# taz.de -- US-Regierungssprecherin Leavitt geht: Trump braucht ein neues Sprachrohr
> Mit Präsidentensprecherin Karoline Leavitt tritt die bisher jüngste
> Sprecherin im Weißen Haus zurück. Sie hat den Ton gegenüber den Medien
> verschärft.
(IMG) Bild: Karoline Leavitt im Januar 2026 im Presseraum des Weißen Hauses
dpa | Sie ist das Sprachrohr von US-Präsident Donald Trump. Mit 27 Jahren
rückte Karoline Leavitt [1][als jüngste Sprecherin überhaupt auf eine der
wichtigsten Positionen im Weißen Haus] – und prägte den Ton von Trumps
teils erratischer Politik. Sie gilt als unerschütterliche Unterstützerin
des Präsidenten. Überraschend hört Leavitt, die kürzlich ihr zweites Kind
bekam, nun zum Monatsende auf.
Trump muss jetzt eine neue Sprecherin oder einen neuen Sprecher finden, der
oder die mit ihrer Schlagfertigkeit mithalten kann. Und das zu einer Zeit,
in der ein erfolgreiches Vermitteln seiner politischen Standpunkte für ihn
entscheidend ist: außenpolitisch etwa mit Blick auf den nach wie vor nicht
dauerhaft beigelegten Iran-Krieg und innenpolitisch vor allem angesichts
der bald anstehenden Kongresswahlen.
Leavitt erlangte [2][mit ihrer Scharfzüngigkeit weltweit Bekanntheit]. Wenn
die heute 28-Jährige ihre Pressekonferenzen im Weißen Haus abhält, kann die
Stimmung schnell frostig werden. Sie verändert von einem Moment auf den
anderen ihren Gesichtsausdruck und rügt fragende Journalisten heftig. Sie
beschuldigt die Medien, Fake News zu verbreiten.
Öffentlich weicht Leavitt kaum von Trumps Seite. Er [3][lobte sie immer
wieder für ihre Arbeit]. Eisern verteidigte sie seine rigide Politik und
wischte Fragen etwa zum Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vom
Tisch. Auch wenn es hinter den Kulissen heftig brodelte, sprach sie
mantraartig nur von der erfolgreichen Arbeit ihres Chefs. Die gläubige
Christin etablierte im Weißen Haus einen rigiden und konfrontativen
Kommunikationsstil.
## Leavitt stärkte den Einfluss rechter Influencer
Unter Trump sind die Medien dem Dauerfeuer einer Regierung ausgesetzt, die
ihnen das Verbreiten falscher Nachrichten vorwirft und sich selbst meist
als Opfer darstellt. Wohlwollende Berichterstattung wird dagegen
ausdrücklich gelobt. So hat Leavitt etwa einen Platz für sogenannte neue
Medien geschaffen – [4][meist rechte Influencer]. Jedes Mal darf ein
anderes vom Weißen Haus handverlesenes Medium bei den Pressekonferenzen die
erste Frage stellen. Dabei handelt es sich dann oft eher um wie bestellt
wirkende Lobhudelei.
Trump verkündete Leavitts Abgang auf seiner Plattform Truth Social und
begründete ihn damit, dass sie dann mehr Zeit für die Familie haben würde.
Leavitt habe sich für diesen Schritt entschieden, den er „voll und ganz“
verstehe und respektiere, schrieb er. Ob das der einzige Grund ist, blieb
zunächst unklar.
Zumindest soll es offiziell weiter eine Verbindung zwischen Trump und
Leavitt geben. Sie werde nun zu einer seiner „wichtigsten externen
Beraterinnen und eine einflussreiche Stimme“ innerhalb der republikanischen
Partei, teilte Trump mit. Der Präsident lobte sie als eine der besten
Pressesprecherinnen in der Geschichte des Weißen Hauses. „Karoline war eine
echte Führungspersönlichkeit im Weißen Haus“, schrieb er.
Leavitt brachte Anfang Mai ihr zweites Kind zur Welt, eine Tochter. Sie hat
mit ihrem Ehemann – dem reichen und mehr als 30 Jahre älteren
Immobilienunternehmer Nicholas Riccio – bereits einen kleinen Sohn, der
2024 zur Welt kam. Nach der Geburt der Tochter kehrte Leavitt schnell als
Sprecherin zurück ins Weiße Haus.
## Leavitt: Arbeit war „Ehre und das Abenteuer meines Lebens“
Leavitt selbst bedankte sich auf der Plattform X überschwänglich bei Trump
für all die außergewöhnlichen Möglichkeiten, die er ihr geboten habe. „In
den vergangenen anderthalb Jahren als Pressesprecherin des Weißen Hauses zu
arbeiten, war für mich die Ehre und das Abenteuer meines Lebens.“
Mutter zu sein und ein weiteres Kind zu bekommen, während sie einen der
anspruchsvollsten Jobs der Welt ausgeübt habe, sei erfüllend gewesen,
schrieb sie, aber auch die herausforderndste Zeit ihres Lebens. „Die
Wahrheit ist: Seit meiner Rückkehr ins Weiße Haus nach der Geburt meiner
Tochter habe ich in meinem Herzen gespürt, dass ich nicht die beste Mutter
sein kann, die meine beiden kleinen Kinder verdienen, wenn ich konstant die
Zeit, Energie und Aufmerksamkeit aufwende, die das Amt der Pressesprecherin
des Weißen Hauses erfordert“. Daher habe sie letztendlich die „bittersüße
Entscheidung“ getroffen, das Weiße Haus zu verlassen.
Der wohl eindrücklichste Beweis für Leavitts Loyalität zu Trump zeigte sich
am Tag des Attentatsversuchs auf den Republikaner in Butler im Bundesstaat
Pennsylvania im Sommer 2024. Leavitt arbeitete während des Wahlkampfs in
Trumps Team, [5][nur drei Tage vor dem Attentat] brachte sie ihren Sohn zur
Welt.
Ihren kurzen Mutterschutz beendete sie daraufhin umgehend. Trump habe
buchstäblich sein Leben aufs Spiel gesetzt, um diese Wahl zu gewinnen,
sagte sie dem Online-Magazin The Conservateur. „Das Mindeste, was ich tun
konnte, war, schnell wieder an die Arbeit zu gehen.“
## Schneller Aufstieg in der Politik
Leavitt wurde 1997 im US-Bundesstaat New Hampshire geboren. Sie studierte
an einer privaten katholischen Universität in ihrem Heimatbundesstaat
Politik und Kommunikation. Obwohl sie einst Journalistin werden wollte,
führte ihr Weg sie schnell in die Politik: Während Trumps erster Amtszeit
beantwortete sie zunächst Bürgerbriefe im Weißen Haus, wechselte dann in
die Presseabteilung und arbeitete unter Trumps damaliger Sprecherin
Kayleigh McEnany.
Nach Trumps Niederlage bei der Präsidentenwahl 2020 arbeitete Leavitt für
das Büro der Abgeordneten Elise Stefanik. Schließlich versuchte sich
Leavitt selbst als Politikerin und bewarb sich 2022 um einen Sitz im
Repräsentantenhaus – ohne Erfolg.
Nach ihrer Zeit als Pressesprecherin im Weißen Haus will sich Leavitt
eigenen Angaben zufolge weiter für die Republikaner einsetzen. In ihrem
Abschiedspost auf X bekräftigte sie die häufig von Republikanern
vorgebrachte Darstellung, dass von den Demokraten eine „existenzielle
Bedrohung“ für das Land ausgehe. „Mein Kampf tritt in eine neue Phase ein,
aber er ist noch lange nicht vorbei.“
13 Aug 2026
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