# taz.de -- Trumps Triumphbogen in Washington: Noch nicht mal die Avantgarde der Gestrigen
       
       > Eine Kommission hat Trumps Triumphbogen-Projekt für Washington D.C.
       > durchgewunken. Die Architektur funzt halt, würden Napoleon oder Albert
       > Speer denken.
       
 (IMG) Bild: Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, hält Baupläne zum Triumphbogen hoch
       
       Hatte irgendjemand daran gezweifelt, dass Trump sein Triumphbogen-Projekt
       wirklich umsetzen würde? Denn im US-Kulturbetrieb zieht der US-Präsident
       seine Make-America-Great-Again-Politik mit beängstigender Stringenz durch.
       Ästhetisch rückt er die USA durch Dekrete, Personalien und so konkrete
       Fakten wie den abgerissenen Ostflügel des Weißen Hauses zunehmend in sein
       fantasmagorisches MAGA-Vergangenheitsbild hinein. Und das liegt irgendwo
       zwischen dem Klassizismus zur Zeit der Staatsgründung und den suburbanen
       1950ern der Tupperware-Parties.
       
       Nun steht also fest, dass ein 76 Meter hoher Triumphbogen in Washington
       D.C. in Gedenken an Trumps nunmehr 79-jährige Person und ein bisschen an
       das 250-jährige Bestehen der USA gebaut werden soll.
       
       Die Kommission der schönen Künste – deren Mitglieder im vergangenen Jahr
       von Trump gefeuert und dann durch Gefolgsleute ersetzt worden waren –
       stimmte am Donnerstag einstimmig für das Denkmal. Es sieht dem
       napoleonischen Triumphbogen in Paris an der Avenue des Champs Élysées
       ziemlich ähnlich, wäre dem Trump’schen Modell nicht noch ein riesiger
       goldener Engel samt Fackel und Krone aufgesetzt worden, flankiert von zwei
       goldenen Adlern. „United States Triumphal Arch“ soll das MAGA-Ding heißen.
       
       Zur Avantgarde der Gestrigen gehört Trump mit seinem Triumphbogenprojekt
       aber nicht. Nordmakedonien etwa zeigte schon vor über einer Dekade, wie
       great again es sein konnte, als es 2014 in seiner Hauptstadt Skopje ein
       ganz ähnliches Bauwerk präsentierte. Auch hier war das Vorbild Napoleons
       Triumphbogen, mit rund 20 Metern Höhe nur deutlich kleiner als das 50 Meter
       hohe Original in Paris.
       
       ## Beispiel Nordmazedonien
       
       Der rechtspopulistische Ministerpräsident Nikola Gruevski – vor Jahren
       musste er wegen Korruptionsvorwürfen aus dem Land fliehen – hatte im Zuge
       seiner „Identitätspolitik“ ganz Skopje mit so einer pseudo-antiken
       Architektur überformt. Dass er dabei eine griechisch-antike Vergangenheit
       Nordmakedoniens beschwören wollte, im Triumphbogen aber ein bauliches
       Vorbild der römischen Antike findet, scheint nicht von Belang gewesen zu
       sein.
       
       Denn so ein antik-römischer Triumphbogen, mit seinen kräftig
       hervortretenden Säulen und verzierten Gesimsen, dem kriegs-erzählenden
       Bauschmuck funzt einfach mehr als so ein karger griechisch-antiker
       Säulenumgang. Das wusste man in Frankreich schon lange. Die dortige
       klassizistische Baukunst orientierte sich immer eher an der römischen
       Antike.
       
       Besonders der Architekt Jean-François-Thérèse Chalgrin. Napoleon I. hatte
       ihn 1806 damit beauftragt, in Paris [1][ein Denkmal zu Ehren der Grande
       Armée] zu entwerfen. Fertig wurde der Triumphbogen nach römischen Vorbild
       dann erst 1836, da war der einstige Kaiser Napoleon schon längst abgesetzt
       und tot.
       
       Dass der Pariser Triumphbogen derartig beliebt ist unter antidemokratischen
       Geschichtsverklärern wie Trump oder Gruevski mag auch an seiner
       städtebaulichen Einbindung liegen: Zwölf breite Straßenachsen laufen
       sternförmig auf ihn zu. Das ist ein Traum für die autoritäre Stadtplanung.
       [2][Albert Speer strebte ähnliche Aufmarschachsen an], als er für die Nazis
       die Siegessäule auf dem Stern im Berliner Tiergarten platzierte. Auch
       Trumps Triumphbogen soll auf einer Verkehrsinsel am Ende der Arlington
       Memorial Bridge in einer Achse mit dem Lincoln Memorial entstehen.
       
       ## Wer hat's erfunden?
       
       Und wer hat das eigentlich alles für Trump entworfen? Das in Washington
       D.C. ansässige Architektur- und Designbüro Harrison Design, insbesondere
       deren Büropartner Nicolas Leo Charbonneau. Der hat sich bislang mit
       katholischen Kirchenbauten in den Ostküsten-Staaten hervorgetan.
       
       Die sind ein Cocktail der europäischen Architekturgeschichte. Seine St.
       Ambrose Catholic Church in Annandale hat innen ein bisschen was [3][von
       Florentiner Renaissance] – ein paar schöne Rundbögen und Oculi – außen
       umgibt sie eine Backstein-Creme aus Romanik und Gotik.
       
       Gegen den Bau des imperialen „United States Triumphal Arch“ hatten in den
       USA Veteranen und Architekturhistoriker geklagt. Er bedürfe der Zustimmung
       des Kongresses. Denn, so das Argument der Kläger, er beeinträchtige die
       Sichtachse zwischen zwei Denkmälern, die vor rund 100 Jahren bewusst so
       angelegt worden sei. Der MAGA-römische Trump-Bogen soll nämlich einmal
       zwischen dem Arlington National Cemetery und dem Lincoln Memorial –
       übrigens von Architekt Henry Bacon noch im schlichten Stil des Greek
       Revival nach Vorbild des Athener Parthenons entworfen – stehen.
       
       Den Kongress aber scheint Trump ignorieren zu wollen: „Wir machen es“,
       zitieren ihn die Nachrichtenagenturen. „Wir brauchen nichts vom Kongress.“
       
       22 May 2026
       
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