# taz.de -- US-Flugzeugträger im Nahen Osten: Katastrophale Zustände und Ablenkung mit Eis
> Berichte über miserable Zustände auf dem Flugzeugträger USS Abraham
> Lincoln häufen sich. US-Präsident Trump und sein Verteidigungsminister
> wiegeln ab.
(IMG) Bild: Auf dem Deck der USS Abraham Lincoln: Einweisung für Kampfjets im Iran-Krieg (5.8.2026)
Probleme bei der Essensversorgung, sanitäre Anlagen, die immer wieder nicht
funktionieren und eine extreme mentale Belastung für die gesamte Besatzung.
So wird die Situation an Bord des US-Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln in
Medienberichten beschrieben. Knapp 5.000 US-Soldat:innen arbeiten auf dem
Schiff, welches seit knapp neun Monaten auf den Weltmeeren unterwegs und
[1][aktuell im Nahen Osten] stationiert ist.
Da im Krieg zwischen den USA, Israel und Iran keine schnellen Lösungen zu
erwarten sind, schlagen diese Berichte in den USA derzeit hohe Wellen.
US-Präsident Donald Trump sowie US-Verteidigungsminister Pete Hegseth
bezeichnen die Berichte allerdings als überzogen. Auf die Frage eines
Journalisten, ob die Einsatzdauer des Flugzeugträgers eine Grenze
überschritten hätte, sagte Trump am Freitag: „Nein, es ist bei Weitem nicht
lang genug.“
Trotz dieser Aussage soll es bald zu einer Ablösung kommen. Ein weiterer
Flugzeugträger, die USS George Washington, soll sich bereits auf den Weg
Richtung Golf befinden, damit die Crew der Lincoln endlich wieder
zurückkehren kann.
Die Zustände an Bord der USS Lincoln sollen derart katastrophal sein, dass
laut US-Medien mehrere US-Soldat:innen versucht hätten, sich selbst das
Leben zu nehmen. Am 3. August soll ein Matrose über Bord gegangen sein. Er
konnte aber nach etwa einer Stunde von einem Rettungshubschrauber geborgen
werden. Der Matrose, der eine Schwimmweste trug, wurde danach untersucht
und anschließend zur weiteren Versorgung ausgeflogen. Ein Vertreter des
US-Militärs bezeichnete den Vorfall gegenüber CNN als psychische Krise.
## Scharfe Kritik an US-Präsident Trump
Weitere Geschichten kursieren in den Medien und unter Familienangehörigen
der Soldat:innen. Karen Bramlett, deren Enkel sich aktuell auf der USS
Lincoln befindet, erklärte gegenüber NPR, dass sich die US-Regierung
schämen sollte. „Donald Trump sollte sich schämen, sie so leiden zu lassen.
Sie kämpfen dort drüben für unser Land. Und das ist der Dank, den sie dafür
bekommen? Sie erhalten nicht einmal Hilfe von ihm oder seiner Regierung.“
Bramlett erklärte, dass sie sich einmal pro Woche per Instagram mit ihrem
Enkel austausche. Der Traum ihres Enkels von einer langen Karriere im
US-Militär sei dank dieses Einsatzes geplatzt, fügte sie hinzu. Das
US-Militär wiegelt weiterhin ab. US-Verteidigungsminister Hegseth
bezeichnete sie vergangene Woche als „völlig falsche“ Darstellung. „Wir
stellen sicher, dass jedes Schiff, jede Besatzung und jeder Kapitän
jederzeit alles erhält, was wir bereitstellen können. Manche Einsätze
dauern länger als andere. Ich empfinde für diese Seeleute mehr Respekt und
Dankbarkeit als jeder andere. Ich möchte, dass sie genauso schnell nach
Hause zurückkehren wie alle anderen auch.“
Demokraten im US-Kongress nahmen die Aussagen über die Missstände auf dem
Flugzeugträger zum Anlass, um eine Untersuchung durch das Pentagon zu
fordern. In einem Schreiben an Hegseth und Marine-Chef Hung Cao wies der
demokratische Senator Richard Blumenthal darauf hin, dass die
Besatzungsmitglieder des Schiffes seit mehr als 200 Tagen keinen Hafen mehr
angelaufen haben. Das sei ein neuer Rekord.
„Es gibt zahlreiche Berichte über Engpässe bei der Grundversorgung,
verunreinigtes Wasser, Probleme mit den sanitären Anlagen, eine
Verschlechterung der psychischen Verfassung, Sicherheitsmängel an Deck
sowie Störungen bei der Postzustellung“, schrieb Blumenthal. Senats-Kollege
Ruben Gallego erklärte, dass der aktuelle Umgang mit der Situation zudem
Fragen über Führung im US-Militär aufwerfe. „Sie improvisieren im Moment
einfach so ein bisschen“, sagte er.
## Demokraten fordern Untersuchung
Demokraten merkten zudem an, dass der Dauereinsatz der USS Lincoln kein
Einzelfall sei. Die USS Gerald R. Ford, die bei der US-[2][Militäroperation
in Venezuela] zum Einsatz kam, verbrachte vor ihrer Rückkehr im Mai 326
Tage auf See. Laut Senator Blumenthal sei dies „fast doppelt so lang wie
ein herkömmlicher, sechsmonatiger Flugzeugträger-Einsatz und der längste
moderne Einsatz eines US-Flugzeugträgers seit dem Vietnamkrieg“. Für ihn
und andere Parteimitglieder sei dies ein Anzeichen dafür, dass verlängerte
Einsätze keine Ausnahme mehr seien, sondern fester Bestandteil der
Strategie innerhalb der Marine.
Das US-Verteidigungsministerium postete am Samstag ein kurzes CNN-Video auf
X, um zu beweisen, dass alles halb so schlimm sei. Zu sehen ist dabei
Reporterin Pamela Brown, die im vergangenen Monat von Bord berichtete. In
ihrem TV-Bericht ist zu sehen, wie die Besatzung Eis isst. „Fragen Sie
sich, was es mit der USS Abraham Lincoln auf sich hat? Die Reporterin und
CNN-Moderatorin Pamela Brown war letzten Monat dort. Glauben Sie ihr
einfach … (und gönnen Sie sich dazu eine Kugel Eis)“, hieß es in dem Post.
Der Krieg gegen den Iran, der laut Trump nur vier oder sechs Wochen dauern
sollte, [3][hält derweil seit mehr als fünf Monaten an.]
16 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /USA-und-Iran-im-Krieg/!6202945
(DIR) [2] /Venezuela-11-Tage-nach-dem-Erdbeben/!6193667
(DIR) [3] /USA-und-Iran-im-Krieg/!6204452
## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Donald Trump
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Militär
(DIR) Flugzeugträger
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) USA und Iran im Krieg: Trump will Straße von Hormus annektieren
Grönland, Kuba, Venezuela: Die Okkupations-Fantasien des US-Präsidenten
sind unerschöpflich. Nun will er die Straße von Hormus zum US-Territorium
machen.
(DIR) US-Regierungssprecherin Leavitt geht: Trump braucht ein neues Sprachrohr
Mit Präsidentensprecherin Karoline Leavitt tritt die bisher jüngste
Sprecherin im Weißen Haus zurück. Sie hat den Ton gegenüber den Medien
verschärft.
(DIR) Krieg zwischen USA und Iran: Trump rudert zurück, aber Krieg geht weiter
Erst wollte Trump auf Warentransporte durch die Straße von Hormus eine
20-Prozent-Gebühr erheben. Jetzt nicht mehr. Aber die Angriffe dauern an.