommenden Jahr wäre gerade die lobbyierende Arbeit gegen das nahöstliche
Land erwartbar noch größer geworden – zumal [5][Israels wenig
regierungsnaher Sender Kan] kaum auf eine exzellente künstlerische
Darbietung verzichtet hätte, um einen Sieg beim ESC gar nicht erst zu
riskieren.
Der Beschluss der EBU ist kein echtes Novum: 2022, nachdem die ukrainische
Band [6][Kalush Orchestra] in Turin den ESC-Sieg gewiss auch eurovisionärer
Solidarität nach dem Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine zu
verdanken hatte, vergab die EBU die Ausrichtung des Song Contests an das
Land, das den zweiten Platz belegte, Großbritannien. Ein ESC in Kyjiw wurde
wegen der rund um die Uhr akuten Bombardierungsbedrohung durch Russlands
Militär zu Recht als zu gefährlich eingeschätzt.
Die Regeländerung kommt einer Kränkung der israelischen Pop-Szene gleich,
zumal nach dem [7][7. Oktober 2023]. Aber er ist ein Kompromiss, denn vom
Tisch ist damit auch ein Ausschluss Israels vom ESC selbst. Die deutsche
ARD hat, gewiss dazu motiviert vom Kanzleramt und seinen
Kulturverantwortlichen, gut so, schon vor einem halben Jahr erklärt: Ein
ESC, der Israel ausschließt, ist einer ohne Deutschland. Das wiederum
musste die EBU verhindern. Unschön, ungerecht, aber verstehbar im Sinne des
ESC und seiner Erfolgsgeschichte selbst.
13 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /ESC/!t5698502
(DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=L9JVTSHKeqc
(DIR) [3] https://www.eurovision.de/videos/2025/Israel-Yuval-Raphael-New-Day-Will-Rise-ESC-Finale-2025,israel2192.html
(DIR) [4] /Streit-um-Israels-Teilnahme-am-ESC/!6178648
(DIR) [5] /Pressefreiheit-in-Israel/!6054984
(DIR) [6] https://www.youtube.com/watch?v=F1fl60ypdLs
(DIR) [7] /7-Oktober---ein-Jahr-danach/!6034819
## AUTOREN
(DIR) Jan Feddersen
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