# taz.de -- Nach ESC-Erfolg Israels: Debatte um Publikumsvoting
       
       > In Spanien schlagen die Wellen nach dem Eurovision-Finale hoch. Es geht
       > unter anderem um das umstrittene Publikumsvoting.
       
 (IMG) Bild: Yuval Raphael aus Israel läuft mit der Fahne bei einer Probe für die Finalshow des 69. Eurovision Song Contest
       
       Madrid/Brüssel dpa | In Spanien ist eine Debatte über Israels Teilnahme am
       Eurovision Song Contest und [1][das gute Abschneiden des Landes beim
       Publikum] entbrannt. Ministerpräsident Pedro Sánchez forderte den
       [2][Ausschluss Israels vom Wettbewerb]. Der staatliche TV-Sender RTVE
       kündigte derweil an, man werde eine Überprüfung des Publikumsvotings
       beantragen, das die Teilnehmerin Israels (Yuval Raphael mit dem Song „New
       Day Will Rise“) am Samstag auf Platz 2 katapultiert hatte.
       
       Als Begründung für seine Forderung nannte Sánchez das militärische Vorgehen
       Israels im Gazastreifen. Die Offensive habe sogar in der Nacht des
       ESC-Finales mit weiteren Bombardierungen angedauert, betonte er. In
       Anspielung auf den Umgang mit Russland sagte der sozialistische Politiker:
       „Wir dürfen keine doppelten Standards in der Kultur zulassen.“ Niemand habe
       sich empört, als Russland wegen der Invasion der Ukraine vom ESC
       ausgeschlossen wurde. „Dasselbe sollte auch für Israel gelten“, sagte
       Sánchez.
       
       RTVE wollte unterdessen seinen Antrag auf Überprüfung des Televotings nach
       eigenen Angaben im Laufe des Montags bei der Europäischen Rundfunkunion
       (EBU) einreichen. „Mehrere Länder werden ebenfalls denselben Antrag
       stellen, da sie der Ansicht sind, dass das Televoting durch die aktuellen
       militärischen Konflikte beeinflusst wurde und dies den kulturellen
       Charakter der Veranstaltung gefährden könnte“, teilte der Sender mit.
       
       Bereits im Vorfeld des ESC 2025 hatte es Spannungen zwischen RTVE und der
       EBU gegeben. Der spanische Sender erklärte, man sei von der EBU unter
       Androhung hoher Geldstrafen davor gewarnt worden, während der
       Liveübertragungen politische Botschaften zu verbreiten. Auslöser war ein
       Hinweis auf die Opfer des Gaza-Konflikts, den RTVE im zweiten Halbfinale
       eingeblendet hatte. Trotz der Warnung zeigte der Sender unmittelbar vor
       Beginn des Finales erneut eine Botschaft: „Angesichts der Menschenrechte
       ist Schweigen keine Option. Frieden und Gerechtigkeit für Palästina.“
       
       ## Belgischer Sender stellt ESC-Teilnahme infrage
       
       Derweil stellt der belgische öffentlich-rechtliche Sender VRT wegen – aus
       Sicht des Senders – offener Fragen zum ESC-Zuschauervoting seine künftige
       ESC-Teilnahme infrage. Es brauche ernsthafte Antworten auf Bedenken
       bezüglich des Eurovision Song Contests, teilte der Sender mit. Nach
       VRT-Angaben will die für die ESC-Ausstrahlung zuständige Europäische
       Rundfunkunion (EBU) Gespräche mit den beteiligten Sendern führen.
       
       Es lägen zwar keine Hinweise darauf vor, dass die Stimmenauszählung nicht
       korrekt durchgeführt wurde, so VRT. Weiter heißt es jedoch: „Wir fordern
       von der EBU volle Transparenz. Die Hauptfrage ist, ob das derzeitige
       Abstimmungssystem ein faires Abbild der Meinungen der Zuschauer und Zuhörer
       garantiert.“
       
       Der ESC stehe zunehmend im Widerspruch zu den ursprünglichen Normen und
       Werten der Veranstaltung und zu den Normen und Werten des
       öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Auf der Website von VRT heißt es zudem,
       man unterstütze die Forderung, eine Debatte über die Teilnahme Israels am
       ESC zu führen.
       
       Beim Publikum lag Israel deutlich vorn. Das Land hatte die Sängerin Yuval
       Raphael nach Basel geschickt. Die 24-Jährige ist eine Überlebende des
       Massakers der islamistischen Hamas und weiterer Terrorgruppen vom 7.
       Oktober 2023. [3][Wegen des Gazakriegs gab es in Basel immer wieder
       Proteste gegen ihre Teilnahme.]
       
       Dabei bekam Israel bei der Zuschauerabstimmung auch aus Ländern hohe
       Punktzahlen, in denen das Handeln von Israels Regierung eher kritisch
       betrachtet wird, etwa Spanien, Belgien oder Irland. Insgesamt bekam Raphael
       knapp 300 Punkte von den Zuschauenden aus den 37 Teilnehmerländern – so
       viele wie niemand sonst.
       
       ## Protest auch vergangenes Jahr
       
       Israels Teilnahme beim Eurovision-Song-Contest-Halbfinale war im
       vergangenen Jahr auf dem Sender VRT von einer Protestaktion begleitet
       worden. Am Anfang und Ende der Übertragung der Show wurde eine
       schwarz-weiße Texttafel eingeblendet, auf der Gewerkschaften ihren Unmut
       über die Politik Israels zum Ausdruck brachten. In der Einblendung wurde
       dem Staat Israel im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg unter anderem
       vorgeworfen, Menschenrechte zu verletzen und die Pressefreiheit zu
       zerstören.
       
       Der Gaza-Krieg hatte im Oktober 2023 mit einem Terrorangriff der Hamas auf
       Israel begonnen. Etwa 1.200 Menschen wurden dabei getötet und etwa 250
       entführt. In dem Krieg wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten
       Gesundheitsbehörde bislang mehr als 53.300 Palästinenser im Gazastreifen
       getötet. Die Zahl unterscheidet nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten und
       lässt sich unabhängig kaum überprüfen.
       
       Auf dem offiziellen EBU-Kanal für den ESC rief die israelische Sängerin
       Yuval Raphael vor dem Finale in einem Werbefenster Zuschauer immer wieder
       auf, für ihren Song zu stimmen. Diese Aufrufe liefen zum Beispiel in den
       Aufzeichnungen der Halbfinal-Sendungen zwischen Reklame für Burger und für
       Internetdienste. Seit dem Finale ist Yuval Raphael in den immer noch online
       stehenden Halbfinal-Sendungen nicht mehr in Werbefenstern zu sehen.
       
       Dazu sagt die EBU auf Anfrage in einer Stellungnahme: Die ESC-Regeln
       verbieten es den teilnehmenden Rundfunkanstalten oder Dritten wie
       Plattenfirmen oder anderen nicht, ihre Beiträge online und anderswo zu
       bewerben. Die Werbung dürfe den Wettbewerb nicht instrumentalisieren oder
       gegen seine redaktionellen Richtlinien verstoßen. „Viele Delegationen
       setzen bezahlte Werbekampagnen ein, um den Song, das Profil und die
       zukünftige Karriere ihrer Künstler zu unterstützen.“ Für die
       Halbfinalsendungen war kein anderer Interpret mit einem Wahlaufruf in einem
       Werbefenster zu sehen.
       
       20 May 2025
       
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       werden.